Acht Prozent weniger Herzinfarkte in Mecklenburg-Vorpommern
Bessere Behandlung und bessere Vorsorge zeigen Wirkung
In Mecklenburg-Vorpommern werden deutlich weniger Menschen wegen eines Herzinfarkts im Krankenhaus Krankenhäuser sind Einrichtungen der stationären Versorgung, deren Kern die Akut- beziehungsweise… behandelt als noch vor einigen Jahren. Das geht aus aktuellen Daten des AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Gesundheitsatlas Deutschland hervor. Demnach ist die Zahl der Herzinfarktfälle im Land seit 2017 um acht Prozent zurückgegangen. Die Daten zeigen dabei große Unterschiede zwischen den Landkreisen.
Für das Jahr 2024 weist der Gesundheitsatlas, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) entwickelt wurde, rund 360 Herzinfarkte pro 100.000 Menschen in MV ab 30 Jahren aus. 2017 waren es noch 390 Fälle. In absoluten Zahlen beträgt der Rückgang rund 500 Herzinfarkte pro Jahr.
Die Daten zeigen zugleich große regionale Unterschiede: Eine besonders hohe Herzinfarkt-Rate gab es 2024 im Landkreis Mecklenburgische Seeplatte mit 450 Fällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner ab 30 Jahren. Am niedrigsten lag die Rate in Rostock mit 270 Fällen. Die Werte für alle Landkreise und kreisfreien Städte in MV zeigt die Grafik.
Tom Forbrich, Bereichsleiter Verträge und Produkte bei der AOK Nordost, ordnet die Ergebnisse ein: „Der Rückgang der Herzinfarkte in Mecklenburg-Vorpommern ist eine gute Nachricht. Er zeigt: Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… , moderne Medizin und bessere Nachsorge können wirken. Aber die Zahlen sind kein Grund zur Entwarnung. Ein Herzinfarkt bleibt ein lebensbedrohlicher Notfall In Notfällen gewährleistet der Rettungsdienst lebensrettende Maßnahmen und den Transport kranker und… . Und viele Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen sind weiterhin stark verbreitet.“
Herzinfarkte werden schneller erkannt und strukturierter behandelt
Der spürbare Rückgang hat laut der Kardiologin Prof. Dr. Anja Sandek aus dem AOK-Ärztehaus „Centrum für Gesundheit“ in Berlin mehrere Ursachen. „Wir erkennen in Vorsorgeuntersuchungen Risiken heute früher und können sie konsequenter behandeln. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte. In der Diagnostik nutzen wir neben Herzultraschall und Angiographie zunehmend auch die hochmoderne Computertomographie der Herzgefäße. Sie ermöglicht uns, Gefäßverengungen zu erkennen, noch bevor Durchblutungsstörungen auftreten. Außerdem haben sich Katheterbehandlung und chirurgische Verfahren bei der Behandlung eines Herzinfarktes weiterentwickelt.“
Mindestens genauso wichtig ist die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt. Nach einem Herzinfarkt müssen Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin eng kontrolliert werden. Medikamente müssen dauerhaft und richtig eingenommen werden. Herzsport, Rauchstopp und Bewegung helfen, einen weiteren Infarkt zu verhindern.
„Besonders wichtig ist die kardiologische Rehabilitation Die Weltgesundheitsorganisation versteht unter Rehabilitation alle Maßnahmen, die darauf abzielen,… . Sie senkt Sterblichkeit und erneute Krankenhauseinweisungen nachweislich. Zudem verbessert sie die Lebensqualität und mindert depressive Symptome. Leider nehmen fünf von sechs Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, die kardiologische Reha nicht wahr“, so Sandek.
Cardiolotse unterstützt Herzpatienten
Die AOK Nordost setzt auf den Cardiolotsen, um Herzpatientinnen und -patienten nach dem Klinikaufenthalt besser zu begleiten. Das Angebot richtet sich an herzkranke Versicherte der AOK Nordost und unterstützt sie beim Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Nachsorge. Cardiolotsinnen und Cardiolotsen ersetzen keine ärztliche Behandlung Die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung haben Anspruch auf ärztliche und zahnärztliche… , sondern helfen als feste Ansprechpersonen, die nächsten Schritte zu organisieren.
In Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt das auf Herzerkrankungen und Diabetes spezialisierte Klinikum Karlsburg in der Nähe von Greifswald seit Juli 2025 Cardiolotsinnen und Cardiolotsen. Die Betreuung der herzkranken Versicherten beginnt bereits im Krankenhaus und wird nach der Entlassung telefonisch fortgeführt. Die Lotsinnen und Lotsen unterstützen unter anderem bei Kontrollterminen, Medikamentenfragen, Reha-Anträgen, Teilnahmen an Disease-Management-Programmen Herzsportgruppen sowie bei Themen wie Ernährung, Bewegung und Rauchstopp.
Jede und jeder kann das persönliche Risiko für Herzinfarkt senken
Ein Herzinfarkt ist nicht immer vermeidbar. Aber jede und jeder kann das persönliche Risiko senken: nicht rauchen, regelmäßig bewegen, Blutdruck kontrollieren und Cholesterinwerte kennen. Falls ein Diabetes vorliegt, sollte er als Risikofaktor für einen Herzinfarkt gut behandelt werden.
„Zur Vorsorge Für die medizinische Vorsorge und die Rehabilitation gilt der Grundsatz ambulant vor stationär – das… empfehle ich ab 35 Jahren den regelmäßigen Check-up mit Blutdruckmessung, Blutzucker- und Cholesterinwerten. Gesetzlich Krankenversicherte können diese Vorsorge kostenlos in Anspruch nehmen. Bei familiärer Vorbelastung können Blutfettwerte auch schon deutlich früher wichtig sein“, sagt Prof. Sandek.
Bei möglichen Symptomen zählt jede Minute. Warnzeichen sind starker Druck oder Schmerz in der Brust, Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß oder starke Schwäche. Bei Frauen können die Beschwerden häufiger untypisch sein, etwa Luftnot, Übelkeit, Oberbauchschmerz oder starke Erschöpfung. Bei Verdacht auf Herzinfarkt gilt immer: sofort die 112 rufen.