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Buchrezensionen

20.05.2026 2 Min. Lesedauer

G+G stellt jeden Monat Bücher und Podcasts aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Pflege, Versorgung und Wissenschaft vor.

Foto: In einer riesigen Bücherwand stehen hunderte Bücher.
Welche neuen Bücher und Podcasts gibt es im Gesundheitsbereich – G+G stellt sie vor.

Gesundheitssystem

Cover von Ingo Froböse, Stefan Sauerzapf: Deutschland ist krank. Was wir alle gegen den Kollaps unseres Gesundheitssystems tun müssen. Berlin, Econ, 2026

Punkteplan für Prävention

Der Befund ist provokant: Unser Gesundheitssystem ist auf Krankheit ausgelegt – strukturell, systemisch, finanziell. Die Folge: Überdiagnose, Überbehandlung, Überversorgung. Davon profitieren einige – etwa die Pharmaindustrie, schreiben der Sportwissenschaftler Ingo Froböse und der Journalist Stefan Sauerzapf. Ständig kämen neue Medikamente ohne zusätzlichen Behandlungswert auf den Markt – und die Branchenaussichten blieben lukrativ. Die Autoren plädieren für eine radikale Wende, auch in der Gesundheitskompetenz. Schließlich sei Gesundheit mehr als die bloße Abwesenheit von Krankheit, und die verbreitete „Pille-statt-Prävention“ Mentalität fatal. Eigenverantwortung – ein unbequemes Konzept, wie die Autoren betonen – müsse gestärkt werden. Deshalb braucht es eine „Prävention 2.0“.  Dafür haben sie einen „10-Punkte-Plan“ für ein besseres Gesundheitssystem entworfen. Eine streitbare Handreichung für den Weg aus der Misere.

Ingo Froböse, Stefan Sauerzapf: Deutschland ist krank. Was wir alle gegen den Kollaps unseres Gesundheitssystems tun müssen. Berlin, Econ, 2026, 384 Seiten, 22,90 Euro.

Lobbystrategien

Cover von Wilfried Boroch: Interessenpolitik im deutschen Gesundheitswesen. Lobbyismus verstehen und Gesundheitspolitik mitgestalten. Bern, Hogrefe, 2026

Macht und Interessen in der Gesundheitspolitik

Boroch liefert eine präzise Analyse der Interessengeflechte im deutschen Gesundheitswesen; verbindet theoretische Modelle mit praxisnahen Einblicken in Lobbystrategien und Entscheidungslogiken. Lobbyismus erscheint dabei nicht als dunkle Kunst, sondern als legitimer Bestandteil demokratischer Aushandlungsprozesse, gerade weil Gesundheitssysteme zwischen Ökonomie, sozialer Gerechtigkeit und Sicherheit austariert werden müssen. Ein fundiertes Werk für alle, die Gesundheitspolitik verstehen und mitgestalten wollen.

Wilfried Boroch: Interessenpolitik im deutschen Gesundheitswesen. Lobbyismus verstehen und Gesundheitspolitik mitgestalten. Bern, Hogrefe, 2026, 368 Seiten, 50 Euro.

Finanzen

Cover von Irene Köppe: Regionale Benachteiligungen in der Gesundheitspolitik Deutschlands. Wiesbaden, Springer, 2026

Regionale Unterschiede in der Bedarfsplanung

Die Studie zeigt, wie regionale Benachteiligungen im Gesundheitswesen durch strukturelle Schwächen verstärkt werden – „ein Ansatz, der in der bisherigen Forschung fehlt“, schreibt die Autorin. Köppe zeigt anhand von ambulanter Bedarfsplanung und Krankenhausfinanzierung, wie „autopoietische“ Kassen-ärztliche Vereinigungen und pauschale Finanzierungslogiken notwendige Anpassungen blockieren; begründet, warum verbindlichere Vorgaben und klar definierte Fallpauschalen und Vorhaltekosten erforderlich sind.

Irene Köppe: Regionale Benachteiligungen in der Gesundheitspolitik Deutschlands. Wiesbaden, Springer, 2026, 224 Seiten, 89,99 Euro.

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