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Telemedizinisch unterstützte Sporttherapie nach Krebs

In dem Modellprojekt wird eine Teilnehmergruppe von 150 Krebspatienten, die sich in der Nachsorge befinden, im Rahmen einer Vergleichsstudie in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen unterziehen sich zu Beginn des Projektes einer speziellen sportmedizinischen Eingangsuntersuchung bei der Charité-Sportmedizin.

Neues Modellprojekt der AOK Nordost und der Charité-Sportmedizin

Potsdam, 3. Juli 2018. Die AOK Nordost und die Charité-Sportmedizin erproben gemeinsam einen neuen Ansatz in der Krebsnachsorge: In einem Modellprojekt testen sie, ob Krebspatienten mittels telemedizinischer Unterstützung leichter einen Zugang zur Sporttherapie finden und ob diese Form der Sporttherapie im Vergleich zu Krebssportgruppen ähnlich positive, wenn nicht gar bessere Ergebnisse erzielt.

Nicht alle Patienten haben Zugang zu entsprechenden Krebssportgruppen oder wollen in solchen trainieren. „Wir hoffen, dass wir im Rahmen dieses Modellprojektes auch die Patienten erreichen, für die Training in einer Krebssportgruppe nicht in Betracht käme. Die positive Wirkung von Sport im Rahmen des Heilungsprozesses nach einer Krebserkrankung ist wissenschaftlich nachgewiesen“, so Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost.

In dem Modellprojekt wird eine Teilnehmergruppe von 150 Krebspatienten, die sich in der Nachsorge befinden, im Rahmen einer Vergleichsstudie in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen unterziehen sich zu Beginn des Projektes einer speziellen sportmedizinischen Eingangsuntersuchung bei der Charité-Sportmedizin. Auf deren Basis ergibt sich eine individualisierte Bewegungs- und Trainingsempfehlung. Die eine Gruppe setzt diese innerhalb einer traditionellen Krebssportgruppe um. Die andere erhält sechs von einem Sporttherapeuten geleitete Trainingseinheiten, die sie mithilfe eines speziellen Aktivitätstrackers eigenständig zu Hause fortführt. Dieser Tracker misst das Ausmaß und die Intensität der körperlichen Aktivität der Patienten und übermittelt die Daten zur Kontrolle und gegebenenfalls Anpassung an eine sportwissenschaftliche Bewegungslotsin der Charité. Letztere steht den Teilnehmern auch als persönliche Ansprechpartnerin zur Seite.

Die eingeschriebenen Patienten werden nach sechs Monaten und dann noch einmal nach Ablauf eines Jahres zur Abschlussuntersuchung und Befragung eingeladen. Das Modellprojekt wird insgesamt dreieinhalb Jahre laufen. Sollten die Ergebnisse in der Teilgruppe mit der telemedizinisch unterstützten Sporttherapie genauso positiv oder gar besser als in der Krebssportgruppe sein, wird die Gesundheitskasse eine Einbindung dieses Konzeptes in die selektivvertragliche Versorgung prüfen.

Experteninterview mit Prof. Dr. Bernd Wolfarth, Leiter der Abteilung Sportmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin

Fast alle Betroffenen reduzieren, mehr oder weniger bewusst, nach der Diagnosestellung die körperliche Aktivität. Wenn es dann zu entsprechend intensiven bzw. invasiven Therapiemaßnahmen kommt, hat dies zwangsläufig eine zusätzliche Reduktion der körperlichen Leistungsfähigkeit zur Folge. Dadurch sind die PatientInnen in ihren Alltagsaktivitäten teils stark eingeschränkt, was sich auch auf die Lebensqualität auswirkt. Durch gezieltes Sporttreiben während und vor allem nach Abschluss der Therapie kann das Aktivitätsniveau von KrebspatientInnen wieder gesteigert werden und somit zur Verbesserung der körperlichen Fitness und allgemeinen Belastbarkeit beitragen. Auch Begleiterscheinungen wie beispielsweise das weit verbreitete Fatiguesyndrom können dadurch gelindert werden, was ebenfalls die Alltagsbelastbarkeit, wie auch die allgemeine Lebensqualität der Betroffenen ungemein steigert.

Allgemein gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Sporttherapie in der Krebsnachsorge. Diese umfassen das Angebot von Krebssportgruppen, Physiotherapien mit onkologischer Bewegungstherapie und natürlich das eigenständige, individuelle Durchführen von Bewegung und Sport. Das Angebot für TumorpatientInnen, gerade in ländlichen Regionen wie in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, ist allerdings sehr begrenzt. Hier kann die telemedizinisch gestützte Sporttherapie einen Beitrag leisten. Durch Verwendung von modernen digitalen Hilfsmitteln wie Aktivitätstrackern ist eine wohnortunabhängige Sporttherapie möglich. Dabei setzen die PatientInnen die zuvor durch eine ausführliche sportmedizinische Untersuchung erstellten individuellen Trainingsempfehlungen selbstständig um und werden dabei von erfahrenen SportwissenschaftlerInnen über ein sportmedizinisches Zentrum betreut.

Unser Pilotprojekt orientiert sich an den aktuellen Angeboten in der Krebsnachsorge und birgt damit praxisrelevante und zukunftsträchtige Möglichkeiten. Wenn die Auswertung der gewonnenen Daten zeigt, dass eine telemedizinisch gestützte Sporttherapie ebenso wirksam ist wie die Regelversorgung in Form einer Krebssportgruppe, könnte diese neue Form der Sporttherapie zukünftig ausgebaut werden. Dadurch könnte einer deutlich größeren Anzahl von Betroffenen eine wirksame und individuelle Sporttherapie ermöglicht werden.

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  • Prof. Dr. Bernd Wolfarth (Quelle: privat)

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Matthias Gabriel
Pressesprecher
Telefon: 0800 265 080 - 22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de