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Qualität messen, Versorgung verbessern

Die aktuellen QuATRo-Auszeichnungen zeigen, wie Routinedaten genutzt werden können, um in Arztnetzen Stärken zu erkennen, Schwachstellen gezielt anzugehen und die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln.

News Arztpraxen

Wie trägt QuATRo zur Qualitätsentwicklung in Arztnetzen bei?

Wie gut arbeiten Arztnetze in der ambulanten Versorgung? Wo gelingt leitliniengerechte Behandlung besonders gut? Und an welchen Stellen lohnt es sich, genauer hinzuschauen? Antworten darauf gibt das AOK-Projekt QuATRo. Die Abkürzung steht für „Qualität in Arztnetzen – Transparenz mit Routinedaten“. Das Projekt nutzt Abrechnungsdaten der AOK, um Versorgungsqualität in Arztnetzen messbar und vergleichbar zu machen. Für die teilnehmenden Praxen entsteht dadurch kein zusätzlicher Dokumentationsaufwand.

Die aktuellen QuATRo-Auszeichnungen 2026 beruhen auf den Daten des Berichtsjahres 2024. In die Auswertung einbezogen wurden 52 Arztnetze in elf KV-Regionen. Die Datenbasis umfasst rund 341.000 Versicherte sowie rund 2.100 Hausärztinnen und Hausärzte und 1.400 Fachärztinnen und Fachärzte. Insgesamt werden im Projekt 63 Qualitätsindikatoren und Kennzahlen betrachtet. Sie reichen von der Versorgung chronischer Erkrankungen über Prävention und Patientensicherheit bis hin zu Fragen der Koordination und Zusammenarbeit.

Wie macht QuATRo Versorgungsqualität in Arztnetzen messbar?

Für die Auszeichnung werden inzwischen 16 Auszeichnungsindikatoren berücksichtigt. Neu hinzugekommen ist der Indikator RA 3. Er misst den Anteil der Versicherten ohne Antibiotikatherapie bei „banalen“ Infektionen. Damit wird ein weiterer Aspekt leitliniengerechter Versorgung in das Auszeichnungsset aufgenommen. Der Indikator knüpft an ein Thema an, das in der ambulanten Versorgung seit Jahren wichtig ist: Antibiotika sollen dort eingesetzt werden, wo sie medizinisch notwendig sind.

Der Blick auf die Entwicklung der Auszeichnungsindikatoren zeigt insgesamt ein stabiles Bild mit leicht positiver Tendenz. Bei mehreren Indikatoren lagen die Werte 2024 über den bisherigen Auszeichnungszielwerten. Das gilt etwa für die HbA1c-Bestimmung bei Menschen mit Diabetes-Typ 2, die Serum-Kreatinin-Bestimmung oder die Verordnung von Statinen bei koronarer Herzkrankheit. Eine Ausnahme bildet weiterhin die Influenza-Impfrate, bei der der negative Trend anhält. Dieser Negativtrend ist jedoch nicht nur in QuATRo zu beobachten, sondern auch gesamtgesellschaftlich festzustellen. Im direkten Vergleich zwischen Arztnetzen und Regelversorgung ist die Impfrate in Arztnetzen aber höher.

Welche Erkenntnisse liefern die QuATRo-Ergebnisse für die Netzarbeit?

Dass solche Kennzahlen für die Netzarbeit einen praktischen Nutzen haben, betont Dr. Thomas Schang vom Ärztenetz Eutin-Malente, das zu den ausgezeichneten QuATRo-Netzen gehört. „Um Versorgung zu verbessern, muss man zunächst wissen, wo man steht“, sagt Schang (siehe Interview Seite 46). Die Qualitätsindikatoren zeigten, welche Ziele erreicht werden und wo Verbesserungen möglich sind.

Der jährliche QuATRo-Workshop Anfang Mai in Berlin bot den beteiligten Arztnetzen erneut Gelegenheit, die Ergebnisse gemeinsam einzuordnen. Ein Schwerpunkt war die Weiterentwicklung der QuATRo-Auszeichnung. Dabei ging es unter anderem um Hospitalisierungsindikatoren bei Herzinsuffizienz und koronarer Herzkrankheit sowie um Modelle zur morbiditätsorientierten Risikoadjustierung. Diskutiert wurde auch eine mögliche Versorgungslücke bei der Behandlung von Osteoporose nach osteoporoseassoziierten Frakturen. Der betrachtete Indikator erfasst, ob Versicherte mit entsprechenden Frakturdiagnosen eine osteoporosespezifische medikamentöse Therapie erhalten.

Welche Themen standen beim QuATRo-Workshop 2026 im Fokus?

Professorin Petra Thürmann vom Helios Universitätsklinikum Wuppertal sprach über Polypharmazie im Alter, Risiken und Konsequenzen sowie über Deprescribing – also das strukturierte Prüfen, ob Medikamente reduziert oder abgesetzt werden können. Dabei wurde deutlich, dass nicht allein die Zahl der Medikamente entscheidend ist, sondern auch unnötige oder unkontrollierte Verordnungen ohne ausreichende Überwachung. Thematisiert wurden außerdem potenziell inadäquate Medikation, kognitive Einschränkungen, Stürze und weitere alterstypische Komplikationen.

Die Teilnehmer griffen diese Impulse auf und bezogen sie auf zwei QuATRo-Indikatoren: PH 3, den Anteil ohne Polymedikation, und PH 5, den Anteil ohne PIM-Verordnung. Im Mittelpunkt standen mögliche praktische Ansatzpunkte für die Netzarbeit. Genannt wurden unter anderem themenspezifische Qualitätszirkel, individuelle Fallkonferenzen sowie Kooperationen mit Pflegeheimen und Pflegediensten. Auch digitale Unterstützungssysteme und die stärkere Einbindung weiterer Gesundheitsberufe wurden als mögliche Hilfen hervorgehoben.

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