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Krebsversorgung konzentriert sich auf weniger Kliniken

Der WIdO-Qualitätsmonitor 2026 weist für mehrere komplexe Tumoroperationen steigende Fallzahlen je Krankenhaus aus. Bei der Behandlung in zertifizierten Krebszentren fällt die Veränderung deutlich schwächer aus.

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Ärztin spricht im Krankenzimmer mit einem älteren Patienten im Krankenhausbett.
iStock.com/Anchiy

WIdO-Qualitätsmonitor aktualisiert

Am stärksten hat sich die Krankenhauslandschaft bei Speiseröhrenoperationen verändert: Zwischen 2020 und 2024 sank die Zahl der beteiligten Standorte von 271 auf 134, während die durchschnittliche Fallzahl je Klinik von 17 auf 31 stieg. Das geht aus dem kürzlich mit den Daten für 2024 aktualisierten Qualitätsmonitor des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Auch bei anderen komplexen Eingriffen verteilt sich die Versorgung auf weniger Häuser. Bei Brustkrebsoperationen verringerte sich die Zahl der Kliniken im selben Zeitraum von 575 auf 449, die mittlere Fallzahl je Haus stieg von 122 auf 166. Bei Lungenkrebs erhöhte sie sich von 49 auf 71, während die Zahl der Standorte von 372 auf 294 zurückging. Für Operationen an der Bauchspeicheldrüse weist der Qualitätsmonitor ebenfalls einen Rückgang der beteiligten Häuser aus: von 479 auf 364. Gleichzeitig nahm die durchschnittliche Fallzahl von 26 auf 33 zu.

Hinter dieser Entwicklung stehen neue oder angehobene Mindestmengen. Für Brust- und Lungenkrebsoperationen gelten seit 2024 verbindliche Untergrenzen, die 2025 nochmals erhöht wurden. Für Speiseröhrenoperationen war die Mindestmenge bereits 2023 von 10 auf 26 Eingriffe angehoben worden. Bei Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse stieg sie 2024 von zehn auf 15 und 2025 auf 20. Die Daten für 2024 bilden damit bei Brust und Lunge erst den Beginn der strukturellen Veränderungen ab.

Zentren müssen zusätzliche Anforderungen erfüllen

WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder bewertet die Entwicklung positiv: „Die Zahl der Krankenhäuser sinkt, während die Operationszahlen pro Standort steigen.“ Der Qualitätsmonitor zeigt zugleich, wie viele Patientinnen und Patienten weiterhin in Häusern behandelt werden, deren Fallzahlen unter den heute geltenden Schwellen liegen. Bei Speiseröhrenoperationen sank dieser Anteil von 54,4 Prozent im Jahr 2020 auf 15 Prozent im Jahr 2024. Bei Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse ging er von 21,1 auf 10,2 Prozent zurück. 

Die Fallzahl allein beschreibt jedoch nicht die gesamte Versorgungsqualität. Zertifizierte Krebszentren müssen zusätzliche Anforderungen erfüllen, etwa an die fachübergreifende Zusammenarbeit, abgestimmte Abläufe und eine Behandlung nach wissenschaftlichen Leitlinien. Dr. Konstanze Blatt, Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft, sagt: „Denn auch im Vergleich zu Einrichtungen, die die Mindestmengen erfüllen, sehen wir einen zusätzlichen Überlebensvorteil in den zertifizierten Zentren“ (siehe auch Interview „Die Versorgung in einem zertifizierten Zentrum ist die beste“ ).

Bei der Behandlung in zertifizierten Zentren zeigt der Qualitätsmonitor nur geringe Fortschritte. Bei Brustkrebs wurden 2024 bundesweit 8.255 Patientinnen außerhalb eines zertifizierten Zentrums operiert. Das entsprach elf Prozent der Fälle und damit demselben Anteil wie im Vorjahr. Hinter dem Bundeswert stehen deutliche regionale Unterschiede. So sank der Anteil in Sachsen-Anhalt innerhalb eines Jahres von 27 auf 12 Prozent. Auch die Länderübersicht des Qualitätsmonitors weist eine große Spannweite aus. Bei Lungenkrebs fällt die Entwicklung noch verhaltener aus. 2024 fanden 57 Prozent der Operationen in einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Zentrum statt. 2020 waren es 51 Prozent. Damit wurde weiterhin ein großer Teil der Betroffenen außerhalb dieser spezialisierten Strukturen behandelt.

Eine stärkere Ausrichtung auf zertifizierte Zentren setzt nicht erst bei der Krankenhausplanung an. Auch bei Diagnose und Überweisung werden Weichen gestellt. Blatt sieht hier vor allem die ambulante Versorgung in der Verantwortung: „Sobald eine onkologische Verdachtsdiagnose besteht, spätestens aber, wenn sie sich bestätigt, sollte die Versorgung in einem zertifizierten Zentrum aktiv angesprochen werden.“

Warum die Länder gefragt sind

WIdO-Chef Schröder fordert die Länder auf, die Zentralisierung von Krebsbehandlungen in zertifizierten Kliniken weiter voranzutreiben. Er verweist auf belegte Überlebensvorteile und darauf, dass diese Zentren neben den Fallzahlvorgaben weitere Anforderungen an Strukturen, Abläufe und leitliniengerechte Therapien erfüllen müssen. Die aktuellen Daten zeigen zwei unterschiedliche Geschwindigkeiten. Mindestmengen verändern die Zahl der Standorte und die durchschnittliche Fallzahl je Standort deutlich. Bei der Behandlung in zertifizierten Zentren bleiben die Verschiebungen bislang begrenzt. Der WIdO- Qualitätsmonitor liefert dazu Zeitreihen, Ländervergleiche und Angaben zu einzelnen Kliniken.

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Der WIdO-Qualitätsmonitor 2026 weist für mehrere komplexe Tumoroperationen steigende Fallzahlen je Krankenhaus aus. Bei der Behandlung in zertifizierten Krebszentren fällt die Veränderung deutlich schwächer aus.

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