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Qualitätsmanagement in der Arztpraxis: Beispiele und Tipps

Qualitätsmanagement (QM) hilft Arztpraxen dabei, Abläufe zuverlässig zu organisieren, Risiken zu reduzieren und die Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln. Vertragsärztliche Praxen sind gesetzlich verpflichtet, ein internes QM-System einzuführen und weiterzuentwickeln.

Eine Patientin meldet sich mit ihrer elektronischen Gesundheitskarte in der Arztpraxis an.
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QM-Checkliste für die Arztpraxis (Kurzüberblick)

Diese Punkte helfen als schneller Selbstcheck. Wenn Sie mehrere Fragen mit „Nein“ beantworten, lohnt sich ein genauerer Blick auf das Qualitätsmanagement Ihrer Praxis.

  • Sind die wichtigsten Prozesse beschrieben (zum Beispiel für Anmeldung, Impfen, Labor oder Notfälle)?
  • Sind Zuständigkeiten und Vertretungen schriftlich geregelt?
  • Gibt es regelmäßige Teamtermine zu QM-Themen?
  • Werden Risiken und Fehler systematisch erfasst und ausgewertet?
  • Gibt es ein Beschwerdemanagement mit klaren Rückmeldewegen?
  • Sind Datenschutz und Informationssicherheit in den Abläufen berücksichtigt?
  • Werden Mitarbeitende regelmäßig geschult und eingewiesen?
  • Werden Ziele festgelegt, Maßnahmen umgesetzt und Ergebnisse regelmäßig überprüft?

Was bedeutet Qualitätsmanagement in der Arztpraxis?

Qualitätsmanagement (QM) in der Arztpraxis bedeutet, Arbeitsabläufe systematisch zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und bei Bedarf zu verbessern. Im Fokus stehen nicht medizinische Therapieentscheidungen, sondern die Prozesse rund um den Arzt-Patienten-Kontakt.

Typische QM-Aufgaben in der Praxis:

  • Arbeitsprozesse und Handlungsabläufe festlegen und regelmäßig prüfen
  • Fehler und Risiken erkennen, auswerten und vorbeugen
  • Verbesserungsmöglichkeiten erkennen und im Team umsetzen

Das sollten Praxen wissen: Qualitätsmanagement ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht. Es unterstützt Praxisteams dabei, Abläufe transparent zu gestalten, Fehler frühzeitig zu erkennen und Verbesserungen systematisch umzusetzen.

Qualitätsmanagement ist Pflicht: die QM-Richtlinie des G-BA

Für vertragsärztliche Praxen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Medizinische Versorgungszentren ist Qualitätsmanagement Pflicht. Das sehen die gesetzlichen Vorgaben des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) vor. Die Anforderungen konkretisiert die Qualitätsmanagement-Richtlinie (QM-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Ziel der QM-Richtlinie ist es, die Qualität der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung kontinuierlich zu sichern und weiterzuentwickeln. Dazu werden Organisation, Arbeits- und Behandlungsabläufe festgelegt und regelmäßig überprüft.

Das Qualitätsmanagement muss innerhalb von drei Jahren nach der Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung eingerichtet und anschließend kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Die wichtigsten Bereiche der QM-Richtlinie

In welchen Bereichen soll die Qualität überhaupt überprüft werden? Der G-BA nennt als grundlegende Bereiche des Qualitätsmanagements in Praxen:

  • Patientenorientierung einschließlich Patientensicherheit,
  • Mitarbeiterorientierung einschließlich Mitarbeitersicherheit,
  • Prozessorientierung,
  • Kommunikation und Kooperation,
  • Informationssicherheit und Datenschutz,
  • Verantwortung und Führung.

Dabei geht es nicht darum, die eigentliche ärztliche Behandlung festzuschreiben, sondern vielmehr die Prozesse rund um den Arzt-Patienten-Kontakt zu ordnen.

QM in der Arztpraxis umsetzen: Instrumente und Methoden

Wenn klar ist, welche Ziele erreicht werden sollen, geht es an die Umsetzung. Die QM-Richtlinie nennt Instrumente, die in Praxen grundsätzlich eingesetzt werden sollen. Ausnahmen sind möglich, zum Beispiel wenn die Personalsituation oder die räumlichen Gegebenheiten dies nicht zulassen.

Typische QM-Instrumente in der Arztpraxis:

  • Qualitätsziele festlegen und bewerten (zum Beispiel Wartezeiten, Erreichbarkeit, Sicherheitsziele)
  • Ist-Zustand erheben / Selbstbewertung
  • Zuständigkeiten schriftlich regeln (zum Beispiel durch eine Verantwortlichkeitsmatrix oder ein Organigramm)
  • Prozess- und Ablaufbeschreibungen
  • Schnittstellenmanagement (Zusammenarbeit mit anderen Praxen, Pflege, Kliniken, Laboren)
  • Checklisten (zum Beispiel Impfprozesse, Notfallmanagement, Aufbereitung)
  • Teambesprechungen (regelmäßige QM-Termine)
  • Fortbildung und Schulung (auch für neue Mitarbeitende/MFA)
  • Patienten- und Mitarbeitendenbefragungen
  • Beschwerdemanagement
  • Risikomanagement und Fehlermanagement (inklusive Fehlermeldesysteme)

Beispiel: Schnittstellenmanagement in der Arztpraxis

Schnittstellen entstehen überall dort, wo Informationen übergeben werden, zum Beispiel:

  • Überweisungen und Befundkommunikation
  • Zusammenarbeit mit Pflegediensten oder Heimen
  • Laboranforderungen und Befundrückläufe
  • Entlassmanagement nach Klinikaufenthalt

Ein guter QM-Standard ist hier: klare Zuständigkeiten, definierte Wege, dokumentierte Übergaben.

Kontrolle durch die Kassenärztliche Vereinigung

Die Kassenärztlichen Vereinigungen überprüfen stichprobenartig, ob Praxen die Anforderungen der Qualitätsmanagement-Richtlinie umsetzen. Ausgewählte Praxen werden aufgefordert, die eingeführten Maßnahmen schriftlich zu dokumentieren und nachzuweisen.

Werden die Anforderungen nicht vollständig erfüllt, unterstützen die Kassenärztlichen Vereinigungen die Praxis dabei, bestehende Lücken zu schließen und die Vorgaben umzusetzen.

QM-Beauftragte oder QM-Beauftragter (QMB): Rolle und Aufgaben

Qualitätsmanagement ist Führungsaufgabe. In der Praxis hilft es, eine Person als QM-Beauftragte oder QM-Beauftragten (QMB) zu benennen, um das Thema im Alltag zu koordinieren.

Typische Aufgaben der QMB-Rolle sind:

  • Schnittstelle zwischen Praxisleitung und Team
  • Ansprechperson für Fragen zum Qualitätsmanagement
  • Koordination von QM-Maßnahmen, Terminen und Dokumentation
  • Unterstützung bei Schulungen und Unterweisungen
  • Vorbereitung interner Überprüfungen (zum Beispiel Prozesschecks)
  • Vorschläge für jährliche QM-Bewertungen (zum Beispiel Befragungen, Auswertung von Beschwerden)

Tipp: Um QMB zu werden, benötigen Sie zwar keine spezielle Ausbildung. Was sich aber empfiehlt, ist eine fundierte, anerkannte Fortbildung zum Thema Qualitätsmanagement. Schließlich müssen Sie andere über QM informieren und sie zum Mitmachen motivieren.

Praxisleitbild im QM: Orientierung für Team und Abläufe

Neben Prozessen und Zuständigkeiten kann auch ein gemeinsames Praxisleitbild Teil des Qualitätsmanagements sein. Es beschreibt kurz, wofür die Praxis steht und welche Ziele im Umgang mit Patientinnen und Patienten sowie im Team gelten.

Mini-Beispiel (formulierungsoffen):

  • „Wir organisieren Abläufe so, dass Patientensicherheit und Datenschutz zuverlässig eingehalten werden.“
  • „Wir stimmen Zuständigkeiten transparent ab und besprechen Verbesserungen regelmäßig im Team.“

Das passende QM-System für die Arztpraxis auswählen

Die Qualitätsmanagement-Richtlinie schreibt kein bestimmtes QM-System vor. Praxen können ein etabliertes Modell nutzen oder ein eigenes System entwickeln – entscheidend ist, dass die Anforderungen der QM-Richtlinie erfüllt werden.

Bei der Auswahl helfen diese Kriterien:

  • Passt das System zu Größe, Fachrichtung und Organisation der Praxis?
  • Unterstützt es Prozesse, statt zusätzliche Bürokratie zu erzeugen?
  • Sind Rollen, Dokumentation und Verbesserungsprozess gut abbildbar?
  • Lässt es sich im Team praktisch anwenden und weiterentwickeln?

Qualitätsmanagement: mehr erfahren

Weiterführende Informationen

Praxiswissen Quickcheck

Mit den kostenlosen Online-Lernprogrammen „Praxiswissen Quickcheck“ können sich Praxisteams über die Umsetzung von DMP und die richtige Verordnung von DiGA, Heilmitteln, Krankenfahrten und häuslicher Krankenpflege informieren und ihr Wissen testen.

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