Behandlungsfehler: Fehlerquote bleibt gleich hoch
Der Medizinische Dienst hat im vergangenen Jahr bundesweit 11.735 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. In mehr als jedem vierten Fall bestätigte das Gutachten einen Behandlungsfehler mit Schaden.

2.700 Fehler verursachten Schäden
Der Medizinische Dienst hat im vergangenen Jahr bundesweit 11.735 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. In mehr als jedem vierten Fall (3.098 Fälle oder 26,4 Prozent) stellten die Gutachterinnen und Gutachter einen Behandlungsfehler mit Schaden fest – in 2.700 Fällen (23 Prozent) war der Fehler Ursache des erlittenen Schadens. In 97 Fällen führte der Fehler zum Tod oder trug wesentlich dazu bei. Das geht aus der aktuellen Jahresstatistik zur Behandlungsfehlerbegutachtung hervor, die der Medizinische Dienst (MD Bund) am 20. August 2026 in Berlin vorgestellt hat. 150 Fälle und damit 16 Fälle mehr als noch im Jahre 2024 wurden von den Gutachterinnen und Gutachtern als sogenannte Never Events eingestuft. Dazu zählen u.a. schwerwiegende Medikationsfehler, unbeabsichtigt im Körper zurückgebliebene Fremdkörper nach Operationen oder auch Patienten- und Seitenverwechslungen.
Orthopädie und Unfallchirurgie bleiben vorn
Im Vergleich zur Statistik des vergangenen Jahres ging die Zahl der von den Medizinischen Diensten erstellten Gutachten bei vermuteten Behandlungsfehlern leicht zurück: 2024 hatten die Dienste bundesweit noch 12.304 Gutachten erstellt, die eine vergleichbare Quote tatsächlicher Behandlungsfehler ergaben. Unverändert blieb aber 2025 der stationäre Sektor mit 7.633 Verdachtsfällen vor dem ambulanten Bereich mit 4.073 Gutachten. Bei den Fachbereichen blieb die Orthopädie und Unfallchirurgie diejenige mit den meisten Fehlervorwürfen (29,6 Prozent), gefolgt von der Inneren Medizin und Allgemeinmedizin (10,6 Prozent); 8,9 Prozent der Gutachten fielen in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe an und 8,4 Prozent in der Zahnmedizin, die mit 36,1 Prozent eine deutlich überdurchschnittliche Quote bestätigter Fehler aufwies. Gleiches gilt für den Bereich der Pflege, bei der in 62 Prozent der begutachteten Fälle ein Fehler gutacherlich festgestellt wurde.
Jeder dritte Schaden bleibt
Bei zwei Dritteln der festgestellten Behandlungsfehler gingen die fehlerbedingten Beschwerden wieder zurück, in jedem dritten Fall kam es jedoch zu dauerhaften Schäden. Wie der MD Bund bei der Vorstellung der Ergebnisse betonte, zeigen die Zahlen nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Fehlergeschehens: Die OECD schätzt, dass in hochentwickelten Ländern rund 15 Prozent der Kosten der stationären Versorgung für die Folgen vermeidbarer Schadensereignisse aufgewendet werden. Übertrage man diesen Schätzwert auf die Krankenhausausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland, ergebe sich für 2025 eine Größenordnung von rund 16,7 Milliarden Euro.
- Maßnahmen für mehr PatientensicherheitBehandlungs- und Pflegefehler