Buchrezensionen
G+G stellt jeden Monat Bücher und Podcasts aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Pflege, Versorgung und Wissenschaft vor.
Psychologische Forschung
Die Chance des Alters erkennen
Für viele Menschen ist es ein Graus, zu ergrauen. Um das Älterwerden ranken sich zahlreiche Mythen. Einige davon hat das Autorinnen-Duo aufgegriffen – etwa „Altsein heißt Kranksein“ oder „Im Alter wird man nicht mehr gebraucht.“ Überholte Zuschreibungen, sagt Psychologieprofessorin Jana Nikitin. Neben dem chronologischen gebe es ein biologisches, soziales und subjektives Alter. Ebenen, die stark voneinander abweichen können. Sicher: Bildung, Armut, Beziehungen haben Einfluss. Aber: „Jede Lebensphase kommt mit ihren Verlusten und Gewinnen – so auch das Alter.“ Das ist beruhigend.
Christina Ristl, Jana Nikitin: Die sieben Mythen des Alterns. Was wir von der psychologischen Forschung lernen können. Berlin, Hogrefe, 2026, 186 Seiten, 25 Euro.
Podcast
Artenvielfalt fördert Gesundheit
Biodiversität ist mehr als Artenvielfalt. Biologische und genetische Vielfalt wirken nachweislich gesundheitsfördernd. Das erläutert Aletta Bonn vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in der Auftaktfolge des Podcasts „Bunt isst gut“. 20 Minuten Waldbaden senken Stress, 60 Sekunden Vogelgesang heben die Stimmung. Straßenbäume schützen vor Hitze, Lärm und Schadstoffen – und stärken das Wohlbefinden von Menschen, die Antidepressiva erhalten. Fazit der hörenswerten Folge: Biodiversität bleibt eine Ressource der Prävention.
Podcast „Bunt isst gut“, Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ).
Gesundheitsökonomie
Plädoyer für eine Gesundheitsagentur
Die Diagnose klingt vertraut – die Probleme bleiben virulent: lange Wartezeiten, überfüllte Notaufnahmen, Fachkräftemangel, schleppende Digitalisierung. Für Manuel Nothelfer ist das kein Zufall, sondern ein strukturelles Muster – ein Gesundheitssystem, das sich „gefühlt ständig im Umbau befindet, ohne je fertig zu werden“. Nothelfer kritisiert schwerfällige, innovationsarme Strukturen – trotz eines Gesundheitsbudgets im dreistelligen Milliardenbereich. Das Ministerium, sagt er, moderiere zu oft Interessen statt zu steuern. Gesundheit werde behandelt, „als wäre sie ein statisches Verwaltungsproblem“. Dabei gerate eines aus dem Blick: das Patientenwohl. Nothelfer fordert eine überparteiliche Digital Health Strategie 2035 mit klaren Zielen und verbindlichen Zeitplänen – und eine zentrale Digitalagentur, die diese Vorgaben durchsetzen kann. Ohne eine solche Infrastrukturentscheidung fehle der Mut zum notwendigen „Reset“ im Gesundheitssystem.
Milliardenbereich. Das Ministerium, sagt er, moderiere zu oft Interessen statt zu steuern. Gesundheit werde behandelt, „als wäre sie ein statisches Verwaltungsproblem“. Dabei gerate eines aus dem Blick: das Patientenwohl. Nothelfer fordert eine überparteiliche Digital Health Strategie 2035 mit klaren Zielen und verbindlichen Zeitplänen – und eine zentrale Digitalagentur, die diese Vorgaben durchsetzen kann. Ohne eine solche Infrastrukturentscheidung fehle der Mut zum notwendigen „Reset“ im Gesundheitssystem.
Manuel Nothelfer: Endstation Wartezimmer. Warum digitale Medizin unser Gesundheitssystem retten muss. Paderborn, Forward Verlag, 2026, 260 Seiten, 20 Euro.
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.