Angebot anzeigen für:

Bitte wählen Sie Ihre AOK oder Region aus, um die für Sie richtigen Kontaktdaten zu erhalten.

Geschäftsstellen werden geladen ...

Nutzen und Risiken von Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung

Antibiotika können Nebenwirkungen haben. Deshalb wurden der Nutzen und das Risiko der Antibiotikatherapie bei einer akuten Mittelohrentzündung wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse finden Sie hier.

Studien mit Scheinmedikamenten

Um mehr Klarheit zu erhalten, welche Nutzen und Risiken eine Antibiotikatherapie für Kinder mit akuter Mittelohrentzündung tatsächlich hat, haben Wissenschaftler die Daten von 13 kontrollierten klinischen Studien mit insgesamt 3.401 Kindern ausgewertet. Verglichen wurde, wie Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung wirken und welche Effekte im Vergleich dazu ein Scheinmedikament (Placebo) erzielt [1].

Scheinmedikamente sind harmlose Darreichungsformen, die keinen echten Arzneistoff enthalten, sondern lediglich aus z. B. Zucker oder Stärke bestehen. Sie werden in kontrollierten klinischen Studien als „Vergleichsmedikament“ eingesetzt, um die tatsächliche Wirksamkeit und Verträglich von Arzneimitteln mit echtem Wirkstoff zu untersuchen. Durch den Vergleich lässt sich feststellen, in welchen Bereichen das Arzneimittel, zum Beispiel ein Antibiotikum, dem Scheinmedikament überlegen ist und in welchen nicht.

Antibiotika zeigten bei folgenden Aspekten einen Nutzen

Antibiotika lindern die Schmerzen ab dem zweiten Behandlungstag besser als ein Scheinmedikament.

Werden 100 Kinder mit einem Antibiotikum behandelt, leiden nach zwei bis drei Tagen fünf Kinder weniger an Ohrenschmerzen, als wenn sie ein Scheinmedikament erhalten. Dieser Unterschied ist im Verhältnis zur Gesamtzahl an Kindern mit Schmerzen so deutlich, dass sich daraus ein Behandlungsvorteil ergibt. 

Antibiotika verbessern die Hörfunktion in den ersten Wochen nach Behandlungsbeginn stärker als ein Scheinmedikament.

Wenn 100 Kinder mit einem Antibiotikum behandelt werden, haben neun von ihnen nach zwei bis vier Wochen eine bessere Hörfunktion als ohne Antibiotikum. Ein ähnlicher Vorteil wird nach sechs bis acht Wochen gesehen. Nach drei Monaten ist dieser Vorteil verschwunden. Dann hat sich die Hörfunktion bei gut drei Viertel aller Kinder normalisiert, egal, ob sie zuvor mit einem Antibiotikum oder einem Scheinmedikament behandelt worden waren.

Antibiotika senken das Risiko, dass auch das andere Ohr an Mittelohrentzündung erkrankt.

Wenn 100 Kinder mit einem Antibiotikum behandelt werden, werden acht von ihnen durch das Antibiotikum vor einer Erkrankung des anderen Ohres bewahrt. 

Antibiotika senken das Risiko eines Trommelfelleinrisses.

Das Antibiotikum verhindert bei drei von 100 Kindern, dass das Trommelfell durch den Mittelohrerguss einreißt. Dieser Unterschied ist im Verhältnis zur geringen Gesamtzahl an Kindern mit einem Trommelfelleinriss so deutlich, dass daraus ein Behandlungsvorteil resultiert.

In folgenden Aspekten zeigten Antibiotika keinen Nutzen

Antibiotika haben in den ersten 24 Stunden nach Behandlungsbeginn keinen Einfluss auf die Ohrenschmerzen. In dieser Zeit werden mit oder ohne Antibiotikum rund 60 Prozent der Kinder schmerzfrei.

Erhalten 100 Kinder ein Antibiotikum, sind nach 24 Stunden zwar fünf Kinder mehr schmerzfrei als in der Gruppe, die ein Scheinmedikament einnimmt. Dieser Unterschied ist im Verhältnis zur Gesamtanzahl an schmerzfreien Kindern nach 24 Stunden aber so gering, dass sich daraus kein relevanter Behandlungsvorteil für das Antibiotikum ergibt. 

Antibiotika senken nicht das Risiko, dass das behandelte Kind später erneut an einer Mittelohrentzündung erkrankt (Rezidivrisiko).

Von 100 Kindern erkrankt rund jedes fünfte Kind später erneut an einer akuten Mittelohrzündung, unabhängig davon, ob es zuvor mit einem Antibiotikum oder mit einem Scheinmedikament behandelt worden war. Antibiotika bieten in diesem Aspekt somit keinen Vorteil gegenüber dem Scheinmedikament. 

Antibiotika haben keinen Einfluss auf die insgesamt sehr seltene Rate an schwerwiegenden Komplikationen.

Die Studienanalyse zeigte, dass in beiden Behandlungsgruppen in Einzelfällen eine schwerwiegende Komplikation auftrat, z. B. eine Entzündung des Warzenfortsatzes. Das geschieht jedoch unabhängig davon, ob abgewartet wurde oder mit einem Antibiotikum behandelt wurde.

Antibiotika führen häufiger zu Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlag.

Beschwerden wie Erbrechen oder Durchfall können einerseits als Nebenwirkungen von Antibiotika auftreten, andererseits können sie als Begleiterscheinung bei einer akuten Mittelohrentzündung vorkommen. Deshalb zeigt sich erst durch den Vergleich zwischen Antibiotika und Scheinmedikament, wie oft derartige Beschwerden tatsächlich durch das Antibiotikum ausgelöst werden.

Die Studienanalyse ergab: Durch Antibiotika werden bei sieben von 100 Kindern Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlag ausgelöst.

Abschließend kamen die Wissenschaftler zu folgender Bewertung

  • In den meisten Fällen heilen akute Mittelohrentzündungen von alleine und ohne Komplikationen aus.
  • Die Vorteile einer Behandlung mit Antibiotika sollten gegen die möglichen Nachteile sorgfältig abgewogen werden.
  • Den höchsten Nutzen von einer Behandlung mit Antibiotika haben Kinder unter zwei Jahren mit akuter Mittelohrentzündung an beiden Ohren oder mit Ohrausfluss.
  • Für die meisten anderen Kinder mit unkomplizierter Mittelohrentzündung erscheint eine abwartende Behandlung gerechtfertigt.

Autor und Quellen

Logo AOK
Logo Universität Köln

Eine Kooperation der AOK und der Uniklinik Köln
Aktualisiert am: 13.07.2016

  • 1. Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 6. Art. No.: CD000219. DOI: 10.1002/14651858.CD000219.pub4. 

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Mittelohrentzündung kann unterschiedlich verlaufen. Ab wann eine Behandlung mit Antibiotika helfen kann.
Mehr erfahren
Hat Ihr Kind eine Mittelohrentzündung, suchen Sie bitte einen Kinderarzt auf. Mit ihm besprechen Sie die richtige Behandlung.
Mehr erfahren
Besonders kleine Kinder erkranken häufig an einer akuten Mittelohrentzündung. So erkennen Sie eine Infektion.
Mehr erfahren
Bitte wählen Sie eine AOK oder geben Sie eine Postleitzahl ein.

Meinen Ansprechpartner finden

24 Stunden täglich und kostenfrei

Weitere Kontaktangebote

Newsletter

Der AOK-Newsletter schickt monatlich die neuesten Meldungen aus den Bereichen Medizin, Fitness, Ernährung, Karriere und Gesundheit in Ihr Postfach.

Um einen RSS-Feed zu abonnieren, benötigen Sie einen Browser, der RSS unterstützt. Die aktuellen Standardbrowser (z. B. Mozilla Firefox, Internet Explorer oder Chrome) unterstützen RSS-Feeds. Um die Feeds zu abonnieren, klicken Sie bitte auf den unten angegebenen Link. Benennen Sie den RSS-Link nach Ihren Wünschen und speichern Sie ab. Über eine neue Schaltfläche in Ihrem Browser können Sie dann die News erreichen.
Die RSS-Technologie ermöglicht Ihnen die tagesaktuellen News aus der Themenwelt der aok.de einfach und bequem zu abonnieren. Sie können sich unsere News-Themen in ihrem Browser oder einem RSS-Reader anzeigen lassen. Teilweise unterstützen auch Bildschirmschoner und E-Mail-Programme den RSS-Feed. Sie können daher die News sehr flexibel einsetzen.