Wie kommt die ePA im Alltag an?
Für rund 73 Millionen Menschen haben die Krankenkassen die elektronische Patientenakte (ePA) angelegt. Etwa fünf Millionen Versicherte haben eine GesundheitsID, um ihre Daten aktiv zu verwalten. Wie ließe sich diese Zahl steigern? G+G hat vier Expertinnen und Experten gefragt.
ePA muss konkrete Mehrwerte bieten
Dr. Martin Krasney, Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbandes:
„Damit die ePA von den Versicherten aktiv genutzt wird, muss sie verstärkt konkrete Mehrwerte für sie bieten. Dazu gehören individuelle, datenbasierte Beratungsangebote und Unterstützungsleistungen etwa im Bereich Prävention, in Form von Erinnerungssystemen zum Beispiel für Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen oder Terminorganisation. Die ePA muss hierfür zur zentralen Plattform für eine vernetzte, patientenorientierte Versorgung weiterentwickelt werden. Sie sollte zu einem persönlichen Gesundheitsdatenraum werden, mit dessen Hilfe die Versicherten viel stärker als bisher von ihrer Krankenkasse bei der Versorgung begleitet werden können. Nicht zuletzt soll die ePA das zentrale Element des geplanten Primärversorgungssystems werden. Über sie sollen zukünftig Ersteinschätzung, Terminvermittlung und Facharztüberweisung laufen. Damit spielt die ePA dann zusätzlich eine ganz entscheidende Rolle im Versorgungsalltag der Versicherten."
Nutzen der ePA muss besser sichtbar werden
Dr. Florian Fuhrmann, Vorsitzender Geschäftsführung gematik GmbH:
„Damit die ePA bei den Versicherten noch stärker ankommt, muss ihr persönlicher Nutzen im Alltag deutlicher erlebbar werden. Sie kann Menschen aktiv dabei unterstützen, den Überblick über Medikamente, Befunde und Therapien zu erhalten. Die ePA-Apps der Krankenkassen bieten dazu bereits hilfreiche Funktionen. Gleichzeitig müssen diese Vorteile der ePA noch besser erklärt werden. Dabei spielen die Krankenkassen eine wichtige Rolle, indem sie ihre Versicherten verständlich und praxisnah über die Möglichkeiten und den Nutzen der ePA informieren. Denn schon heute profitieren Menschen von der ePA, wenn behandelnde Praxen, Krankenhäuser und Apotheken dank der ePA auf wichtige Informationen zugreifen können. Wenn dieser Nutzen noch besser sichtbar wird, die Anwendung einfach umgesetzt ist und die Versicherten gut informiert sind, kann sich die ePA als selbstverständliche Begleiterin im Versorgungsalltag etablieren."
Registrierung darf nicht zur Hürde werden
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands:
„Die ePA muss mehr sein als ein digitaler Aktenordner. Patientinnen und Patienten werden die ePA dann nutzen, wenn sie im Alltag konkrete Vorteile bringt: Wenn sich durch sie die Suche nach dem gelben Impfpass erübrigt, die Vereinbarung eines Arzttermins erleichtert wird oder Befunde und Aufnahmen direkt in der App angezeigt werden. Die Registrierung darf nicht zur Hürde werden. Die Krankenkassen müssen technisch fehlerfreie Prozesse sicherstellen und Menschen unterstützen, die wenig Erfahrung mit digitalen Anwendungen haben. Zudem braucht es Möglichkeiten, die ePA auch ohne das passende Endgerät zu nutzen. Sorgen zu Datenschutz und -sicherheit müssen ernstgenommen werden. Es braucht eine ehrliche Kommunikation über Chancen und Risiken, denn es geht schließlich um sensible Gesundheitsdaten. Darum ist es auch wichtig, dass Versicherte selbst entscheiden können, wer auf ihre Daten zugreifen darf. Nur so kann das Vertrauen entstehen, das für eine breite Nutzung entscheidend ist."
Es fehlt an Aufklärung
Dr. Markus Blumenthal-Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes:
„Solange die ePA ein digitaler Aktenordner voll unsortierter Dokumente ist, wird kaum ein Versicherter den beschwerlichen Zugangsweg auf sich nehmen. Die ePA braucht dringend mehr Funktionalitäten mit unmittelbarem Mehrwert. Ein integrierter digitaler Impfpass wäre ein guter Start: Er hilft Praxen wie Patientinnen und Patienten und könnte auch die Impfquote vorantreiben. Angekündigt wird er seit Jahren, umgesetzt ist er bis heute nicht. Gleichzeitig kennen die Versicherten selbst den spärlichen Nutzen der aktuellen ePA nicht. Zum einen können sie aufgrund des überkomplexen Registrierungsprozesses kaum darauf zugreifen. Zudem fehlt es an Aufklärung. Ein, zwei allgemeine Info-Schreiben zum ePA-Start erfüllen definitiv nicht den Aufklärungsanspruch, den der Gesetzgeber den Krankenkassen übertragen hatte. Das Ergebnis erleben wir in unseren Praxen tagtäglich: Zwar haben die meisten Versicherten schon von der ePA gehört. Fragt man jedoch nach Funktionen, Nutzen, Zugriff, blicken wir in viele fragende Gesichter."
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