Interview Prävention

„Wir forschen nicht über, sondern gemeinsam mit den Menschen“

22.04.2026 Silke Heller-Jung 3 Min. Lesedauer

In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G-Digital Institute und Lehrstühle vor. Dieses Mal mit drei Fragen an Prof. Dr. Kevin Dadaczynski, Inhaber der Professur für Gesundheitserziehung im Sport an der Universität Potsdam.

Foto: Blick in einen Hörsaal, in dem viele Studierende sitzen. Vorne steht ein Mikrofon.
In der Rubrik „Neues aus der Uni“ stellt G+G jeden Monat ein Institut oder einen Lehrstuhl vor.
Foto: Porträt von Prof. Dr. Kevin Dadaczynski, Professor für Gesundheitserziehung im Sport an der Universität Potsdam
Prof. Dr. Kevin Dadaczynski ist Professor für Gesundheitserziehung im Sport an der Universität Potsdam.

Herr Professor Dadaczynski, was ist derzeit Ihre wichtigste wissenschaftliche Fragestellung?

Prof. Dr. Kevin Dadaczynski: Die „eine“ wissenschaftliche Fragestellung gibt es bei uns nicht, auch weil die Themen und Fragestellungen bei uns stark miteinander verknüpft sind. Im Wesentlichen beschäftigen wir uns in unserer Forschung damit, wie die Gesundheit von insbesondere jungen Menschen gefördert werden kann und welche Bedingungen hierfür auf Ebene von Individuum und Lebenswelt zu schaffen sind. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Bildungs- und Erziehungssettings wie der Schule. Neben Untersuchungen zur Kinder- und Jugendgesundheit wie der HBSC-Studie erforschen wir die Implementierung von schulischer Gesundheitsförderung und entwickeln und evaluieren neue Interventionen, unter anderem unter Einbezug innovativer Formate wie Gamification.

Wie fördern Sie an Ihrer Einrichtung die Kooperation wissenschaftlicher Disziplinen und die Netzwerkbildung?

Dadaczynski: Gesundheitsförderung ist von Grund auf darauf ausgerichtet, dass wir mit verschiedenen disziplinären Blickwinkeln auf Gesundheit und die sie beeinflussenden Faktoren schauen. Die von der WHO formulierte Idee, Gesundheit in allen Politikfeldern zu verankern („Health in All Policies“), verdeutlicht dies. Dies leben wir auch täglich an meinem Lehrstuhl mit einem bunten Team aus den Gesundheits- und Sportwissenschaften, der Psychologie oder auch den Sozialwissenschaften. Wir schreiben zudem Transdisziplinarität sehr groß, in dem wir nicht über, sondern gemeinsam mit Menschen zu den für sie wichtigen Themen forschen.

„Gesundheitsförderung ist von Grund auf darauf ausgerichtet, dass wir mit verschiedenen disziplinären Blickwinkeln auf Gesundheit schauen.“

Prof. Dr. Kevin Dadaczynski

Professor für Gesundheitserziehung im Sport an der Universität Potsdam

Ist die Politik gut beraten, wenn sie auf die Wissenschaft hört?

Dadaczynski: Forschung in den Bereichen Public Health und Gesundheitsförderung ist vor allem anwendungsorientiert und soll einen Beitrag leisten, den realen Alltag von Menschen zu verbessern. Unsere Aufgabe sehe ich darin, Ergebnisse so aufzubereiten und zu kommunizieren, dass diese in der Politik auch ankommen. Genauso ist es die Aufgabe der Politik, wissenschaftliche Erkenntnisse in politisches Handeln zu überführen, um die Bedingungen für eine gesunde Gesellschaft zu schaffen.

Eine jüngere Person unterstützt eine ältere Person mit Gehstock beim Gehen auf einem Weg vor einem Wohnhaus.
Es ist paradox: Eine bessere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe wird allseits gefordert und vielfach verunmöglicht. Die aktuelle G+G Wissenschaft geht der Frage nach, welche Interprofessionalitäts-Potenziale im deutschen Gesundheitswesen schlummern. Das Ausland zeigt zum Teil schon eindrucksvoll, wie es richtig geht.
22.04.2026Ines Körver4 Min

Zur Person

Prof. Dr. Kevin Dadaczynski studierte Gesundheitsförderung, -management, -bildung und -psychologie in Magdeburg und Flensburg. Nach Forschungstätigkeiten in Flensburg und Lüneburg war er beim Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) tätig, bevor er eine Professur für Gesundheitsinformation und Gesundheitskommunikation an der Hochschule Fulda antrat. Seit 2025 hat er die Professur Gesundheitserziehung an der Universität Potsdam inne. 

Forschungsschwerpunkte:

  • Kinder- und Jugendgesundheit
  • Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten (vor allem Schule)
  • Gesundheit und Bildung
  • Gesundheitskompetenz
  • Digitale Medien und Gesundheit
  • Partizipation, Co-Creation, User-Involvement

Jahresetat:

Keine Angabe

 Zahl und Qualifikation der Mitarbeitenden:

  • 1 Universitätsprofessor
  • 9 wissenschaftliche Mitarbeitende
  • 6 Promovierende
  • Studentische Beschäftigte
  • 1 Sekretariat

Kontaktdaten:

Universität Potsdam
Professur für Gesundheitserziehung
Institut für Bewegungswissenschaft
Karl-Liebknecht-Str. 24-25
14476 Potsdam
Telefon: 0331 977230127
E-Mail: kevin.dadaczynski(at)uni-potsdam.de

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