Prävention als Querschnittsaufgabe
Die AOK-Gemeinschaft fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Gesundheitspolitik: Weg von der reinen Behandlung, hin zu einer stärkeren Vorsorge und mehr Prävention.
Deutschland gibt für Gesundheit so viel aus wie kaum ein anderes Land in Europa. Pro Kopf sind es jährlich 5.317 Euro, im Durchschnitt der Europäischen Union 3.533 Euro. Trotzdem liegt die Lebenserwartung hierzulande bei 81,1 Jahren und damit unter dem europäischen Mittel. Die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Gemeinschaft fordert deshalb eine Kurskorrektur: Ohne deutlich stärkere Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… wird die Krankheitslast weiter steigen.
Die Ursachen liegen weniger in fehlenden Vorsorgeangeboten als in einem Alltag, der gesundes Verhalten oft schwer macht. Tabak und Alkohol, eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel treiben chronische Erkrankungen wie Herz- Kreislauf-Leiden, Krebs, Adipositas und Typ-2-Diabetes. Besonders sichtbar wird das im Alter: Jeder zweite Mensch ab 65 Jahren lebt mit mindestens zwei chronischen Krankheiten. Dazu kommt eine wachsende Last durch psychische Leiden, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Gesundheit ist zudem sozial ungleich verteilt. „Wir behandeln hervorragend, aber wir verhindern zu selten“, sagt Dirk Pisula, Fachbereichsleiter Marketing, Vertrieb und Prävention bei der AOK NordWest. „Die entscheidenden Hebel liegen nicht nur in der Arztpraxis, sondern in den Lebensbedingungen.“ Auch wirtschaftlich betrachtet ist das Thema von erheblicher Relevanz. Die jährlichen Folgekosten des Tabakkonsums werden auf 97 Milliarden Euro geschätzt, Adipositas auf 63 Milliarden Euro und Alkoholkonsum auf 57 Milliarden Euro. Schlechte Gesundheit wirkt sich zudem auf den Arbeitsmarkt aus. 41 Prozent der Beschäftigten, die nicht bis zum 65. Lebensjahr arbeiten wollen, führen gesundheitliche Gründe als einen Auslöser an.
„Prävention ist die lohnendste Investition, die ein Sozialstaat machen kann.“
Fachbereichsleiter Marketing, Vertrieb und Prävention bei der AOK NordWest
Dabei hat die gesetzliche Krankenversicherung seit dem Präventionsgesetz Mit dem im Juni 2015 verabschiedeten Präventionsgesetz verpflichtet der Gesetzgeber die gesetzlichen… von 2015 gute Strukturen aufgebaut. Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… finanzieren Gesundheitsförderung ist ein fortlaufender Prozess mit dem Ziel, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über… in Kitas, Schulen, Betrieben, Kommunen und Pflegeeinrichtungen sowie Kurse zur individuellen Verhaltensänderung. Im Jahr 2024 flossen dafür knapp 686 Millionen Euro. „Diese Angebote erreichen Millionen Menschen“, betont Pisula. „Was fehlt, ist Rückenwind aus allen Ebenen der Politik. Es handelt sich um eine gemeinsame ressortübergreifende Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen.“
Die AOK will, dass Prävention nicht nur im Wartezimmer stattfindet, sondern dort, wo Gesundheit im Alltag entsteht. Damit das gelingt, setzt die AOK für die nächste Reform des Präventionsgesetzes auf weniger Hürden und mehr Wirkung. Krankenkassen sollen Gesundheitsdaten rechtssicherer nutzen können, um Versicherte gezielter zu passenden Informationen, digitalen Angeboten und Kursen zu lotsen.
Kommunen sollen Prävention als Pflichtaufgabe dauerhaft verankern und verlässlich finanzieren, damit Gesundheitsförderung vor Ort nicht am Budget scheitert. Auch die betriebliche Gesundheitsförderung Seit dem Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes zum 1. April 2007 sind die bisherigen… soll flexibler werden, damit Mittel dort eingesetzt werden können, wo Belastungen am größten sind. Ein weiterer Hebel ist die Gesundheitskompetenz. Viele Menschen finden oder verstehen Gesundheitsinformationen nur schwer. Die AOK setzt deshalb darauf, Gesundheit und Prävention stärker in Kita-Rahmenpläne und Schulcurricula einzubauen. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf der mentalen Gesundheit. „Wenn wir Kinder und Jugendliche jetzt nicht stärken, verschieben wir die Krankheitswelle und damit noch höhere Kosten in die Zukunft“, sagt Pisula. „Prävention ist die lohnendste Investition, die ein Sozialstaat machen kann.“