Buchrezensionen
G+G stellt jeden Monat Bücher und Podcasts aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Pflege, Versorgung und Wissenschaft vor.
Inklusion
Reha auf Augenhöhe: Wie Teilhabe wirklich gelingt
Ein Leben mit Behinderung: In Deutschland betrifft es jede neunte Person. Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen „sind keine Randgruppe“, betont die Autorin Helga Seel, frühere Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation. Inklusion ist ein Gesellschaftsmodell – oder als Leitidee formuliert: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Nur: Wie können Betroffene möglichst selbstbestimmt leben? Eine Herausforderung vor allem für Sozialleistungsträger. Weg davon, nur Bescheide zu erteilen oder Anträge weiterzuleiten – hin dazu, sich mit dem Anliegen und den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung auseinanderzusetzen. Das bedeutet, „die Rehabilitation individueller zu gestalten“, so Seel. Mehr noch: Altersbedingt nehmen Alltagsbeeinträchtigungen zu. Umso wichtiger wird Teilhabe in einer alternden Gesellschaft. Das Kompendium liefert hierfür eine kompakte Grundlage – rechtssicher, lebensnah und praxistauglich.
Helga Seel: Teilhabe und Rehabilitation. Ein Leitfaden für sichere Entscheidungen im trägerübergreifenden Reha-System. Baden-Baden, Nomos, 2026, 291 Seiten, 24,90 Euro.
Medizinethik
Streit am Patientenbett: Wo Heilkunst Haltung braucht
Begriffe, die polarisieren: Suizidhilfe, Demenzverfügung, Organspende, Leihmutterschaft, Impfzwang und KI-Diagnosen. Ein Dutzend Streitthemen aus der Medizin beleuchtet das Gründungsmitglied des Deutschen Ethikrats, Bettina Schöne-Seifert, mit fiktiven Fallbeispielen. Im Zentrum: Ethik und Moral – faktenbasiert und kontrovers vermittelt. Medizinethische Fragen gehören in unseren Alltag, „weil wir alle eines Tages Patientinnen und Patienten werden oder dies bereits sind“, schreibt die Autorin. Daher sollten wir diese Themen nicht nur Fachleuten oder Politikern überlassen.
Bettina Schöne-Seifert: Leben, Körper, Tod. Zwölf aktuelle Kontroversen der Medizinethik. Göttingen, Wallstein, 2025, 348 Seiten, 28 Euro.
Sozialmedizin
Armut, die krank macht: Wie Not unter die Haut geht
Der Kernsatz stammt von Rudolf Virchow: „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist weiter nichts als Medizin im Großen.“ Gesundheit und Krankheit hängen von sozialen Faktoren ab. Besonders drastisch zeigt sich das bei Obdachlosigkeit. Die Mortalitätsrate von Betroffenen liegt bis zu fünfmal über dem Durchschnitt, die Lebenserwartung ist um zehn bis 15 Jahre reduziert. Die Beiträge des Autorenduos bündeln epidemiologische, sozialpsychiatrische und medizinsoziologische Perspektiven zu einem breiten Blick auf das Thema.
Daniel Ketteler/Corinna Jung: Sozialmedizin. Ein praxisorientiertes Lehrbuch. Stuttgart, Kohlhammer, 2026, 218 Seiten, 39 Euro.
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