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Stationäre Versorgung: Hohe Fallzahlrückgänge in Hessen während des Lockdowns

Bad Homburg. In einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) wurden auch für Hessen stationäre Fallzahlen und Entlassdiagnosen während des Lockdowns mit dem Vorjahr verglichen. Das Ergebnis gibt Hinweise darauf, dass der erhebliche Rückgang nicht allein mit verschobenen Eingriffen zu tun haben kann.

AOK-Auswertung zeigt diagnosebezogene Reduktion um bis zu 67 Prozent

Betrachtet wurden Klinikaufnahmen vom 16. März bis 5. April 2020 und Entlassungen bis zum 31. Mai. Diese wurden in Bezug gesetzt zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für Hessen lässt sich konstatieren: Die Anzahl der Krankenhausaufnahmen ist im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um 41 Prozent geringer (14.847 Fälle im Jahr 2020, 25.156 Fälle im Jahr 2019, bezogen auf Versicherte der AOK Hessen). Krankheiten des Kreislaufsystems sind um 39 Prozent, des Verdauungssystems um 49 Prozent und des Muskel-Skelett-Systems sogar um 67 Prozent gesunken.

Dr. Roland Strasheim
„Diese Zahlen legen nahe, dass etliche betroffene Patientinnen und Patienten in der Phase des Lockdowns seltener eine Versorgung im Krankenhaus in Anspruch genommen haben, obwohl akuter Handlungsbedarf bestand“, meint Dr. Roland Strasheim, verantwortlich für stationäre Versorgung bei der AOK Hessen.

Hervorragende Arbeit in Praxen und Kliniken

„Erkrankungen wir Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Krebs sind durch Corona ja wahrscheinlich nicht seltener geworden, zumindest gibt es dafür keine Hinweise. Aber unter dem Eindruck der Bilder, etwa aus Italien, haben offenbar viele Menschen Angst bekommen, ein Krankenhaus oder einen Arzt aufzusuchen“, so Strasheim. Einer repräsentativen Umfrage* zufolge haben 18 Prozent der hessischen Bürgerinnen und Bürger mindestens ein Mal – trotz akuter Beschwerden – darauf verzichtet, eine Praxis aufzusuchen, vor allem aus Angst, sich dort mit dem Coronavirus zu infizieren. „Unsere hessischen Kliniken und Arztpraxen haben hervorragende Arbeit geleistet. Mit Hygienekonzepten und Planungen waren und sind sie jederzeit vorbereitet, die Bevölkerung auch unter Corona-Bedingungen sicher und qualitativ hochwertig zu versorgen. Wenn Sie krank sind oder Symptome einer Krankheit haben, gehen Sie bitte zum Arzt oder ins Krankenhaus“, resümiert Strasheim.  

 

*im Auftrag der AOK Hessen (befragt wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren im Mai 2020)