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18.08.2022 PRO DIALOG: „Letztlich ist es ein Versagen der Fachgesellschaften“

News Arzt & Praxis

Dass laut Studiendaten noch immer zu viele kombinierte orale Kontrazeptiva mit erhöhtem Thromboserisiko im Einsatz sind, liegt auch an der Ärzteschaft selbst, meint Professorin Ingrid Mühlhauser. Die Vorsitzende des Arbeitskreises Frauengesundheit e.V. erklärt im Interview mit PRO DIALOG, was sich ändern müsste.

Professorin Ingrid Mühlhauser
Felix Faller / Alinea.Design

Interview mit Ingrid Mühlhauser

Frau Professorin Mühlhauser, wie lässt sich erklären, dass heute immer noch zu viele kombinierte orale Kontrazeptiva – also KOK – mit höherem Risiko verschrieben werden?

Professorin Ingrid Mühlhauser: Die Evidenzbasierte Medizin ist in vielen Praxen immer noch nicht angekommen. Die Pharmaindustrie beeinflusst weiterhin das Verordnungsverhalten. Fortbildungsveranstaltungen und Leitlinienersteller sind nicht frei von Interessenkonflikten.

Letztlich ist es ein Versagen der Fachgesellschaften, Zulassungsbehörden und der ärztlichen Selbstverwaltung. Es ist deren Aufgabe, eine wissenschaftsbasierte Verordnung von Arzneimitteln sicherzustellen.

Es fehlen aussagekräftige Studien

Wodurch zeichnen sich geeignetere Präparate aus?

Alle KOK haben eine vergleichbar hohe kontrazeptive Wirksamkeit. Einfache Anwendung im Alltag ist notwendig, um einen sicheren Schutz zu gewährleisten. Entscheidendes Kriterium ist ein möglichst niedriges Thromboserisiko. Wirksamkeit und Risiken müssen in aussagekräftigen Studien dokumentiert sein.

Wie bedeutsam sind denn Unterschiede im Nutzen der verschiedenen Pillenpräparate?

Verschiedenen Gestagenkomponenten mit höherem Thromboserisiko wurden auch positive Nebeneffekte zugeschrieben, beispielsweise Drospirenon, Gestoden, Desogestrel oder Dienogest. Sie wurden erfolgreich mit dem Versprechen vermarktet, Haut und Haare schöner zu machen und einer Gewichtszunahme vorzubeugen.

Der wissenschaftliche Beweis für spezifische Nebeneffekte steht jedoch aus. Es fehlen aussagekräftige randomisiert-kontrollierte Studien, die solche Vorteile einzelner Pillenpräparate im fairen Vergleich belegen würden.

Anteil der GKV-versicherten Frauen, die kombinierte orale Kontrazeptiva verordnet bekommen (Grafik)
AOK-Bundesverband

Präparate mit hohem Thromboserisiko vom Markt nehmen?

2013/2014 gab es Überlegungen, Präparate mit hohem Thromboserisiko ganz vom Markt zu nehmen. Das ist bisher nicht geschehen. Wie stehen Sie zu einer solchen Maßnahme?

Der Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF) e.V. hat im April 2021 in einer Stellungnahme radikale Maßnahmen zur Reduzierung von KOK mit erhöhtem Thromboserisiko gefordert. In Folge hat das BfArM im September 2021 neuerlich einen Roten Handbrief an alle Ärzte versendet und dringlich auf die besonderen Bedingungen der Zulassung von KOK verwiesen. Demnach sollten KOK mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat verordnet werden, da sie das geringste Thromboserisiko besitzen.

Für das Gespräch mit der Patientin stehen sowohl eine Checkliste für die Verschreibung als auch eine Informationskarte für die Patientin zur Verfügung. Diese Schulungsmaterialien sind für alle KOK verpflichtender Teil der Zulassung.

Die Informationskarte soll allen Patientinnen ausgehändigt werden. Der AKF hat gefordert, dass die Informationsprozesse in den Arztpraxen evaluiert werden. Die Aufklärungsprozesse in den Arztpraxen entsprechen nicht dem Patientenrechtegesetz.

Die Frauen haben Anspruch auf eine umfassende Aufklärung zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen hormonellen und vor allem auch der nicht-hormonellen Methoden zur Schwangerschaftsverhütung.

Zudem fordert der AKF für alle KOK aussagekräftige Studien. Dies gilt insbesondere für neue Präparate.

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PRO DIALOG vom 18.08.2022

Immer weniger Mädchen und junge Frauen setzen kombinierte orale Kontrazeptiva zur Verhütung ein. Eine Analyse zeigt, dass trotzdem immer noch zu viele Verhütungspillen mit einem höheren Risiko verschrieben werden.

Pro Dialog vom 18. August 2022

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