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So wird eine Mittelohrentzündung behandelt

Nicht jedes Kind mit einer akuten Mittelohrentzündung braucht Antibiotika. Trotzdem sollten Sie schon bei den ersten Beschwerden Ihren Kinderarzt oder einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Er berät Sie, welche Form der Behandlung nötig ist.

Grundsätzliches zur Behandlung

Deutsche und internationale Leitlinien schlagen bei akuter Mittelohrentzündung folgendes Vorgehen vor:

Im ersten Schritt wird übereinstimmend empfohlen, jedem Kind mit Ohrenschmerzen zur Schmerzlinderung umgehend ein Schmerzmedikament zu verordnen. Ohrenschmerzen belasten Kinder mit akuter Mittelohrentzündung besonders stark. Jedes Kind mit Schmerzen soll unabhängig davon, ob zugleich eine Antibiotikatherapie begonnen wird oder nicht, umgehend ein schmerzlinderndes Medikament verordnet bekommen [1,2,10,11].

Für Kinder sind Schmerzmedikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol geeignet. Sie können in Form von Saft, Tablette/Dragee oder als Zäpfchen gegeben werden. Diese Arzneimittel können Ohrenschmerzen bei akuter Mittelohrentzündung schnell und wirksam lindern. Die Schmerzbehandlung sollte so lange fortgeführt werden, wie es mit dem Arzt abgesprochen wurde [2,10].

Im zweiten Schritt geht es um die Entscheidung, ob zugleich ein Antibiotikum verordnet werden sollte oder ob ein abwartendes Vorgehen möglich ist. Hierzu geben die Leitlinien nachfolgende Anhaltspunkte:

Eine zunächst abwartende Behandlung kann allgemein erwogen werden bei:

  • Kindern im Alter ab 2 Jahren mit leichten Beschwerden und geringem Fieber (unter 39 °C).

Die Möglichkeit einer zunächst abwartenden Behandlung wird auch eingeräumt für:

  • Kleinkinder im Alter zwischen 6 Monaten und 2 Jahren mit leichter einseitiger Erkrankung. In diesen Fällen kann individuell überlegt werden, das Kind für kurze Zeit engmaschig zu kontrollieren, bevor eine Antibiotikatherapie eingeleitet wird [1]. Zur genauen Vorgehensweise äußern sich nationale und internationale Leitlinien nicht einheitlich [1, 2, 4].

Eine sofortige Behandlung mit Antibiotika wird allgemein empfohlen bei:

  • Säuglingen im Alter unter 6 Monaten
  • Kindern im Alter unter 2 Jahren mit beidseitiger akuter Mittelohrentzündung
  • Kindern mit akuter Mittelohrentzündung und Ohrausfluss
  • Kindern mit ausgeprägtem Krankheitsbild: z. B. bei hohem Fieber (39 °C und höher), anhaltendem Erbrechen und/oder Durchfall, schlechtem Allgemeinbefinden
  • Kindern mit bestimmten Vorerkrankungen oder Risikokonstellationen

Weitere Behandlungsformen

Häufig bekommen Kinder mit akuter Mittelohrentzündung auch abschwellende Nasentropfen. Hat das Kind zugleich einen Schnupfen, lindern diese Mittel eine laufende Nase und helfen dem Kind, besser durch die Nase zu atmen [1]. Eine weitere Überlegung geht dahin, dass Nasentropfen auch dazu beitragen können, die geschwollene Ohrtrompete zu entlasten, sodass der Druck im Mittelohr abnehmen kann. Dies kann theoretisch den Heilungsprozess fördern. Bisher gibt es jedoch keine Studien, die belegen, dass Nasentropfen mit abschwellendem Wirkstoff die Ohrenschmerzen oder den Verlauf einer akuten Mittelohrentzündung verbessern [13]. Daher werden abschwellende Nasentropfen derzeit in nationalen oder internationalen Leitlinien nicht explizit zur Therapie bei akuter Mittelohrentzündung empfohlen [2, 4, 14].

Es gibt weitere Behandlungsformen, die zur Symptomlinderung bei akuter Mittelohrentzündung eingesetzt werden können. Hierzu zählen Ohrentropfen [12] mit einem schmerzbetäubenden oder einem pflanzlichen Wirkstoff, homöopathische Medikamente oder Hausmittel, wie beispielsweise warme Kompressen, Zwiebelsäckchen oder Dampfinhalationen [13].

Individuelle Erfahrungen zeigen, dass solche Mittel zur Linderung von Beschwerden bei akuter Mittelohrentzündung beitragen können. Allerdings ist die Datenlage zur Bewertung dieser Verfahren sehr begrenzt, sodass ihr Einsatz nicht in den Leitlinien empfohlen wird [2, 4,12,14, 15].

Leitlinien für die Therapie

Die Leitlinien zur akuten Mittelohrentzündung geben wissenschaftlich fundierte Hinweise, in welchen Fällen eine Antibiotika¬behandlung sofort eingeleitet werden sollte und wann die Möglichkeit besteht, zunächst abzuwarten und lediglich Beschwerden wie Schmerzen und Fieber zu lindern.  

Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, wird der Arzt individuell für jedes Kind entscheiden und mit den Eltern besprechen.

Deutsche und internationale Expertenteams haben Ärzte-Leitlinien zur Diagnose und Behandlung akuter Mittelohrentzündungen bei Kindern erstellt [1-6]. Leitlinien werden auf Grundlage der Erkenntnisse kontrollierter klinischer Studien erarbeitet. Sie unterstützen den behandelnden Arzt bei seinen Therapieentscheidungen.

Hintergrund für die beiden möglichen Behandlungswege ist die Erkenntnis, dass unkomplizierte, also leichtere akute Mittelohrentzündungen meist ohne Gabe eines Antibiotikums innerhalb von wenigen Tagen spontan abheilen [7, 8]. Daher besteht keine Notwendigkeit, jedem erkrankten Kind sofort ein Antibiotikum zu verordnen [1, 2, 4, 9-11]. Es wird empfohlen, nur bei den Kindern eine Antibiotikatherapie einzuleiten, die nachweislich davon profitieren [9]. Hierfür sind vor allem die Ausprägung des Krankheitsbildes und das Alter des erkrankten Kindes von Bedeutung [1, 2, 10, 11].

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Autor und Quellen

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Aktualisiert am: 13.07.2016

  • 1. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, DEGAM Leitlinie Nr. 7, Ohrenschmerzen. Aktualisierte Fassung 2014, Sk2-Leitlinie, AWMF-Registernr. 053/009, November 2014. In: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-009l_S2k_Ohrenschmerzen_2014-12-verlaengert.pdf [Zugriff 07.01.2015]
  • 2. Lieberthal AS, Carroll AE, Chonmaitree T et al. The diagnosis and management of acute otitis media. Pediatrics 2013; 13: e964; originally published online February 25, 2013. DOI: 10.1542/peds.2012-3488. In: https://pediatrics.aappublications.org/content/133/2/346.4 [Zugriff 18.09.2013]
  • 3. Lee H-J, Park SK,Choi KY, Park SE, Chun YM, Kim KS, Park SN, Cho YS,Kim Yj, Kim HJ. Korean Clinical Practice Guidelines for Otitis Media in Children. J Korean Med Sci 2012; 27: 835-848. http://dx.doi.org/10.3346/jkms.2012.27.8.835
  • 4. Marchisio P, Bellussi L, Di Mauro G, Doria M, Felisati G, Longhi R, Novelli A, Speciale A, Mansi N, Principi N: Acute otitis media: From diagnosis to prevention. Summary of the Italian Guideline. Int J Ped Otorhinolaryng 2010: 74: 1209–1216.
  • 5. NHG Clinical Practice Guidelines, M09 Acute Otitis Media (AOM), M29 Feverish Illnes in Children. In: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=3&ved=0CEAQFjAC&url=http%3A%2F%2Fassortiment.bsl.nl%2Ffiles%2Fe27c6c2f-8fa3-4f91-9c60-39597b8ecf7d%2Fvoorbeeldhoofdstuk.pdf&ei=Qn5eUoWBHMXWtAbj7ICoAw&usg=AFQjCNGf-I9fuI5V8OGKeLnIPulj8U7RcA&bvm=bv.54176721,d.Yms [Zugriff 16.10.2013]
  • 6. Alberta Clinical Practice Guideline Group: Guideline for the Diagnosis and Management of Acute Otitis Media, 2008 Update. In: http://www.topalbertadoctors.org/download/366/AOM_guideline.pdf
  • 7. Rosenfeld RM, Kay D. Natural history of untreated otitis media. Laryngoscope 2003; 113: 1645-1657.
  • 8. Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 6. Art. No.: CD000219. DOI: 10.1002/14651858.CD000219.pub4.
  • 9. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e. V. (DGPI), DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. vollständig überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York 2013, S. 612 ff. (Fachbuch)
  • 10. Thomas JP, Berner R, Zahnert T, Dazert S, Acute otitis media: a structured approach. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(9). 151-160. DOI: 10.3238/artzebl.2014.0151
  • 11. Minovi A, Dazert S, Erkrankungen des Mittelohres im Kindesalter. Laryngo-Rhino-Otol 2014; 93 (S01): S1-S23. DOI: 10.1055/s-0033-1363213. In: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0033-1363213.pdf [Zugriff 29.10.2014]
  • 12. Foxlee R, Johansson AC, Wejfalk J, Dooley L, Del Mar CB. Topical analgesia for acute otitis media. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 3. Art. No.: CD005657. DOI: 10.1002/14651858.CD005657.pub2, update published in Issue 8, 2011
  • 13. Levi JR, Brody RM, McKee-Cole K, Pribitkin E, O’Reilly R: Complementary and alternative medicine for pediatric otitis media. Int J Ped Otorhinolaryngol 2013; 77: 926–931.
  • 14. Thomas NM, Brook I. Otitis media: an update on current pharmacotherapy and future perspectives. Expert Opin Pharmacother 2014; 15(8):1069-1083.

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