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„Du willst in mein Bett? Dann nur mit HPV-Impfung!“

Mecklenburg-Vorpommern nimmt bundesweit bereits den Spitzenplatz ein, was die Impfquote betrifft – jetzt will das Bundesland eine Kampagne zu dessen Erhöhung initiieren. Ein Bericht vom „AOK-Forum live“ am gestrigen Montag in Schwerin.

Impfen – oder doch nicht impfen? Eine Frage, die sich viele in Mecklenburg-Vorpommern gar nicht erst stellen: Das Bundesland belegt einen Spitzenplatz, was die Impfquote betrifft. Am vergangenen Montag fand in Schwerin dennoch – oder gerade deswegen – die gesundheitspolitische Podiumsdiskussion „AOK-Forum live: Erhöhung der Impfquote – Wie schaffen wir das?“ statt. „Impfen gehört zu den wirksamsten Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen“, sagte Frank Ahrend, Mitglied der Geschäftsleitung des Gastgebers AOK Nordost, in seiner Eröffnungsrede. Aber es gebe eben noch Lücken.

Die Landesregierung plant eine Impfkampagne

„Die Impfbereitschaft ist bei uns im Land sehr ausgeprägt“, stellte Gesundheitsminister Harry Glawe fest. „Im letzten Ranking hat Mecklenburg-Vorpommern in allen Impfkategorien den ersten Platz unter allen Bundesländern belegt, bei der Masern-Impfquote sogar mit 95,8 Prozent.“ Kein Grund, sich darauf auszuruhen: Die Schweriner Landesregierung plane ab September eine zweijährige Imagekampagne, um die Impfquote auch bei anderen Infektionskrankheiten maßgeblich zu erhöhen. „Wir müssen generationsübergreifend dafür werben, dass das Impfen nicht in Vergessenheit gerät“, so Glawe. „Es wird Angebote über Apps geben, über Filme, aber auch ganz klassisch über Flyer.“

„Wir haben in MV noch eine hohe positive Impfeinstellung, ein Überbleibsel aus der DDR. Das müssen wir nutzen“, pflichtete ihm Dr. Martina Littmann bei, die Leiterin der Abteilung für Gesundheit beim Landesamt für Gesundheit und Soziales, die auch in der Ständigen Impfkommission (Stiko) sitzt. „Wenn wir hohe Impfquoten haben, können wir nicht nur den Einzelnen, sondern die Gesamtheit schützen.“ Bundesweit bestehe bei Masern-Impfungen erheblicher Nachholbedarf: Von 2001 bis 2017 gab es insgesamt 26.300 gemeldete Masern-Erkrankungen – in MV im gleichen Zeitraum lediglich 42. Im ganzen Bundesgebiet seien aktuell 287.000 Kinder im Alter von 24 Monaten ohne Impfschutz. „Es ist in den wenigsten Köpfen junger Eltern, dass man an Masern auch sterben kann“, so Littmann. „Kinder können innerhalb von Wochen zum Pflegefall werden.“

AOK Nordost übernimmt HPV-Impfung auch für Jungen

Nach „jahrelangem Kampf“ habe man in der Stiko nun endlich die HPV-Impfung für Jungen in den Empfehlungskatalog aufgenommen: „Ich bin froh, dass die AOK jetzt schon mit gutem Beispiel vorangeht und die Kosten ab dem 1. Juli übernimmt – und das noch vor dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses.“ Dabei sei gerade die Altersgruppe der 9- bis 14-Jährigen eine schwierige Zielgruppe – schließlich handele es sich bei den Humanen Papillomviren um eine sexuell übertragbare Infektion, ein Tabuthema in diesem Alter für alle Beteiligten. Oder wie Littmann es formulierte: „Es gibt drei Gruppen, die glauben, dass die anderen keinen Sex haben: Eltern von ihren Kindern, Kinder von ihren Eltern und Kinderärzte von ihren Patienten.“

Dem konnte Dr. Andreas Michel, Vorsitzender des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern der Kinder- und Jugendärzte, nur zustimmen. Die Kinderärzte seien ganz verzweifelt über die niedrigen HPV-Impfquoten, so Michel – obwohl derzeit mit 52 Prozent der 15-jährigen Mädchen erneut ein Spitzenplatz im Bundesvergleich eingenommen wird. „1800 Todesfälle pro Jahr sind für Eltern eine abstrakte Zahl.“ Dabei könne man durch die HPV-Impfung schon viele Vorsorgeuntersuchungen einsparen. Die HPV-Impfung koste ihn aber immer wieder Überzeugungskraft. „Wir bräuchten eine Aktion: Du willst in mein Bett? Dann nur mit HPV-Impfung!“

In M-V können Kinderärzte die Eltern gleich mitimpfen

Das Land Mecklenburg wolle weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen. So gibt es dort bereits – anders als in Berlin – die Möglichkeit, dass Kinderärzte die Eltern gleich mitimpfen dürfen. Eine generelle Impfpflicht sei jedoch kaum durchsetzbar. „Mit einer bundesweiten Impfpflicht könnten wir das Gegenteil erreichen, nämlich zu viel Druck aufzubauen“, sagte Martina Littmann, die auch „Dr. Google“ in der Verantwortung für die steigende Zahl an Impfgegnern sieht. Gabriele Will, Leiterin der Kita „Löwenzahn“ und Mitglied im Aufsichtsrat der Kita gGmbH in Schwerin, geht bereits jetzt einen Schritt weiter: „Ohne den Nachweis der Impfungen gibt es bei uns für die Kinder keinen Betreuungsvertrag“, sagte sie. Und das gelte auch für Erzieherinnen, die sich dort bewerben.

„Ohne Kampagne geht es nicht, dafür nehmen wir auch richtig Geld in die Hand“, versprach Gesundheitsminister Glawe – er hoffe sogar darauf, dass der Bund nachziehe und diese Kampagne als Vorbild nehme. Kinderarzt Michel betont die Schwierigkeit der Aktion: „Wir müssen unsere Botschaften zwischen Germany’s Next Topmodel und der angesagten Youtuberin platzieren – das wird nicht einfach.“

Link zum Epidemiologischen Bulletin 01/2018 des Robert-Koch-Institutes mit den Impfquoten ausgewählter Schutzimpfungen in Deutschland.

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Matthias Gabriel
Pressesprecher
Telefon: 0800 265 080 - 22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de