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GeWINO: Hohe Abbruchquote bei Hyposensibilisierung

„Die hohe Abbruchquote stellt ein Problem dar“, sagt auch Dr. Jan Breitkreuz, Versorgungsforscher beim GeWINO. Er sieht verschiedene Ursachen dafür: „Der hohe Zeitaufwand ist natürlich ein wesentlicher Faktor. Aber auch eine ungenügende Aufklärung, Unverträglichkeiten oder Umzüge und Brüche in der Biografie spielen eine Rolle.“

AOK-Junior unterstützt Kinder und Jugendliche bei der Hyposensibilisierung

Potsdam, 31. Mai 2018. Rund 12.000 bei der AOK Nordost versicherte Kinder und Jugendliche leiden unter Heuschnupfen. Aber nur die wenigsten davon lassen sich mit einer Hyposensibilisierung behandeln – und das, obwohl diese Therapie nachweislich die einzige Methode zur ursächlichen Bekämpfung einer Allergie ist. Außerdem brechen über die Hälfte der Jungen und Mädchen, die mit der Immuntherapie beginnen, diese vorzeitig wieder ab. Das zeigt eine Auswertung des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost der AOK Nordost (GeWINO)*.

Es kann verschiedene Gründe haben, dass junge Allergie-Patienten nicht gleich mit einer Hyposensibilisierung beginnen. Holger Röblitz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologie und Kinderpneumologie erklärt dazu: „Bei anfänglich nur leichten Beschwerden sind sowohl Ärzte als auch Patienten häufig noch zurückhaltend, da die lange Behandlungsdauer bei geringem Leidensdruck noch abschreckender wirkt.“ Aus allergologischer Sicht sei ein solches Zögern jedoch ungünstig. „Der Therapieerfolg ist sehr viel größer, wenn man so früh wie möglich beginnt – auch bei noch geringen Beschwerden“, so Röblitz. Das sei auch wichtig, um sowohl neue Allergien als auch den Etagenwechsel zum Asthma zu verhindern.

Einen weiteren Grund sieht der Kinderallergologe darin, dass die Beschwerden in der pollenfreien Zeit rasch wieder in Vergessenheit gerieten. Das könnte laut Röblitz auch die viel zu hohe Abbrecherquote erklären: „Die Patienten verspüren bereits nach dem ersten oder zweiten Behandlungsjahr eine so starke Verbesserung, dass die Allergie einfach aus ihrem Kopf verschwindet.“ Damit die Hyposensibilisierung aber richtig und nachhaltig wirke, müsse sie bis zum Schluss durchgeführt werden.

„Die hohe Abbruchquote stellt ein Problem dar“, sagt auch Dr. Jan Breitkreuz, Versorgungsforscher beim GeWINO. Er sieht verschiedene Ursachen dafür: „Der hohe Zeitaufwand ist natürlich ein wesentlicher Faktor. Aber auch eine ungenügende Aufklärung, Unverträglichkeiten oder Umzüge und Brüche in der Biografie spielen eine Rolle.“ Der Zeitpunkt des Therapiebeginns scheint laut Breitkreuz ebenfalls ausschlaggebend. So hätten die Analysen ergeben, dass etwa zwei Drittel der Betroffenen, die zwischen Januar und März die Therapie begannen, diese wieder abbrachen. „Hingegen hielt mehr als die Hälfte derer, die im Herbst damit anfingen, bis zum Ende durch.“

Ein spezielles Allergie-Modul in AOK-Junior, dem Gesundheitsprogramm für Kinder und Jugendliche, unterstützt betroffene Mädchen und Jungen sowohl bei der Entscheidung für oder gegen eine Hyposensibilisierung als auch beim Durchhalten einer einmal begonnenen Therapie. Dazu informiert der Arzt ausführlich zum Krankheitsbild, zur Ernährung bei Allergien sowie zu Chancen und Risiken der Hyposensibilisierung. Er erinnert sie auch regelmäßig an den anstehenden nächsten Termin.

* Ausgewertet wurden die Daten aller bei der Gesundheitskasse versicherten Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis siebzehn Jahren. Untersucht wurden Heuschnupfen-Diagnosen und die Inanspruchnahme von Hyposensibilisierungen mittels Injektionen von 2013 bis 2017.

Hyposensibilisierung: Der beste Zeitpunkt ist der Herbstanfang

AOK-Interview mit dem Kinderallergologen Holger Röblitz, Mitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Bei der Hyposensibilisierung wird dem Immunsystem ständig und über einen langen Zeitraum genau das Allergen angeboten, auf das der Patient allergisch reagiert. Dadurch entwickelt das Immunsystem eine Toleranz gegenüber diesem Allergen und die allergischen Beschwerden verschwinden. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Formen dieser Therapie. Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) wird einmal im Monat die Allergenlösung in den Oberarm gespritzt. Oftmals steht dabei am Anfang eine vorsichtige Aufdosierungsphase, bei der im wöchentlichen Abstand gespritzt wird. Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) wird mit Tropfenlösungen, Sprays oder Tabletten durchgeführt. Das jeweilige Präparat muss vor dem Herunterschlucken einige Minuten unter der Zunge aufbewahrt werden.

Dem kann ich so nicht zustimmen. Viele meiner jungen Patienten entscheiden sich eher für die Spritze. Auch gibt es für einige Allergene nur subkutane Therapielösungen. Aber beide Varianten wirken in der Regel gut bis sehr gut und haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Die Fragen, die sich der Patient stellen muss, sind im Wesentlichen folgende: Möchte ich lieber einmal im Monat zum Arzt oder jeden Tag Medikamente nehmen? Bin ich oft unterwegs und kann deshalb nicht regelmäßig zum Arzt gehen? Ertrage ich einen kleinen Pieks eher als unangenehmes Brennen im Mund? Wer im Laufe der drei- bis fünfjährigen Behandlung feststellt, dass die gewählte Therapie nicht mehr passt, kann übrigens auch wechseln.

Derzeitig ganz klar Nein! Ich kann auch jedem Allergiker nur dazu raten, sich dieser Behandlung zu unterziehen. Nicht nur nimmt eine unbehandelte Allergie in der Regel im Laufe der Jahre immer mehr zu – sie breitet sich auch aus. So können Kreuzallergien, z.B. zu Lebensmitteln entstehen, oder es kommen weitere Allergien, beispielsweise auf Tiere, Milben oder Schimmelpilze, hinzu. Bei Heuschnupfen besteht zudem immer die Gefahr, dass sich daraus ein allergisches Asthma entwickelt.

Möglichst rasch, sobald eine Pollenallergie diagnostiziert wurde. Denn dann sind die Aussichten auf einen Therapieerfolg am größten. Aber es ist generell nie zu spät. Bei Pollenallergien sollte jedoch nicht während der maximalen Pollenflugbelastung damit begonnen werden. Das kann zu sehr unangenehmen Nebenwirkungen führen. Der beste Zeitpunkt ist hier in der Regel der Herbstanfang.

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Matthias Gabriel
Pressesprecher
Tel.: 0800 265 080 – 22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de