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04.09.2020 PRO DIALOG: Wie pflegende Angehörige durch die Pandemie kommen

News Pflege

Isoliert, überfordert, ohne Unterstützung: Pflegende Angehörige hatten unter den Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie besonders zu leiden. Zudem beschreiben sich viele Haushalte durch die Pflege als stark belastet.

Älter Person und jüngere Person sitzen sich gegenüber und halten ihre Hände
iStockphoto.com/ipopba

Familie als größter Pflegedienst

Rund 3,7 Millionen Menschen in Deutschland können ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen und erhalten Leistungen aus der Pflegeversicherung. Der größte Pflegedienst der Republik ist dabei die Familie: Fast drei Viertel der Pflegebedürftigen (2,8 Millionen) werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Während etwa ein Drittel der pflegenden Angehörigen dabei die Hilfe eines Pflegedienstes in Anspruch nimmt, versorgen die meisten ihre Ehepartner, (Schwieger-) Eltern oder auch Kinder allein.

Coronabedingt musste auch die AOK unterstützende Angebote vorübergehend einstellen. „An 60 Standorten in unserer Region konnten Pflegekurse wegen der Kontaktbeschränkungen nicht stattfinden“, sagt die Leiterin der Pflege Akademie der AOK Nordost, Dr. Katharina Graffmann-Weschke. In den kostenlosen und kassenunabhängig nutzbaren Kursen können sich pflegende Angehörige ein Grundwissen zur häuslichen Pflege aneignen und sich wertvolle Praxistipps von Pflegeexperten holen. Im Rahmen des AOK-Programms „Pflege in Familien fördern – PfiFf“ sind die Kurse ein wichtiger Baustein zur Unterstützung pflegender Angehöriger.

Verschiedene Online-Angebote

„Als klar war, dass die Pflegekurse vorläufig nicht mehr stattfinden können, haben wir schnell reagiert und stattdessen eine telefonische Anleitung rund um Pflegefragen angeboten“, erläutert Graffmann-Weschke. Während die Betroffenen das telefonische Beratungsangebot nur sporadisch nutzten, frequentierten sie dafür umso stärker die online verfügbaren Angebote, etwa die PfiFf-Pflegefilme der AOK. Hier können sich Interessierte zu den verschiedensten Bereichen der häuslichen Pflege in kurzen Filmbeiträgen ausführlich informieren – zum Beispiel wie man das Wundliegen verhindert. „Bei diesen Filmen, die alle Inhalte der Pflegekurse in realistischen Szenarios wiedergeben, sind die Nutzerzahlen bei YouTube im April und Mai massiv gestiegen. Wir hatten über 40 .000 Klicks in wenigen Wochen“, erklärt die Medizinerin Graffmann-Weschke.

Ähnlich erfolgreich könnte nach ihrer Einschätzung auch der neue Familiencoach Pflege der AOK werden, an dessen Entwicklung sich die Pflege Akademie beteiligte. Das Ende Juni veröffentlichte Onlineprogramm ist ein kostenloses und für alle Interessierten anonym nutzbares Angebot, das die Psyche von pflegenden Angehörigen stärken und sie vor Überlastung schützen soll. Hintergrund: Aktuelle Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegen, dass jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, durch die Pflege „hoch belastet“ ist. „Hier bietet unser neues Programm eine niedrigschwellige und jederzeit nutzbare Unterstützung“, so Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

„Auch wenn wir den Familiencoach Pflege bereits vor der Corona-Pandemie planten, kann es jetzt für die pflegenden Angehörigen ein sehr wertvolles Instrument zur seelischen Entlastung sein“, sagt Graffmann-Weschke. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen oder länger geplanten digitalen Angeboten hat die AOK Pflege Akademie aber auch sehr kurzfristig auf die Corona-Pandemie reagiert. „Es gab zu Beginn natürlich keine Informationen, wie man unter den Bedingungen einer Pandemie die häusliche Pflege organisieren kann“, sagt sie.

Infografik Pflegezeitverteilung
© ÄrztZeitung

Tipps zur Pflege in Coronazeiten

Verschiedene Themenblätter informieren deshalb auf der PfiFf-Website in mehreren Sprachen über alles, was für pflegende Angehörige unter den aktuellen Coronabedingungen wichtig ist – beispielsweise, welche Schutzkleidung sinnvoll ist und wie man sie richtig nutzt. In der Rubrik Tipps & Tricks informiert die PfiFf-Seite zusätzlich über coronabedingte leistungsrechtliche Neuheiten. Schließlich habe die Politik „ja durchaus einige Erleichterungen auf den Weg gebracht“, so Graffmann-Weschke. „Auch wenn es für die pflegenden Angehörigen eine sehr schwere Zeit war und ist, habe ich das Gefühl, dass die meisten beeindruckend improvisiert haben und neue Wege gegangen sind, um sich Unterstützung zu organisieren“, resümiert sie. „Insgesamt habe ich eine sehr große Hilfsbereitschaft bei den Menschen wahrgenommen und einen großen Willen bei allen Akteuren – Politik, Pflegediensten, Kassen und pflegenden Angehörigen – die Krise möglichst unbürokratisch und sehr flexibel zu meistern.“

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PRO DIALOG vom 04.09.2020

Achteinhalb Stunden täglich sind Pflegende im Einsatz für ihre Angehörigen. Problematisch könnte sich hier die Corona-Pandemie auswirken.

© ÄrzteZeitung

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