Interview Versorgung

„Ungleichheiten prägen den Zugang zu Versorgung“

17.06.2026 Silke Heller-Jung 3 Min. Lesedauer

In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G-Digital Institute und Lehrstühle vor. Dieses Mal mit drei Fragen an Prof. Dr. Hansjörg Dilger, Leiter der Arbeitsstelle Medical Anthropology | Global Health am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin.

Foto: Blick in einen Hörsaal, in dem viele Studierende sitzen. Vorne steht ein Mikrofon.
In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G jeden Monat ein Institut oder einen Lehrstuhl vor.
Foto: Prof. Dr. Hansjörg Dilger, Leiter der Arbeitsstelle Medical Anthropology/Global Health am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin
Prof. Dr. Hansjörg Dilger ist Leiter der Arbeitsstelle Medical Anthropology | Global Health am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin.

Herr Professor Dilger, was ist derzeit Ihre wichtigste wissenschaftliche Fragestellung?

Prof. Dr. Hansjörg Dilger: Unsere Arbeitsstelle untersucht, wie Menschen in unterschiedlichen Teilen der Welt Gesundheit und Krankheit verstehen und erleben – und welche Ungleichheiten den Zugang zu Versorgung prägen. Aktuelle Projekte erforschen etwa, wie sich die Pandemie in konkreten Lebenszusammenhängen niedergeschlagen hat und fortwirkt – in der Demokratischen Republik Kongo, Deutschland, Südafrika und Südkorea – die Einbettung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in die Lebenswelten schwuler Männer in Berlin sowie die Rolle digitaler Technologien für das mentale Wohlbefinden junger Menschen in Uganda. Unser Fokus liegt auf alltäglichen Erfahrungen und Praktiken sowie daraus hervorgehenden Handlungsweisen im Umgang mit Gesundheit.

Wie fördern Sie an Ihrer Einrichtung die Kooperation wissenschaftlicher Disziplinen und die Netzwerkbildung?

Dilger: Wir arbeiten eng interdisziplinär, unter anderem mit der Charité in einer Einstein Research Unit und einem Promotionsprogramm Global Health, sowie mit dem Zentrum für Internationale Gesundheit des Robert Koch-Instituts. Zugleich kooperieren wir mit Medizinanthropologinnen und -anthropologen in Afrika, Asien, Europa und den Amerikas. Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler stärken regelmäßig den Austausch an der Arbeitsstelle.

„Die Medizinanthropologie zeigt, wie Menschen gesundheitliche Maßnahmen erleben und in ihren Alltag integrieren.“

Prof. Dr. Hansjörg Dilger, Leiter der Arbeitsstelle Medical Anthropology | Global Health an der Freien Universität Berlin

Zur Person

Prof. Dr. Hansjörg Dilger studierte Ethnologie, Afrikawissenschaften und Anglistik an der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. Danach lehrte er als Assistant Professor für Anthropology and African Studies an der University of Florida, anschließend zunächst als Juniorprofessor und ab 2013 als Professor am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie der FU Berlin. Dilger ist stellvertretender Geschäftsführender Direktor des Instituts und Leiter der Arbeitsstelle Medical Anthropology | Global Health.

Ist die Politik gut beraten, wenn sie auf die Wissenschaft hört?

Dilger: Mehr denn je – und die Perspektiven der Sozialwissenschaften sind zentral. Die Medizinanthropologie zeigt, wie Menschen gesundheitliche Maßnahmen erleben und in ihren Alltag integrieren. Dieses Wissen kann helfen, Versorgung bedarfsgerecht zu gestalten und Vertrauen in gesundheitspolitische Entscheidungen zu stärken.

Forschungsschwerpunkte:

  • gesundheitsbezogene Praktiken, Institutionen und Wissensformen im globalen Zusammenhang und ihre Verflechtung mit sozialen, kulturellen und politischen Machtverhältnissen
  • transnationale Gesundheitsinterventionen – etwa zu HIV/AIDS oder COVID-19 – und damit verbundene soziale Ungleichheiten
  • Digitalisierung und Gesundheit
  • Migration und Gesundheitsversorgung
  • Veränderungen von Reproduktion und mentalem Wohlbefinden im Kontext globaler Transformationen

Jahresetat:

Grundfinanzierung durch die FU Berlin + Drittmittel verschiedener Förderinstitutionen

Zahl und Qualifikation der Mitarbeitenden:

Die Arbeitsstelle Medical Anthropology | Global Health umfasst rund 15 Personen, darunter eine Professur, zwei feste wissenschaftliche Mitarbeitende sowie Promovierende und Postdocs in Drittmittelprojekten und auf Stipendien, sowie studentische Hilfskräfte.

Kontaktdaten:

Freie Universität Berlin
Institut für Sozial- und Kulturanthropologie
Arbeitsstelle Medical Anthropology | Global Health
Landoltweg 9–11
14195 Berlin
Tel.: 030 83856872
E-Mail: hansjoerg.dilger(at)berlin.de

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