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16.06.2020 Hausärztliche Versorgung mit TeleDoc PLUS

News Arzt & Praxis

Telemedizin ist in aller Munde – oft aber nur als Option für die Zukunft. Ein Projekt der AOK PLUS in Thüringen zeigt schon seit 2018 ganz praktisch, wie die hausärztliche Versorgung auch telemedizinisch unterstützt werden kann – durch speziell ausgebildete MFA.

Ärzte mit Tablet (Symbolbild)
iStock.com/Chinnapong

Mit Tele-Rucksack auf Tour

Für Patienten mit chronischen Erkrankungen oder Mobilitätseinschränkungen, die in ländlichen Regionen leben, ist das Erreichen einer Arztpraxis oft mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Für diese Patientengruppen ist die Versorgung im Hausbesuch von immenser Bedeutung. Dann müssen jedoch die Hausärzte, die häufig in ländlichen Regionen besonders viele Patienten betreuen, zeitintensive Anfahrtswege in Kauf nehmen.

Ein ganz neuer Ansatz ist das digitale Versorgungsangebot TeleDoc PLUS (TeleArzt), das die AOK PLUS und die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) mit Unterstützung der Landesregierung gemeinsam in dem Bundesland gestartet haben. Es soll Hausbesuche telemedizinisch ergänzen. Das Konzept ist seit rund zwei Jahren in Thüringen im Einsatz. Dort gibt es mehr als 400 nichtärztliche Praxisassistentinnen (NäPa), die Hausbesuche für Ärzte übernehmen. Und genau diese Zusatzweiterbildung braucht es auch als Voraussetzung für den delegierbaren telemedizinischen Hausbesuch.

Besondere Fortbildung

Aktuell nehmen in Thüringen 39 Ärztinnen und Ärzte teil. 34 Tele-Assistentinnen übernehmen für sie die Hausbesuche. Vor Beginn ihrer Tätigkeit werden die NäPa zu „Telemedizinischen Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis“ weitergebildet.

Beim Hausbesuch oder der Visite im Pflegeheim führt die NäPa einen telemedizinischen Rucksack mit sich. Er beinhaltet vor allem medizinische Messgeräte, etwa ein Pulsoximeter, Blutzucker- und Blutdruckmessgerät, Spirometer, digitale Waage und ein mobiles 3-Kanal-EKG.

Die Übertragung erfolgt mithilfe eines Tablets mit Schnittstelle zum Arztinformationssystem. Dazu werden die Daten vom entsprechenden Messgerät per Bluetooth auf das Tablet übertragen und von dort direkt in die Arztpraxis und die jeweilige Patientenakte übermittelt. Aus Datenschutzgründen wird nur eine Identifikationsnummer (Patienten-ID) genutzt, es werden also weder Name noch Geburtsdatum übertragen. Anhand der ID kann die Praxis die Werte dem Patienten zuordnen.

Für Patienten mit Wunden bietet Tele-Doc PLUS der NäPa die technische Voraussetzung, den Wundstatus standardisiert zu erheben und dem Hausarzt zur Auswertung digital zu übermitteln. In Abstimmung mit dem Hausarzt besteht darüber hinaus die Möglichkeit, eine Sturzrisikoanalyse im häuslichen Umfeld durchzuführen und einen Gesundheitsfragebogen mit dem Patienten aufzunehmen. Alle Maßnahmen haben eines gemeinsam: Sie unterstützen eine Verbesserung der Lebensqualität betroffener Patienten.

Video-Chat mit dem Arzt

Sofern medizinisch erforderlich, kann der Hausarzt per Video zugeschaltet werden, mit dem Patienten sprechen oder das weitere Vorgehen mit der NäPa abstimmen. Auf diese Weise werden die Patienten so gut versorgt, als wäre der Arzt bei ihnen. Durch den Austausch per Video bleibt das enge Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bestehen, der Patient erlangt Sicherheit im Umgang mit seiner Erkrankung, und die MFA wird zur zusätzlichen Ansprechpartnerin. Das Angebot ist auch für Patienten nutzbar, die selbst nicht mit digitaler Technik umgehen können, dieses Angebot aber gerne nutzen wollen.

Die Abrechnung bei TeleDoc PLUS erfolgt ganz normal über die KVT. Die AOK PLUS zahlt für bis zu 50 Hausbesuche pro Quartal zusätzlich 15 Euro zur NäPa-Vergütung, die es über den EBM gibt (rund 20 Euro für Hausbesuch und Zuschlag zur Versichertenpauschale, EBM-Ziffern 03062 und 03060). Wird der Arzt per Videokontakt zugeschaltet, kommen noch einmal acht Euro dazu. Außerdem gibt es Zuschläge für die Sturzrisikoanalyse, die Gesundheitsbefragung und die Wundanalyse.

TeleDoc PLUS ist ein Digitalisierungsprojekt, das für viele Arztpraxen genau an der richtigen Stelle ansetzt. Es spart Zeit in der Praxis, weil für den Arzt Fahrtwege wegfallen und Vitaldaten nicht mehr per Hand in die Patientenakte übertragen werden müssen. Zu den langfristigen Zielen gehört es, die sich stetig wandelnden technischen Möglichkeiten mit den Bedürfnissen der Praxisteams und der Patienten im ländlichen Raum unter einen Hut zu bringen. Ideen zur Weiterentwicklung gibt es viele, beispielsweise die Einbindung von Pflegefachkräften in Heimen. Technisch soll zudem die Flexibilität des telemedizinischen Rucksacks noch weiter verbessert werden, indem der Inhalt flexibler den jeweiligen Anforderungen des Arztes angepasst werden kann.

Thüringen ist bislang das einzige Bundesland mit einer flächendeckenden Umsetzung der telemedizinischen Hausbesuche. Tests laufen aber auch schon in abgegrenzten Regionen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Bayerns.

Magazin für MFA

Dieser Text ist in Ausgabe 01/2020 von "info praxisteam" erschienen. Das kostenlose Magazin für Medizinische Fachangestellte erscheint viermal im Jahr - in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband.

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Telemedizin ist in aller Munde – oft aber nur als Option für die Zukunft. Ein Projekt der AOK PLUS in Thüringen zeigt seit 2018, wie die hausärztliche Versorgung telemedizinisch unterstützt werden kann – durch speziell ausgebildete MFA. Weitere Themen: Boreout in der Praxis, Impfmanagement-Fortbildung für MFA, Verhaltensänderungen gegen das metabolische Syndrom

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