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STADT.LAND.GESUND. – Dem Mangel vorbeugen

Die Wege zum und die Wartezeiten beim Haus- oder Facharzt auf dem Land werden länger. Das sind erste Anzeichen für aufkommende Versorgungsengpässe. Das spüren betroffene Versicherte längst, wie eine Forsa-Umfrage der AOK NORDWEST belegt. Zentrale Vorgaben aus Berlin sind das Letzte, was jetzt weiterhilft.

Lösungen für die regionale Versorgung entwickeln

„Mit der Initiative ‚Stadt.Land.Gesund.‘ nehmen wir den Ball auf“, erklärt Bernd Marchlowitz, Fachbereichsleiter Ärzte der AOK NORDWEST. „Es geht darum, maßgeschneiderte Lösungen für die regionale Versorgung zu entwickeln, um drohenden Versorgungsdefiziten zu begegnen.“ Das verlange eine enge Kooperation aller Beteiligten. „Zentrale Vorgaben aus Berlin helfen in der Umsetzung nicht weiter. Die Gestaltung der Versorgung findet vor Ort statt,“ so Marchlowitz.

Die Problematik ist komplex: Jedes Jahr steigt die Zahl der Ärztinnen und Ärzte. So waren es 2018 genau 392.402 und damit 1,9 Prozent mehr als 2017. Gleichzeitig droht auf dem Land ein Mangel an Allgemeinmedizinern und Fachärzten. Warum? Weil die Zahl der Mediziner in den Krankenhäusern zunimmt, während sich immer weniger Ärztinnen und Ärzte niederlassen. Und wenn, dann bevorzugt in den attraktiven Städten mit ihrem reichen kulturellen Angebot. Hier ist auch oft eine bessere Work-Life-Balance möglich. Zudem ziehen immer mehr Nachwuchsmediziner eine Anstellung mit geregelten Arbeitszeiten und festem Einkommen vor, gern auch in Teilzeit. Und natürlich macht die Demographie auch vor Ärzten nicht halt. In der nächsten Dekade werden viele niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen. Erhebungen der Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein zeigen: Im Norden zählt etwa ein Drittel der Hausärzte zur Generation 60+, in Westfalen-Lippe sind es 39 Prozent. In einigen Planungsbereichen gehören inzwischen zwei von drei Ärzten dieser Altersgruppe an. Besonders in ländlichen Regionen mit heute bereits niedrigen Arztdichten droht die Nachbesetzung zum Problem zu werden.

„Hier brauchen wir dringend Lösungen und Alternativen. Denn die Forsa-Befragung zeigt, dass gerade der Zugang zu Hausärzten für die Bevölkerung besonders wichtig ist“, so Marchlowitz. 97 Prozent der Befragten in Schleswig-Holstein und­ Westfalen-Lippe hatten angegeben, dass die Verfügbarkeit von Hausärzten an oberster Stelle steht und damit wichtiger sei, als die Versorgung mit Internet (92 Prozent) oder Einkaufsmöglichkeiten (91 Prozent). Und dass vor allem die ländliche Bevölkerung eine sich verschlechternde Versorgung bereits wahrnimmt. Zur Frage, wie künftig der Bedarf an Ärzten zu ermitteln sei, hat Professorin Leonie Sundmacher von der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Gutachten im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erstellt. Sie stellte fest: „Die steigende Lebenserwartung der Menschen führt zu höherer Multimorbidität und damit zu einem erhöhten ärztlichen Beratungs- und Behandlungsbedarf“. Und weiter: „Junge Medizinerinnen und Mediziner zieht es eher in die Großstädte“, was nicht zwingend zu einer anhaltenden Überversorgung in den Ballungsgebieten führe. „Prospektiv wird die Bevölkerung in den Städten wachsen, sodass auch hier die heutige Überversorgung bald zu einer Normalversorgung werden kann.“

Fazit: Wachsende Anforderungen an die medizinische Versorgung in Stadt und Land benötigen vielfältige Lösungen. Das können sektorenübergreifende und digitale Versorgungsmodelle sein. Auch Beratung durch medizinisches Praxispersonal und Videosprechstunden können Ärzte entlasten. Die Menschen in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein sind durchaus bereit, sich darauf einzulassen und erwarten auch von ihrer Krankenkasse Lösungen. Die AOK NORDWEST bietet bereits die elektronische Arztvisite in Pflegeheimen (elVi) oder den arztentlastenden Einsatz von Versorgungsassistentinnen (EVA) an. Die Kassenärztlichen Vereinigungen begegnen drohenden Versorgungsengpässen unter anderem mit Förderprogrammen. In Westfalen-Lippe soll „Praxisstart“ und in Schleswig-Holstein die Initiative „Mehr.Arzt. Leben!“ Medizinstudierende für Allgemeinmedizin begeistern und in die Niederlassung auch im ländlichen Bereich begleiten. Die Landesregierungen fördern die Niederlassung in strukturschwachen Regionen finanziell.

Altersstruktur der Hausärzte

Die Abbildungen zeigen den Anteil der Hausärzte in der Generation 60+ in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein. Die Anzahl der Hausärzte ist in Vollzeitäquivalenzen angegeben. In Westfalen-Lippe sind bereits in 22 von 111 Planungsbereichen mehr als die Hälfte der Ärzte 60+. In Schleswig-Holstein ist dies nur in 2 von 26 Planungsregionen der Fall. Vor allem in ländlichen Regionen mit niedriger Hausarztdichte und einem hohen Anteil älterer Ärzte wird Mediziner-Nachwuchs gesucht.

Anteil der Hausärzte in der Generation 60+ in Westfalen-Lippe

Anteil der Hausärzte in der Generation 60+ in Schleswig-Holstein