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48 Praxen gehören zum Ärztenetz in Schleswig-Holstein

Das Ärztenetz Eutin-Malente gehört zu den ausgezeichneten QuATRoNetzen. Thomas Schang hat das Netz 2003 mitgegründet und viele Jahre geleitet. Im Interview erklärt er, wie Netzarbeit den Praxisalltag unterstützt, warum regionale Kooperation für Patientinnen und Patienten wichtig ist und weshalb Qualitätsindikatoren ein hilfreiches Instrument für bessere Versorgung sind.

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Das Bild zeigt zwei Ärztinnen und einen Arzt bei einer Besprechung. Sie sitzen an einem Tisch und diskutieren. Vor ihnen steht ein aufgeklappter Laptop.
iStock.com/Milan Markovic
Dr. Thomas Schang ist Chirurg im Ruhestand. Er gründete 2003 das Ärztenetz Eutin-Malente, leitete es bis 2022 und war von 2019 bis 2022 Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärzte-, Praxis- und Gesundheitsnetze (AdA).
Interview mit :

Dr. Thomas Schang

Dr. Thomas Schang ist Chirurg im Ruhestand. Er gründete 2003 das Ärztenetz Eutin-Malente, leitete es bis 2022 und war von 2019 bis 2022 Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärzte-, Praxis- und Gesundheitsnetze (AdA).

Herr Dr. Schang, Sie haben das Ärztenetz Eutin-Malente 2003 mitgegründet. Was war damals der wichtigste Impuls?

Es war die Idee, Versorgung zu vereinfachen und durch bessere Kooperation zu verbessern. Ich war damals neu in Eutin, kannte eigentlich niemanden und bin losgezogen, habe die Praxen abgeklappert und die Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Es gab schon Ärztenetze in Schleswig-Holstein, und ich habe gesagt: So etwas sollten wir hier auch machen. Eine wichtige Gründungsidee war, dass Ärzte gemeinsam überlegen, wie die Versorgung in der Region besser organisiert werden kann. Dazu gehören die Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten, aber auch die Kooperation mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Was hat sich dadurch in Eutin-Malente verändert?

Früher war die Zusammenarbeit zwischen den Praxen deutlich weniger selbstverständlich. Heute treffen wir uns regelmäßig, tauschen uns aus, planen Projekte und lösen Probleme auch auf dem kleinen Dienstweg, etwa wenn es um Überweisungen oder Abstimmungen zwischen Praxen geht. Das ist ein großer Fortschritt.

Haben Sie ein Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den Praxen?

Ein sehr praktisches Beispiel ist die Kommunikation. Als wir angefangen haben, haben wir mit den ersten Mitteln aus einem Strukturvertrag mit AOK und Kassenärztlicher Vereinigung die Praxen technisch unterstützt. Später ging es um sichere digitale Kommunikationswege. Wir haben schließlich ein eigenes Chat-System entwickelt, mit dem Praxen bei laufendem Betrieb unkompliziert miteinander kommunizieren können – etwa, um schnell Termine für Patienten zu organisieren.

Wie arbeitet das Netz intern?

Es gibt Mitgliederversammlungen, Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen und einen Vorstand, der sich regelmäßig trifft. Darüber hinaus besteht ein ständiger Austausch. Man schickt sich Informationen, ruft sich an, diskutiert neue Ideen. Dieser kontinuierliche Kontakt ist wichtig, weil daraus Vertrauen und gemeinsame Handlungsfähigkeit entstehen.

Wie viele Praxen gehören zum Netz?

Im Moment sind es etwa 48 Praxen. Dieser hohe Organisationsgrad ist wichtig, weil das Netz dadurch tatsächlich regionale Versorgung abbilden kann. Für Krankenkassen ist das interessant, wenn es darum geht, Versorgungsmodelle mit einer gesamten lokalen Gruppe von Ärzten zu entwickeln.

Kommen wir zu QuATRo. Warum sind Qualitätsindikatoren für ein Ärztenetz wichtig?

Um Versorgung zu verbessern, muss man zunächst wissen, wo man steht. Eine gute Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch eine einzelne Praxis allein, sondern durch viele Beteiligte: Hausärzte, Fachärzte, Kliniken, Pflege, Heilmittelerbringer und andere. Wenn man diese Versorgung gestalten will, braucht man Kennzahlen. Man muss sehen können: Welche Ziele haben wir? Erreichen wir sie? Und wo können wir besser werden? Genau da ist QuATRo hilfreich. Die AOK stellt Indikatoren zur Verfügung, sehr zuverlässig und sehr gut aufbereitet. Für uns ist das besonders wertvoll, weil wir diese Daten nicht selbst erheben müssen.

Wie verändern Daten die konkrete Arbeit im Netz?

Ein frühes Beispiel war die Arzneimitteltherapie. Wir haben gemeinsam mit der AOK und dem Beratungsapotheker geschaut: Welche Medikamente verordnen wir? Welche Alternativen sind medizinisch gleichwertig und zugleich wirtschaftlicher? Daraus sind Übersichten entstanden, die wir mit den Fachgruppen besprochen haben. Wichtig war: Das lief nicht über Vorgaben, sondern über Überzeugung und gemeinsame fachliche Diskussion. Jede Praxis bleibt selbstständig. Ein Netz kann nichts einfach anordnen. Es kann aber Argumente liefern, Transparenz schaffen und gemeinsame Lösungen entwickeln. In diesem Fall hat das sehr gut funktioniert: Binnen eines Jahres konnten erhebliche Arzneimittelkosten eingespart werden.

Haben Sie ein Beispiel, bei dem Qualitätsindikatoren unmittelbar die Versorgung verbessern können?

Ein Beispiel ist die Depressionsversorgung. Depressionen haben unterschiedliche Schweregrade, und die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad. Wenn dieser nicht genau erfasst wird, fehlt eine wichtige Grundlage für die passende Behandlung. Wir haben deshalb geschaut, wie man Praxen dabei unterstützen kann. Aktuell geht es um eine einfache digitale Anwendung, bei der Patienten vor dem Arztkontakt einen international anerkannten Fragebogen ausfüllen können. Der Schweregrad wird dann für die Ärztin oder den Arzt vorbereitet, einschließlich der passenden Codierung. Das kann die Praxen entlasten und zugleich die Grundlage für eine gezieltere Versorgung verbessern.

Das Ärztenetz Eutin-Malente ist erneut im Rahmen von QuATRo ausgezeichnet worden. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Sie zeigt, dass sich die jahrelange Beschäftigung mit Qualität, Kooperation und Versorgungsmanagement lohnt. Qualitätsindikatoren sind nicht nur dazu da, gute Ergebnisse sichtbar zu machen. Sie helfen vor allem, weiter an der Versorgung zu arbeiten. Entscheidend ist für uns: Wo stehen wir? Was läuft gut? Und wo können wir noch besser werden?

Wie lautet Ihr Fazit nach vielen Jahren Netzarbeit?

Ein Ärztenetz schafft Wege, die eine einzelne Praxis allein kaum aufbauen kann: sichere Kommunikation, Austausch, Qualitätszirkel, gemeinsame Projekte und eine regionale Perspektive auf Versorgung.

Davon profitieren die Praxen, weil sie besser vernetzt arbeiten können. Und davon profitieren Patientinnen und Patienten, weil Versorgung abgestimmter und zielgerichteter wird.

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