Fachportal für Leistungserbringer

Krankenhaus-Report 2026: Reform verfehlt wichtiges Ziel

Mehr als die Hälfte aller Patientinnen und Patienten der Krankenhäuser in Deutschland könnten nach Berechnungen des WIdO ambulant behandelt werden.

News Krankenhaus
Foto: OP-Szene
iStockfoto/shock

Kaum Impulse für mehr ambulante Behandlungen

Mehr als die Hälfte aller Patientinnen und Patienten der Krankenhäuser in Deutschland könnten ambulant behandelt werden. Das zeigen Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im heute erschienen Krankenhaus-Report 2026. Demnach ist das Potential in den Bereichen der Grundversorgung mit der Inneren Medizin und Allgemeinen Chirurgie besonders hoch – die Versorgung könnte im ambulanten Setting günstiger und effizienter sein. Doch in keinem Bundesland sehen die Autoren Ansätze für eine stärkere Verlagerung der Versorgung in den ambulanten Bereich – auch nicht durch die Umsetzung der Krankenhausreform: Wie das Beispiel NRW zeige, ändere die Reform nur wenig an den Strukturen der Grund- und Regelversorgung. Die geplante Einführung der Vorhaltekostenfinanzierung in ihrer bisher geplanten Ausgestaltung stehe einer stärkeren Ambulantisierung von Leistungen sogar im Weg. Insgesamt behandelt der Krankenhaus-Report 2026 in 20 Kapiteln das diesjährige Schwerpunktthema „Reformperspektiven“ in Bezug auf die Krankenhausstrukturen und die Krankenhausfinanzierung, so auch den Gebrauch von Ausnahmeregelungen in der Schweiz und die Effekte des sogenannten Pflegebudgets.

Unveränderte Strukturen in der Grundversorgung

Beim Thema Ambulantisierung tritt Deutschland auf der Stelle: In den Bundesländern reicht das Spektrum des sogenannten „Ambulantisierungspotenzials“ von 53 Prozent bis 58 Prozent. Für die Analyse hat das WIdO in einer Modellrechnung alle wissenschaftlichen Ansätze zur Vermeidung oder zur Verlagerung von Krankenhausfällen in den ambulanten Bereich gemeinsam betrachtet und jeden im Jahr 2024 abgerechneten Krankenhausfall auf dieser Basis überprüft. Auf Bundesebene wären demnach von den insgesamt 15,2 Millionen Krankenhausfällen des Jahres 2024 etwa 8,6 Millionen Fälle „ambulantisierbar“ oder vermeidbar. Daraus ergibt sich ein Verlagerungs-Potenzial von 42 Prozent der Belegungstage im Krankenhaus und von 39 Prozent der Klinik-Ausgaben. Die ersten Analysen mit der Leistungsgruppen-Einführung in Nordrhein-Westfalen zeigen allerdings, dass in der Grundversorgung kaum Veränderungen bei der Zahl der beteiligten Krankenhausstandorte zu verzeichnen waren. 

Konzentration und Spezialisierung in NRW

Positive Effekte kann die Krankenhausreform laut Report auf die Bündelung spezieller Krankenhaus-Eingriffe wie Hüft-Implantationen oder Krebsoperationen haben. Das zeigen die ersten Daten aus Nordrhein-Westfalen, wo die Einführung und Zuweisung der Leistungsgruppen bereits vorweggenommen wurde. Die Zuweisung einer Leistungsgruppe setzt voraus, dass die Kliniken spezifische Qualitätskriterien zur personellen Ausstattung sowie zur Struktur- und Prozessqualität erfüllen. Die 60 in NRW eingeführten somatischen Leistungsgruppen gelten als „Blaupause“ für die Reform auf Bundesebene. Bei Leistungen der Spezialversorgung wie der Orthopädie, der Gefäßchirurgie oder der Krebschirurgie war laut einer ersten Analyse des Versorgungsgeschehens eine deutliche Reduzierung der operierenden Krankenhausstandorte um bis zu 70 Prozent zu verzeichnen. 

Schweiz: Ausnahmeregelungen werden genutzt

Der aktuelle Krankenhaus-Report bietet auch eine detaillierte Analyse der Krankenhausplanung in der Schweiz, die ebenfalls auf Leistungsgruppen basiert. Dort sind Anforderungen an die Leistungsgruppen und insbesondere Qualitätsvorgaben seit der schrittweisen Einführung 2012 nicht national vorgegeben, sondern nach Kanton unterschiedlich umgesetzt worden. Die Analyse zeigt deutlich, dass mögliche Ausnahmen von Qualitätsvorgaben auch genutzt werden, wenn es keine Pflicht zur Umsetzung gibt.

Fehlanreize und Zielkonflikte beim Pflegebudget

Kontakt zu Ihrer AOK

Ansprechpartner finden

Finden Sie schnell und einfach Ihren Ansprechpartner passend zum Thema.

Zur Ansprechpartnersuche

Kontakt aufnehmen

Sie haben Fragen und Hinweise? Die Experten und Expertinnen der AOK helfen Ihnen gerne weiter.

Zu den Kontaktangeboten Zum Kontaktformular