Artikel Versorgung

G+G Wissenschaft: Lernen von den Speed Puzzlern

22.04.2026 Ines Körver 4 Min. Lesedauer

Es ist paradox: Eine bessere Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe wird allseits gefordert und vielfach verunmöglicht. Die aktuelle G+G Wissenschaft geht der Frage nach, welche Interprofessionalitäts-Potenziale im deutschen Gesundheitswesen schlummern. Das Ausland zeigt zum Teil schon eindrucksvoll, wie es richtig geht.

Eine jüngere Person unterstützt eine ältere Person mit Gehstock beim Gehen auf einem Weg vor einem Wohnhaus.
Damit Versorgung im Alltag funktioniert, müssen verschiedene Gesundheitsberufe eng zusammenarbeiten.

Nudging und Gamifizierung machen heutzutage aus den meditativsten Tätigkeiten Herausforderungen. So ist es auch mit dem Puzzeln. Seit 2019 kommen Enthusiasten aus verschiedenen Ländern jährlich für mehrere Tage im nordspanischen Valladolid zusammen, um sich im Speed Puzzling zu messen. Standarddisziplinen sind das Zusammensetzen von 500, 1.000 und 1.500 Teilen zu jeweils einem Bild. Die Teilnehmer sitzen dabei in einem großen Raum an Tischen und versuchen, so schnell wie möglich das ihnen bisher unbekannte und für alle gleiche Motiv zu einem Rechteckformat zusammenzubauen. Es gibt in Valladolid Einzel-, Paar- und Team-Wettbewerbe, wobei die Teams gewöhnlich aus vier Teilnehmern bestehen. Ihnen zuzuschauen ist lehrreich.

Planen und Rollen einüben

Wie gehen diese vier Menschen vor? Im Vorfeld, indem sie sich das Ziel klar machen und intensiv, oft monatelang Wege trainieren, dieses effizient zu erreichen. Als übliches Verfahren hat sich herauskristallisiert: Die Teile werden als Erstes mit der Bildseite nach oben sortiert – gewöhnlich gleich auf dem Tisch, nicht in der Schachtel. Oft wird danach zunächst der Rand gelegt, sodass bei einem 1.000-Teile-Puzzle rund 126 Teile den Rahmen bilden. Als nächstes werden markante Einzelheiten des Motivs gebaut und zuletzt die schwierigsten, meist monochromen Partien. Wichtig bei alldem ist, dass alle Teilnehmer grundsätzlich Zugriff auf alle Teile haben und gleichzeitig jeder weiß, was seine Rolle ist. So gibt es meist zwei Sortierer und zwei Zusammenleger. Manchmal übernimmt auch einer der Puzzler Koordinationsaufgaben. Auffällig ist, dass während der Tätigkeit ständig kommuniziert wird. So verständigen sich die Mitstreiter intensiv darüber, was sie als nächstes brauchen oder angehen wollen. Das Ergebnis: Viele Teams schaffen 1.000-Teile-Puzzles in unter einer Stunde.

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Effizienzreserve Kooperation

Arbeitet das deutsche Gesundheitswesen ähnlich effizient? Das wird zunehmend bezweifelt. Im Zusammenhang mit den allein schon aus Finanzierungsgründen nötigen Reformen mehren sich die Stimmen, die sagen: „Nein, es gibt massive Effizienzreserven, die auch mit der zum Teil schlechten Koordination der Berufe zu tun hat.“ Vergleicht man die Akteure des deutschen Gesundheitswesens mit den Puzzlern, so hat man eher den Eindruck, als ob jeder nur seine eigenen Puzzleteile kennt und in die Hand nimmt, aber über die der anderen gerne unterschiedlich qualifizierte Kommentare abgibt. Mit gewissem Recht kann man auch bestreiten, dass die Akteure überhaupt an einem gemeinsamen Tisch sitzen und dass dieser eine glatte, puzzlefreundliche Oberfläche hat. Gelegentlich hat man sogar den Eindruck, es ist wichtiger, Herr oder Frau über eine gewisse Zahl an Puzzle-Teilen zu sein, und weniger, ein kohärentes Bild zu erstellen.

Blick in drei Versorgungsbereiche

Gesundheitswissenschaftler rufen immer wieder zu mehr Interprofessionalität auf. Politiker sind grundsätzlich ebenfalls dafür aufgeschlossen. Faktisch ist die Interprofessionalität aber immer noch etwas, das man vornehmlich zeitlich befristet in Innovationsprojekten ausprobiert und danach nicht in die Regelversorgung übernimmt. Doch wie groß sind die Potenziale einer besseren Zusammenarbeit überhaupt? Beziehungsweise: Was muss getan werden, um diese heben zu können? Das wollte die G+G Wissenschaft von Fachleuten wissen, die über bestimmte Bereiche des Gesundheitswesens besonders intensiv geforscht haben. 

Konsequenterweise haben sich alle von uns Angesprochenen dafür entschieden, das Thema im Team anzugehen, weil sie wussten, dass sie die vielfältigen Aspekte besser gemeinsam bearbeiten können als allein. In der Ausgabe 2/26 finden Sie daher einen Beitrag von Katrin Balzer, Nina Fleischmann, Britta Tetzlaff und Christiane A. Müller zum Potenzial von Interprofessionalität für die Pflege, insbesondere für die ambulante Pflege. Mike Traub, Lorena Dini und Sydney Odonkor nehmen die ambulante Versorgung unter die Lupe und werfen dabei auch einen Blick auf mehrere Länder, in denen Interprofessionalität im Gesundheitswesen bereits erfolgreich praktiziert wird. Zuletzt schildern Karsten Fehn und Frank Sarangi aus juristischer Perspektive, wie interprofessionelle Zusammenarbeit im Rettungswesen funktioniert und was noch verbessert werden kann. 

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