Interview Gesundheitssystem

„Gute Politik bleibt anpassungsfähig bei neuer Evidenz“

29.07.2026 Silke Heller-Jung 3 Min. Lesedauer

In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G-Digital Institute und Lehrstühle vor. Dieses Mal mit drei Fragen an Prof. Dr. Orkan Okan, Leiter der Professur für Gesundheitskompetenz und des WHO Collaborating Center for Health Literacy an der Technischen Universität München (TUM).

Foto: Blick in einen Hörsaal, in dem viele Studierende sitzen. Vorne steht ein Mikrofon.
In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G jeden Monat ein Institut oder einen Lehrstuhl vor.
Prof. Dr. Orkan Okan, Leiter der Professur für Gesundheitskompetenz und des WHO Collaborating Center for Health Literacy an der Technischen Universität München (TUM)

Herr Professor Okan, was ist derzeit Ihre wichtigste wissenschaftliche Fragestellung?

Prof. Dr. Orkan Okan: Zu unseren zentralen Forschungsfragen am WHO Collaborating Center for Health Literacy an der TUM zählt unter anderem, wie evidenzbasierte, zielgruppengerechte Interventionen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz entlang des Lebensverlaufs wirksam implementiert werden können – beginnend in Kita und Schule und stets mit dem Versuch, das gesamte Umfeld in den Blick zu nehmen. Entscheidend ist die Qualität nach höchsten wissenschaftlichen Standards. Eine wachsende Herausforderung ist die Integration von KI. Immer mehr Menschen nutzen KI heute für Gesundheitsinformationen, daher müssen Kompetenzen zur Nutzung, Einordnung und kritischen Bewertung systematisch gefördert werden, Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Umgang mit KI sicher gestalten – auch für Kinder und Heranwachsende. 

Wie fördern Sie an Ihrer Einrichtung die Kooperation wissenschaftlicher Disziplinen und die Netzwerkbildung?

Okan: Wir fördern Kooperation durch strukturierte, interdisziplinäre Aktivitäten in Forschung, Politik und Praxis sowie durch gemeinsame Drittmittelprojekte und verbindliche Qualitätsstandards für die Zusammenarbeit. Zentrale Elemente sind transparente Dateninfrastrukturen, Co-Creation mit Praxispartnern sowie internationale Netzwerke. So können belastbare Synergien zwischen Public Health, Medizin, Sozial- und Datenwissenschaften entstehen.

„Immer mehr Menschen nutzen KI heute für Gesundheitsinformationen, daher müssen Kompetenzen zur Nutzung, Einordnung und kritischen Bewertung systematisch gefördert werden.“

Prof. Dr. Orkan Okan

Leiter des WHO Collaborating Center for Health Literacy an der TU München.

Ist die Politik gut beraten, wenn sie auf die Wissenschaft hört?

Okan: Ja. Wissenschaft liefert die Evidenzbasis für politische Entscheidungen. Gute Politik lernt aus Erfahrungen, auch international, vermeidet Fehlerwiederholung und bleibt anpassungsfähig bei neuer Evidenz. Gleichzeitig braucht es Bürgerdialog und echte demokratische Aushandlung, um Maßnahmen tragfähig und legitim zu gestalten.

Zur Person:

Prof. Dr. Orkan Okan absolvierte ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch, Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaft und Mathematik an der Universität Duisburg-Essen und promovierte im Fach Erziehungswissenschaften an der Universität Bielefeld, wo er anschließend als Post Doc am Interdisziplinären Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung arbeitete. Seit 2021 leitet Okan die Professur für Gesundheitskompetenz an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der TU München, seit 2023 außerdem das dort angesiedelte WHO Collaborating Center for Health Literacy.

Forschungsschwerpunkte:

  • Gesundheitskompetenz mit Schwerpunkt Krankheitsprävention, Gesundheitsförderung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Digitalisierung
  • Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen

Jahresetat:

keine Angaben

Zahl und Qualifikation der Mitarbeitenden:

1 Professor
8 wissenschaftliche Mitarbeitende
1 Sekretärin
2 studentische Hilfskräfte

Kontaktdaten:

Technische Universität München
Professur für Gesundheitskompetenz
Am Olympiacampus 11
80809 München
Tel.: 089 28924986
E-Mail: info.hl(at)tum.de
 

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