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Junge Frauen entscheiden sich immer seltener für die Pille

Eine Verhütung mit der Pille wird für junge Frauen offenbar immer unattraktiver. Zu diesem Ergebnis kommt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) kurz vor dem 60. Jahrestag der Markteinführung der Pille am 18. August 2020.

AOK-Analyse: Mehr als jede zweite Nutzerin nimmt eine risikoreichere Variante der Pille ein

Für die Analysen hat das WIdO die Daten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgewertet. Dabei ist herausgekommen, dass vor zehn Jahren noch fast jede zweite junge Frau bis zu einem Alter von 20 Jahren mit der Pille verhütet hat, im vergangenen Jahr war es nicht einmal mehr jede dritte.

Der Anteil der Pillen-Verordnungen hatte demnach im Jahr 2010 seinen Höchststand in dieser Altersgruppe erreicht: 46 Prozent. In den Jahren danach ist die Zahl immer weiter gesunken. Bis auf 31 Prozent im Jahr 2019. Und das, obwohl im vergangenen Jahr die Statistik sogar Frauen bis zu einem Lebensalter von 22 Jahren eingeschlossen hat. Denn die Altersgrenze für eine Verordnung des hormonellen Verhütungsmittels auf Kosten der Gesetzlichen Kassen ist von 20 auf 22 Jahre angehoben worden.

„Das kann mit einer besseren Aufklärung und einem stärkeren Bewusstsein dafür zu tun haben, dass die Pille kein Lifestyle-Präparat ist, sondern in den Hormonhaushalt eingreift und Nebenwirkungen haben kann“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab des AOK-Bundesverbandes.

Bei den Auswertungen der AOK kam auch heraus, dass jüngere Frauen zwar heutzutage häufiger als früher risikoärmere Präparate verordnet bekommen, dass aber immer noch mehr als jede zweite Pillen-Nutzerin (52 Prozent) unter den Mädchen und Frauen bis 20 Jahre im Jahr 2019 ein Präparat der neueren Generation mit einem höheren Risiko für Thrombosen und Embolien eingenommen hat. Insgesamt sank der Verordnungs-Anteil der Pillen mit einem höheren Risiko bundesweit von 72 Prozent im Jahr 2009 auf 54 Prozent im Jahr 2019.

Weniger risikoreichere Präparate in Nordrhein und Hamburg

Bei den Gesetzlich Versicherten in den Gebieten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Nordrhein und Hamburg fallen die Veränderungen teils noch etwas stärker aus. Im Jahr 2009 hatten 73 Prozent der Frauen in Nordrhein und 70 Prozent der Frauen in Hamburg ein risikoreiches Präparat verschrieben bekommen, im Jahr 2019 waren es noch 52 Prozent in Nordrhein und 51 Prozent in Hamburg.

Grundsätzlich gilt: Insbesondere junge Frauen, die erstmals die Pille zur Verhütung einnehmen, sollten auf typische Anzeichen einer Thrombose oder Embolie achten und umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn sie etwas Auffälliges bemerken. Zu den Symptomen zählen starke Schmerzen oder Schwellungen sowie ein Spannungs- oder Schweregefühl im Bein. Auch eine bläulich-rote Verfärbung oder ein Glänzen der Haut am Bein kann auf eine Thrombose hindeuten. „Symptome einer Lungenembolie sind plötzlich auftretende Kurzatmigkeit oder Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen oder unerklärlicher Husten“, sagt Dr. Eike Eymers.

Die erste Pille zur Verhütung kam am 18. August 1960 in den Vereinigten Staaten auf den Markt. Bereits ein Jahr später brachte die Berliner Schering AG in der Bundesrepublik Deutschland das Medikament Anovlar heraus.

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