„Evidenzbasierte Gesundheitspolitik wird bessere Ergebnisse erzielen“
In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G-Digital Institute und Lehrstühle vor. Dieses Mal mit drei Fragen an Prof. Dr. Alfons Hollederer, Professor für Theorie und Empirie des Gesundheitswesens und Leiter des gleichnamigen Fachgebiets am Institut für Sozialwesen der Universität Kassel.
Herr Professor Hollederer, was ist derzeit Ihre wichtigste wissenschaftliche Fragestellung?
Prof. Dr. Alfons Hollederer: Sie ist eine sehr alte, aber offene Forschungsfrage: Wie hängen Gesundheit und Soziales zusammen und wie kann sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheit verringert werden? Sie hat nichts an Aktualität verloren, denn in Deutschland geht die soziale Schere auseinander und gesundheitliche Ungleichheit wächst. Das belegen auch unsere Analysen, die auf der Makroebene des Gesundheitssystems, der Mesoebene von gesundheitsförderlichen Lebenswelten und der Mikroebene von Personen ansetzen, beispielsweise zur Gesundheit von Erwerbslosen. Hinter diesen Fragen stehen soziale Determinanten von Gesundheit und der „Health in All Policies“-Ansatz.
Wie fördern Sie an Ihrer Einrichtung die Kooperation wissenschaftlicher Disziplinen und die Netzwerkbildung?
Hollederer: Die Interdisziplinarität wird an unserem Institut durch die Zusammensetzung gelebt. Die Vernetzung wissenschaftlicher Disziplinen funktioniert außerdem gut über Fachgesellschaften, unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH). Ich habe selbst eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe dort koordiniert, die ein Positionspapier zu den weltweit steigenden Angriffen gegen Gesundheitseinrichtungen entwickelt. Bei diesem Thema dürfen wir nicht mehr wegschauen.
„In Deutschland geht die soziale Schere auseinander und gesundheitliche Ungleichheit wächst.“
Ist die Politik gut beraten, wenn sie auf die Wissenschaft hört?
Hollederer: Guter Rat ist teuer. Das weiß die Politik, ist aber vom Lobbyismus in Deutschland getrieben. Politik sollte vor allem auf die unabhängige Wissenschaft wie staatliche Universitäten achten, die am Allgemeinwohl orientiert ist. Eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik wird bessere Ergebnisse erzielen.
Zur Person:
Prof. Dr. Alfons Hollederer studierte Sozialwesen und Diplom-Gesundheitswissenschaften. Anschließend war er unter anderem am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW, dem Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit tätig. Ab 2017 war er außerplanmäßiger Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2019 ist Hollederer Professor für „Theorie und Empirie des Gesundheitswesens“ im Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel.
Forschungsschwerpunkte:
- Gesundheitliche Ungleichheit
- Erwerbslosigkeit und Gesundheit
- Gesundheitsförderung
- Gesundheit von Beschäftigten in Gesundheits- und Sozialberufen
- Gesundheit und Studium
Jahresetat:
keine Angaben
Zahl und Qualifikation der Mitarbeitenden:
1 Professor
3 wissenschaftliche Mitarbeitende
1 Sachbearbeiter
1 studentische Hilfskraft
1 Forschungspraktikantin
5 laufende Promotionen
Kontaktdaten:
Universität Kassel
Institut für Sozialwesen
Professur Theorie und Empirie des Sozialwesens
Prof. Dr. Alfons Hollederer
Arnold-Bode-Straße 10
34109 Kassel
Tel.: 0561 8042956
E-Mail: alfons.hollederer(at)uni-kassel.de
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