G+G Kassentreffen: Pflege – ein Ort, wo man ankommen kann
Die 17. Podcast-Folge des „G+G Kassentreffen – Wer kommt, was geht?": Zu Gast ist Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR).
Geboren ist Christine Vogler in Stuttgart, lebt aber eigentlich schon immer in Berlin. Schwäbisches ist da nichts geblieben „Ich bin durch und durch Berlinerin“, sagt sie. „Ich bin mit anderthalb Jahren mit meinen Eltern hierhergezogen und bin hier aufgewachsen.“ Das merkt man sofort, wenn man mit Christine Vogler spricht. Berlinern kann sie und deutlich wird sie auch, wenn es um die Pflege im Allgemeinen und den Pflegeberuf im Besonderen geht. Mit Linda Peikert und Ralf Breitgoff sie spricht über eine zu kurz gedachte Pflegereform, Wertschätzung für den Pflegeberuf und warum Deutschland 100 Jahre hinterherhinkt.
Nach dem Abitur absolvierte Christine Vogler zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester. Pflege – das merkte die inzwischen 56-Jährige recht schnell –, das passt! „In die Pflege gegangen bin ich mit großer Überzeugung. Ich wollte das, seitdem ich 13, 14 Jahre alt war.“ Die Verbindung zwischen Zuwendung zum Menschen und der notwendigen fachlichen Kompetenz im Pflegebereich habe sie gereizt. Hinzu kam der angespannte Arbeitsmarkt Ende der 80er-Jahre. Pflegefachpersonen seien damals wie heute gesucht worden. „Ich bin 89 aus der Schule gekommen. Viele von meinen Mitschülerinnen haben unglaublich viele Bewerbungen geschrieben“, erinnert sich Vogler. „Da war Pflege auch ein Ort, wo man auch ankommen konnte.“
Wille, Können, Mut zur Verantwortung – und ein bisschen gegen den Strich
Christine Vogler ist geblieben. Nach zwei Jahren im Beruf machte sie den nächsten Schritt und studierte Pflegepädagogik an der Humboldt-Universität in Berlin. Danach übernahm sie leitende Funktionen in der Pflegeausbildung, unter anderem als Leiterin des Ausbildungsbereichs Pflege an der Wannsee-Schule in Berlin. Seit 2020 ist Vogler Geschäftsführerin des Berliner Bildungscampus für Gesundheitsberufe.
Schon recht bald begann die heutige DPR-Präsidentin, sich berufspolitisch zu engagieren, wurde unter anderem Vorsitzende des Landespflegerats Berlin-Brandenburg. „Ich hab‘ schon in der Ausbildung gemerkt, dass ich sehr viel konnte, sehr viel wollte, und auch Verantwortung übernehmen wollte, und dass dieses System das gar nicht haben wollte“, beschreibt sie ihre Antriebsfeder, die bis heute offenbar nichts an Elastizität verloren hat.
Von 2017 bis 2021 war Vogler Vizepräsidentin des Deutschen Pflegerats. Seit 2021 ist sie dessen Präsidentin. Das ist mutmaßlich nicht immer ganz einfach. Denn „die Pflege“ ist alles andere als eine homogene Gruppe. „Es geht in meinem Amt vor allem darum, Brücken zu bauen zwischen den verschiedenen Professionsrichtungen. Ich glaub‘, das ist dem Deutschen Pflegerat ganz gut gelungen“, umreißt die Präsidentin Herausforderungen und Zielsetzung ihres Ehrenamtes.
Vom Risiko, unverrückbare Fakten zu schaffen
Ende September hat das Bundeskabinett nach einem fast halbjährigen Hin und Her zwischen den Koalitionspartnern und dem Wechsel an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums von Nina Warken zu Carsten Linnemann das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) beschlossen. Am 5. November soll es in erster Lesung in den Deutschen Bundestag eingebracht werden. Der Anspruch der Bundesregierung ist, die Pflegeversicherung finanziell zu stabilisieren. Strukturelle Fragen werden erst einmal in eine Kommission ausgelagert, ähnlich wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. Aus Sicht der Pflege-Präsidentin ist das der falsche Weg. „Wenn ich sage, dass ich bestimmte Lohnsituationen deckele, dass ich bestimmte pflegerische Versorgungsangebote verändere, dass ich Zugänge zur Pflegeversorgung über die Pflegegrade verändere, weil ich Pflegedefinitionen verändere, dann schaffe ich heute schon Fakten, die ich mit einer Strukturkommission ja gar nicht mehr angefasst bekomme.“
Was das mit Fahrradwegen zu tun hat und wie der Pflegerat die Pflegereform angehen würde, wie es um die praktische Umsetzung der gesetzlich verabschiedeten „Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ steht, warum die politischen Bekenntnisse zur Prävention „eine Flagge mit wenig Fleisch am Knochen“ sind und warum die Akademisierung des Berufs die Pflege am Bett stärkt und nicht schwächt, wie manche meinen: Antworten dazu gibt Christine Vogler im Gespräch mit Linda Peikert und Ralf Breitgoff beim G+G Kassentreffen.