Artikel Versorgung

AOK-Welt: Neues aus den Regionen

29.07.2026 Tina Stähler 3 Min. Lesedauer

Mit verschiedenen Initiativen und Studien setzen sich die AOKs bundesweit für eine bessere Versorgung ein.

Foto: Eine ältere Person erhält eine Impfung in den Oberarm.
Impfungen können nicht nur vor der Krankheit selbst, sondern auch vor Folgeerkrankungen schützen.

Bundesverband

Heilmittel-Ausgaben steigen stark – Qualität unklar

Die Ausgaben für Heilmittel wie Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie haben sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Über die Qualität der Versorgung liegen allerdings kaum Informationen vor. Das macht der Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich. Demnach stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Heilmitteltherapien von knapp 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf bereits 14,7 Milliarden Euro Ende 2025. Das entspricht einem Anstieg von 10,4 Prozent. Zum Vergleich: 2015 lagen die Ausgaben bei 6,1 Milliarden Euro. Mit 69,7 Prozent entfielen mehr als zwei Drittel des Heilmittelumsatzes der GKV auf Physiotherapie. Auch die 2024 neu eingeführte Blankoverordnung für bestimmte Diagnosen in der Ergo- und Physiotherapie führte bei diesen Indikationen zu einem starken Anstieg von Behandlungen und Ausgaben. Der Nutzen für Patientinnen und Patienten durch die neue Therapiefreiheit ist laut Report bisher noch unklar.

Hessen

Personalisierte Medizin bei Lungenkrebs

In Hessen nehmen Lungenkrebs-Erkrankungen stetig zu. Das zeigt der aktualisierte AOK-Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach erkrankten 2024 8.000 Männer und 6.100 Frauen. 2017 waren es 3.000 Menschen weniger. Die meisten Fälle gab es im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Kassel; bereinigt nach Alter und Geschlecht in Offenbach. Besonders wenige Menschen erkrankten im Taunus. Da Lungenkrebs anfangs meist keine Beschwerden verursacht, wird er häufig erst in einem späten Stadium entdeckt. Personalisierte Therapie kann laut AOK Hessen helfen, die Behandlung gezielter auszurichten und das Leben Betroffener zu verlängern. Die AOK Hessen übernimmt die Kosten für eine vernetzte Diagnostik und Behandlungsplanung für die bestmögliche Therapie.

NordWest

Viele Ältere verzichten auf Grippeschutzimpfung

Die Impfbereitschaft älterer Menschen gegen Grippe bleibt in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein gering. In Westfalen-Lippe ließ sich in der Grippesaison 2025/2026 nur etwa jeder vierte AOK-Versicherte ab 60 Jahren impfen (24,8 Prozent), in Schleswig-Holstein etwa jeder dritte (34,2 Prozent). Gleichzeitig wurden weiterhin viele Influenza-Infektionen gemeldet. Von Anfang Oktober 2025 bis Ende April 2026 registrierte das Robert-Koch-Institut in Westfalen-Lippe 18.582 Fälle, in Schleswig-Holstein waren es 7.398. Die AOK NordWest rät vor allem Menschen über 60 Jahren und chronisch Kranken, die Grippeschutzimpfung rechtzeitig zu nutzen.

AOK-Gemeinschaft

Mehr Orientierung bei der Klinikwahl

Als erstes Krankenhaus-Suchportal in Deutschland weist der AOK-Gesundheitsnavigator die Leistungsgruppen aus, die Kliniken in Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Krankenhausplanung zugewiesen worden sind. Laut einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK für den Krankenhaus-Report 2026 hat ihre Einführung dort bereits zu einer stärkeren Zentralisierung spezieller Eingriffe geführt, etwa in der Orthopädie, Gefäßchirurgie und Krebschirurgie. Patienten und einweisende Ärzte erhalten damit eine zusätzliche Orientierung bei der Klinikwahl. Die 64 Leistungsgruppen sind an Qualitätsanforderungen geknüpft und sollen die Spezialisierung der Kliniken fördern.

Rheinland/Hamburg

Gesundheitsreport zeigt Lücken in der Pädiatrie

Viele Kinder und Jugendliche werden in Hamburg und im Rheinland nicht in kinder- und jugendärztlichen, sondern in hausärztlichen Praxen betreut. In Hamburg betrifft das laut AOK-Gesundheitsreport 2026 fast jedes vierte Kind (23,9 Prozent). Im Rheinland wird fast jedes fünfte Kind (18 Prozent) hausärztlich versorgt. In einigen Randgemeinden des Versorgungsgebiets erreicht dieser Anteil knapp 50 Prozent. Diese hohen Werte deuten laut AOK Rheinland/Hamburg auf mögliche Schwierigkeiten in der Sicherstellung der fachärztlichen pädiatrischen Versorgung in diesen Regionen hin.

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