Forumsformat Gesundheitssystem

G+G Kassentreffen: In Würde altern – wie geht das eigentlich?

09.10.2026 4 Min. Lesedauer

Die 16. Podcast-Folge des „G+G Kassentreffen – Wer kommt, was geht?": Zu Gast ist Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)

Foto: G+G Kassentreffen mit Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)

Seit jetzt gut zwei Jahren ist Dr. Alexia Zurkuhlen Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Gegründet wurde das KDA 1962 von Bundespräsidenten-Gattin Wilhelmine Lübke. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, Menschen ein Alter in Würde zu ermöglichen. Mit Linda Peikert und Ralf Breitgoff spricht Alexia Zurkuhlen darüber, wie man in Würde alt wird, was die Pflegereform dazu leisten kann und warum Caring Communities so wichtig sind.

Alexia Zurkuhlen ist Deutsch-Französin, in Südfrankreich aufgewachsen und hat in Deutschland, Frankreich und Irland Politikwissenschaften studiert. Promoviert wurde sie „zur Rolle der Zivilgesellschaft in der Entstehung des Politikfeldes Global Health auf EU-Ebene“. Sie war zunächst im Bereich internationaler Gesundheitsprojekte tätig, bevor sie über die Gesundheitsregion Köln-Bonn, die HRCB Projekt GmbH und das Gewi-Institut für Gesundheitswirtschaft zunehmend die Verbindung von Gesundheitspolitik, Versorgung und regionaler Vernetzung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellte. Vor ihrer jetzigen Aufgabe hatte sie anfangs großen Respekt. „Jeder assoziiert was anderes mit dem KDA, und die größte Herausforderung war tatsächlich, allen gerecht zu werden, und auch das Bild, was jeder Einzelne und jeder einzelne Experte auch vom KDA hat, auch in die Moderne zu bringen“, erinnert sie sich. „Was mich am meisten überrascht hat, war die Vielfalt der Bilder, die die Personen mit dem KDA verbinden, und die Nähe des KDA in ganz vielen Berufsgruppen.“

Raus aus den Verwahranstalten

Auf eine bald 65-jährige Geschichte blickt das KDA inzwischen zurück. Der Besuch eines Altenheimes war der Auslöser für Wilhelmine Lübke, die Frau des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, aktiv zu werden. Seitdem genießt das KDA die Schirmherrschaft jedes amtierenden Bundespräsidenten. „Was sie damals sah in den Altenheimen, war eben eine Verwahranstalt, so hat sie es auch selbst beschrieben, die dringend angepackt werden musste“, beschreibt Zurkuhlen die Motivlage der ehemaligen First Lady. „Sie wollte ein würdiges Leben im Alter – sowohl in der eigenen Häuslichkeit wie in den Heimen.“ Viele Konzepte gäbe es ohne den Tatendrang Wilhelmine Lübkes gar nicht.

Ein Alter in Würde ist bis heute das oberste Ziel des KDA geblieben. Und wenn es Alexia Zurkuhlen sagt, hört sich das gar nicht so schwer an, in Würde zu altern. „Indem man gesehen wird. Und das ist wirklich auch der Hauptpunkt, den wir immer wieder in den Vordergrund bringen, diese Bilder des Alterns.“ Gerade die aktive Gestaltung des eigenen Alterns, aber auch des Alterns seiner An- und Zugehörigen sei der Schlüssel. „Alter(n) hat Zukunft!“, postuliert das KDA ganz selbstbewusst auf seiner Internetseite.

Zwei Frauen halten sich an den Händen. Die Hand ist im Vordergrund und nur der eine Oberkörper im Hintergrund erkennbar. Von der zweiten Frau sieht man nur die Arme.
Füreinander da sein, zuhören und helfen – sorgende Gemeinschaften sind Grundlage einer guten Versorgung für pflegebedürftige und sterbende Menschen. Die Umsetzung des Konzepts der Caring Communities ist eine Frage der Haltung und der Strukturen, so das Fazit einer Tagung in Hannover. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass die Idee an bestehende…
21.09.2026Änne Töpfer5 Min
Zwei ältere Frauen sitzen an einem Tisch in einem hellen Raum mit großen Fenstern.
Eine Wohngemeinschaft kann für Menschen mit Demenz eine Alternative zur stationären Pflege sein. Damit das Zusammenleben klappt, berät Monika Schneider von der „Wohnkonzepte Schneider gGmbH“ solche Gemeinschaften. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner beziehungsweise ihre Angehörigen müssen von der Anmietung der Wohnung über die Beauftragung eines…
17.11.2025Änne Töpfer7 Min

Versorgung vom Menschen aus denken

Caring Communities, also aktive soziale Netzwerke der Betreuung und Nachbarschaftshilfe, sind ein Kernanliegen des KDA und auch ganz persönliches Anliegen seiner Vorständin. Das Konzept der Caring Communities „ist uns so wichtig, weil es vom Menschen aus denkt und nicht von der Struktur aus.“ An- und Zugehörige seien genauso eingebunden wie die beruflich Pflegenden. „Alle Menschen, die sich um den Menschen mit Pflegebedürftigkeit kümmern.“

In fünf Bundesländern hat das KDA Nachbarschaftshilfe-Netzwerke bereits aufgebaut und über sogenannte Servicepunkte koordiniert. Entscheidend sei bei allen regionalen Unterschieden, dass alle Akteure an einen Tisch kommen. Der Übergang zwischen Nachbarschaftshilfe und professioneller Pflege jedenfalls müsse fließend sein. „Ich glaube, die sollte man gar nicht auseinanderdividieren“, betont Zurkuhlen. „Die sollten Hand in Hand arbeiten.“ Caring Communities seien ja gerade dazu da, dass der Übergang viel fließender werde, als er derzeit an vielen Stellen sei.

Linda Peikert und Ralf Breitgoff sprechen mit Alexia Zurkuhlen außerdem darüber, warum Deutschland ein „Phantombild der Pflege“ braucht, wie faire Anwerbung von Pflegefachpersonen aus dem Ausland funktioniert, warum Deutschland bei der Versorgung demenziell erkrankter Menschen vergleichsweise gut aufgestellt ist, wie Alexia Zurkuhlen das KDA in die Zukunft führen möchte, und warum andere Länder mit dem Altern und ihren Alten viel gelassener umgehen.