Angebot anzeigen für:

Empathie-Award Pflege: Preisträgerin kommt aus Babenhausen

Gerlinde Richter in Darmstadt geehrt

Darmstadt. Im Spätsommer hatte die AOK Hessen ihren Empathie-Award ausgelobt. Gesucht wurden authentische Geschichten aus dem Pflege-Alltag, erzählt von Pflegebedürftigen, Verwandten oder Kollegin-nen und Kollegen aus der Einrichtung oder dem Pflegedienst. Insgesamt 76 Erzählungen kamen zusammen. Vier davon haben die Jury der AOK Hessen besonders überzeugt. Gerlinde Richter, die für den Pflegedienst Heymanns & Schneider tätig ist, konnte sogar den ersten Platz in der Kategorie „Ambulant“ belegen.

„Dank ihr starten meine Eltern liebevoll in den Tag, denn beide sind schon seit längerem pflegebedürftig. Niemand könnte aufmerksamer sein als sie. Sogar als Schlichterin hat sie sich schon bewährt. Mal kurz meine Mutter in den Hof bringen, weil das Wetter so schön ist? Für Frau Richter eine Selbstverständlichkeit, und das, obwohl in der Pflege jede Minute zählt“, berichtet Marita Bahmer aus Dieburg, die der AOK Hessen auf zwei eng bedruckten Seiten ihre positiven Eindrücke geschildert hatte. Gerlinde Richter wusste davon zunächst nichts. Die 56-jährige Babenhäuserin konnte ihr Glück – immerhin ist mit dem Preis auch eine Belohnung von 3.000 Euro verbunden, weitere 1.500 Euro gehen an ihr Team – kaum fassen. Sie arbeitet erst seit dem Jahr 2000 in der Pflege, war zuvor im Bäckereigewerbe und bei einem Autozulieferer tätig, wechselte nach ihrem Mutterschutz jedoch in die Pflege. „Ich wollte das ausprobieren und realisierte damit meinen Kindheitstraum. Denn ich wollte schon immer unbedingt Krankenschwester werden“, erinnert sie sich. In ihrem Beruf fühlt sie sich besonders wohl, kann ihre Talente ausspielen. „Natürlich ist diese Arbeit fordernd, aber ich habe mir ganz viel Enthusiasmus bewahrt. Nahezu nichts ist für mich Routine, und eine sinnvollere Tätigkeit kann ich mir kaum vorstellen“, so Richter weiter. Sie ist der Auffassung, dass viel zu oft negativ über die Pflege gesprochen werde und dadurch möglicherweise ein schiefes Bild entstünde.

„Da hat es die Richtige getroffen“, meint Manfred Schmidt, AOK-Beratungscenterleiter in Darmstadt. Er hatte die Preisträgerin eingeladen, um mit ihr über ihren Beruf und den Pflege-Alltag zu sprechen. „Wir wollen mit unserem Empathie-Award Pflegeprofis ehren, die nicht nur ihr Handwerk verstehen, sondern darüber hinaus besondere menschliche Qualitäten besitzen. Wir glauben, dass professionelle Pflege – auch wenn hier zuweilen ein gewisser Zeitdruck eine Rolle spielt – mit Entgegenkommen und sozialer Wärme zu tun haben kann. Sehr oft sogar. Viele Menschen, die sich für diesen Beruf entschieden haben, sehen ihn als Berufung, nicht nur zum Broterwerb“, meint Schmidt. Der dreiköpfigen Jury* der AOK Hessen ist die Geschichte über „die Eine“ – wie sie zunächst genannt wurde – schon recht früh als möglicher Favorit aufgefallen. Die Auswahl fiel jedoch trotzdem nicht leicht. Zu viele Beiträge haben mitunter sehr berührende, emotionale Begegnungen geschildert, die tagtäglich in hessischen Haushalten, Wohngruppen und Kliniken stattfinden.

*Robert Ringer (Pflegechef), Ralf Metzger (Kommunikationschef), Dr. Angela Smith (Leitende Ärztin)