Daten und Analysen Versorgung

Deutschland muss bei E-Health teils noch nachbessern

03.09.2026 Irja Most 5 Min. Lesedauer

Beim Zugang zu den elektronischen Gesundheitsakten für alle Menschen in der Europäischen Union gibt es weiter Fortschritte, zeigt eine neue Studie. Doch nicht alle Länder sind auf Augenhöhe. Bei der elektronischen Patientenakte in Deutschland hakt es ebenfalls noch.

Ein Mann der am Handy sitzt mit einem hochgelegten Fuß, der bandagiert ist.
Die EU sieht bei Deutschlands E-Health-Reife Nachbesserungsbedarf.

Bis zum Jahr 2030 sollen alle Bürgerinnen und -Bürger der Europäischen Union (EU) Zugang zu ihren elektronischen Gesundheitsakten (EHR) haben. Dieses zentrale E-Health-Ziel verfolgt das Politikprogramm „Digitale Dekade“ der EU-Kommission. Jährlich lässt die EU-Kommission den Fortschritt in den 27 EU-Mitgliedstaaten (EU-27) sowie in den Mitgliedern des europäischen Wirtschaftsraums Norwegen und Island per Studie überprüfen. 

Die neuesten Ergebnisse für 2025 zeigen: Es geht voran. Die durchschnittliche E-Health-Reife der EU-27 stieg 2025 auf 87 Prozent und konnte sich damit um vier Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Insgesamt konnten 18 Mitgliedstaaten ihren Reifegrad erhöhen.

Belgien und Estland behaupteten mit 100 Prozent weiterhin ihre Position an der Spitze. Sie gehören zur Kategorie „Trendsetters“ (95 bis 100 Prozent). Deutschland konnte sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt leicht verbessern auf 88 Prozent. Es gehört damit zur zweitbesten Kategorie „Fast Trackers“ (85 bis 94 Prozent). Daneben gibt es die Kategorien „Followers“ (75 bis 84 Prozent) und „Beginners“ (0 bis 74 Prozent).

23 Mitgliedstaaten haben zentralen Zugang über nationalen Dienst

Um den Reifegrad für den Zugang zu ermitteln, werden vier Themenbereiche betrachtet. Die Angaben beruhen auf Auskünfte der zuständigen Behörden. Eine Ebene untersucht die Umsetzung elektronischer Zugangsdienste. Alle Länder verfügen inzwischen über einen Online-Zugang zu elektronischen Gesundheitsakten. In 23 Mitgliedstaaten erfolgt dieser zentral über einen nationalen Dienst. Irland, Italien, Spanien und Schweden setzen auf regionale Lösungen. Irland führte 2025 eine nationale Patienten-App ein. 

Die Niederlande kombinieren hingegen den nationalen Rahmen „MedMij“ - das sind die offiziellen Spielregeln für den sicheren Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Patienten und medizinischen Dienstleistern - mit Angeboten privater Gesundheitsdienstleister. Diese dezentrale Organisation führt zu einem vergleichsweisen niedrigen Reifegrad von 69 Prozent in der Gesamtwertung. Die Niederlande liegen damit 19 Prozentpunkte hinter dem deutschen Nachbarn.

Deutschland hinkt bei Gesundheitsdaten hinterher

Eine weitere Ebene bewertet, welche Arten von Gesundheitsdaten den Menschen zur Verfügung stehen. Am häufigsten verfügbar sind Daten zur Identifikation, persönliche Informationen, Medikationsdaten, E-Rezepte sowie Laborbefunde und Krankenhausentlassungsberichte. Weniger weit entwickelt sind etwa Informationen zu Allergien, aktuellen Beschwerden, Operationen sowie insbesondere zu medizinischen Bildern und Daten zu Implantaten oder Medizinprodukten. Die Daten sind entweder nicht zeitnah verfügbar oder werden gar nicht bereitgestellt.

Griechenland und Frankreich erzielten hier die größten Fortschritte. Deutschland schnitt dagegen unterdurchschnittlich ab mit 69 Prozent. Der EU-Schnitt liegt bei 81 Prozent in dem Teilbereich. Schwachpunkt ist danach der niedrige Score von 50 Prozent aufgrund der zeitverzögerten Verfügbarkeit von elektronischen Untersuchungsberichten und Ergebnissen.

Der Zugang für bestimmte Personengruppen durch gesetzliche Bestimmungen sowie technische Funktionen spielt bei der Bewertung ebenso eine Rolle. In 22 Mitgliedstaaten sind sowohl die rechtlichen als auch die technischen Voraussetzungen geschaffen, damit Erziehungsberechtigte auf die Gesundheitsdaten ihrer minderjährigen Kinder zugreifen können. Dagegen ermöglichen bislang nur 18 Mitgliedstaaten einen rechtssicheren technischen Zugriff für Bevollmächtigte.

Weitere Fortschritte mit Europäischem Gesundheitsdatenraum

Im Fazit sieht die Studie zum aktuellen E-Health-Stand Europa beim Ausbau digitaler Gesundheitsdienste auf einem guten Weg. Defizite bestünden aber weiter bei der Verfügbarkeit bestimmter Datentypen, der Anbindung privater Einrichtungen und Pflegeheimen. Mit der Verordnung über den Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS), deren Bestimmungen ab März 2027 schrittweise gelten, sollen diese Lücken geschlossen und der Zugang zu den ePAs europaweit weiter voranschreiten. 

Speziell für Deutschland empfiehlt die Studie, bei der Anbindung privater Anbieter außerhalb des gesetzlichen Krankenversicherungssystems aufzuholen. Außerdem sei sicherzustellen, dass alle Datentypen zeitnah zur Verfügung gestellt werden.

Einsatz der ePA zeigt erste Effekte

Einen konkreten Blick auf den Stand in Deutschland zur ePA wirft der neue TI-Atlas 2026 der gematik. Laut der Online-Befragung der Nationalen Agentur für digitale Medizin nutzen knapp 70 Prozent der Arztpraxen nach eigenen Angaben die ePA inzwischen intensiv. Auch etwa 50 Prozent der Krankenhäuser arbeiten demnach mit ihr – drei Viertel davon bereits krankenhausweit. Aufgrund der Komplexität beschränke sich die Nutzung in den Krankenhäusern aktuell teilweise noch auf einzelne Anwendungsfälle und Funktionen.

Etwa zwei Drittel der medizinischen Einrichtungen und Apotheken berichteten, dass Patienteninformationen durch die ePA schneller verfügbar seien. Zudem zeigten sich positive Effekte in der Versorgung. So gaben 94 Prozent der Apotheken, die die elektronische Medikationsliste (eML) in der ePA regelmäßig prüfen, an, mindestens einmal Risiken für ihre Patientinnen und Patienten identifiziert zu haben. Arzt- und Zahnarztpraxen sehen demnach bessere Behandlungsmöglichkeiten und Krankenhäuser erste positive Auswirkungen bei Notfällen.

Viele begrüßen digitalen Medikationsplan

Die Einführung des elektronischen Medikationsplans (eMP) bewertet ein Drittel der mehr als 5.000 befragten Einrichtungen derzeit als größten Nutzen für die Versorgung. Als Herausforderung sehen zwei Drittel der Arztpraxen etwa fehlende Medikationspläne. Ebenso stört danach der hohe Aufwand bei Aktualisierungen und Übernahmen von Fremdplänen. Ähnliche Schwierigkeiten nennen auch Apotheken und Pflegeheime. Verbesserungen erwarten zwei Drittel der befragten Einrichtungen durch die Einführung des eMP, die bis Herbst abgeschlossen sein soll.

Mitwirkende des Beitrags

Irja Most

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