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Engpässe: Kurzzeitpflege neu denken

Gedacht als Übergang nach einer Behandlung im Krankenhaus oder in häuslichen Krisensituationen, ist sie selbst in die Krise gekommen – die Kurzzeitpflege.

Zukunftsgerichtete Bedarfsplanung erforderlich

Viele Pflegebedürftige, die bisher zu Hause gepflegt wurden, benötigen nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend mehr Pflege. Sie können deshalb vorerst nicht nach Hause zurückkehren und suchen einen Kurzzeitpflegeplatz. Viele Pflegeheime bieten dafür die sogenannte „eingestreute Kurzzeitpflege“ an. Da die meisten Heime jedoch lange Wartelisten führen, werden die für die Kurzzeitpflege vorgesehenen Plätze häufig vorrangig mit Dauerpflegebewohner belegt.

Maik Vonau

Pflegebedarfsplanung unzureichend
Eine ausreichende Pflegeinfrastruktur zu schaffen, ist Aufgabe der Länder. Die Pflegebedarfsplanung obliegt den Landkreisen und kreisfreien Städten. Doch bis heute existieren keine flächendeckenden und zukunftsorientierten Pflegebedarfsplanungen – weder in NRW noch in Schleswig-Holstein. „Es gibt für die Bedarfsplanung in diesem Bereich keine einheitlichen Kriterien“, sagt Maik Vonau, Leiter des Fachbereichs Pflege der AOK NORDWEST. „Deshalb sind die tatsächlich benötigten Kapazitäten auch so schwer abzuschätzen.“ Auch Vergleiche zwischen den Regionen seien schwierig. Eine wissenschaftliche Studie des IGES-Institutes zur Situation in der Kurzzeitpflege in NRW kam 2017 zu dem Ergebnis, dass nur in 15 von 53 Kreisen und Städten auch in Zukunft ausreichend Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stünden. Außerdem lag nur für einen Teil der Kreise und Städte eine verbindliche Bedarfsplanung vor. In Schleswig-Holstein ist die Situation ebenso heterogen, die Bedarfsplanung in Kreisen und Städten nicht auf einem einheitlichen Stand.

Ziel der Kurzzeitpflege wird nicht erreicht
„Engpässe in der Kurzzeitpflege sind spürbar, aber zur Zeit nicht konkret quantifizierbar,“ fasst Vonau zusammen. Das originäre Ziel der Kurzzeitpflege, die Pflegebedürftigen nach einem zeitlich begrenzten Aufenthalt in einem Pflegeheim – oft im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung – wieder nach Hause zu entlassen, wird oft nicht erreicht. Das zeigen Auswertungen der AOK NORDWEST: Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen wechselt von der Kurzzeitpflege in die vollstationäre Dauerpflege.

„Akuter Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Überleitung von der Krankenhausbehandlung in die Kurzzeitpflege. Deshalb kann es sinnvoll sein, Krankenhausbetten – wie in NRW – vorübergehend für Kurzzeitpflegepatienten zu nutzen“, so Vonau. „Daneben werden klare einheitliche Kennzahlen für eine zukunftsgerichtete Bedarfsplanung in der Kurzzeit- und der Langzeitpflege benötigt.“ So ließen sich die benötigten Kapazitäten langfristiger planen – und schaffen. Eine wichtige Zukunftsinvestition.

Kurzzeitpflege neu ausrichten
„Wir müssen Kurzzeitpflege aber auch inhaltlich weiter denken“, so Vonau. Sie soll die Pflegebedürftigen mobilisieren, ihre Ressourcen stärken – und sie nach Hause entlassen. Das geht nur mit einem neu formulierten Auftrag „Kurzzeitpflege“. Und in Einrichtungen, die ausschließlich Kurzzeitpflege erbringen – solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtungen mit multiprofessionellen Teams statt eingestreuter Betten, die im Pflegealltag untergehen. Vonau: „Wir stellen uns einen neuen pflegerisch-therapeutischen Ansatz vor: Ein multiprofessionelles Team arbeitet fest mit einigen Pflegebedürftigen. So wollen wir die Zunahme der Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszögern.“

Zu einem solchen multiprofessionellen Team gehören dann neben dem Pflegepersonal auch Ergo- und Physiotherapeuten. Auch die behandelnden Hausärzte werden bei Bedarf mit einbezogen. Sie alle erheben anhand eines standardisierten Begutachtungsinstruments die Einschränkungen und die vorhandenen Ressourcen des Kurzzeitpflegepatienten. Daraus definieren sie mögliche Mobilisierungs- und Rehabilitationsziele für den Aufenthalt in der Kurzzeitpflegeeinrichtung.