Im Arztgespräch: So gestalten Patientinnen und Patienten aktiv mit

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Das Arztgespräch verstehen und aktiv gestalten
Ein Arztgespräch findet oft in einer Ausnahmesituation statt. Als Patientin oder Patient fühlen Sie sich vielleicht körperlich oder seelisch belastet, verunsichert oder angespannt. In solchen Momenten wünschen Sie sich Orientierung, klare Antworten und Sicherheit.
Oft nehmen Patientinnen und Patienten im Arztgespräch unbewusst eine eher passive Rolle ein. Bleiben Fragen offen, Fachbegriffe unverständlich oder persönliche Anliegen unerwähnt, kann man sich schnell ausgeliefert fühlen.
Das muss jedoch nicht sein, denn auch Sie als Patientin oder Patient bringen wichtige Ressourcen mit: Ihre Erfahrungen, Ihr Wissen über Ihren Körper und Ihre Lebenssituation. Nutzen Sie diese, um das Gespräch bewusst zu gestalten.
Warum Arztgespräche anders sind als Alltagsgespräche

Anders als ein Alltagsgespräch, in dem Sie mit Menschen auf Augenhöhe über vertraute Themen sprechen, ist ein Arztgespräch von besonderen Faktoren geprägt. Es gibt eine klare Rollenverteilung und ein Wissensgefälle. Zudem werden medizinische Fachbegriffe verwendet. Die Zeit ist meist begrenzt und Sie sind vielleicht emotional angespannt.
Ärztinnen und Ärzte sprechen vor allem über die Krankheit – also über Befunde, Diagnosen, Messwerte und Therapieoptionen. Für Sie selbst stehen hingegen das Kranksein und Ihr persönliches Erleben im Mittelpunkt.
Diese unterschiedlichen Perspektiven sind wichtig, können aber zu Missverständnissen führen. Wenn Sie sich dessen bewusst sind, können Sie Ihre Sorgen, Fragen und Prioritäten ins Gespräch einbringen. Sagen Sie klar: „Diese Information verunsichert mich. Ich frage mich, was das für mich im Alltag bedeutet.“ So helfen Sie sich selbst und ermöglichen es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, Sie besser zu verstehen und optimal zu begleiten.

Das Ziel: Eine gemeinsame Entscheidung treffen
Wie Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten miteinander sprechen, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Früher galten die Behandelnden als alleinige Expertinnen und Experten. Sie trafen Entscheidungen und die Patientinnen und Patienten folgten diesen.
Heute basiert ein Arztgespräch idealerweise auf einem partnerschaftlichen Modell. Die Ärztin oder der Arzt bringt medizinisches Fachwissen ein, die Patientin oder der Patient eigene Erfahrungen, Werte und Lebensumstände.
Ziel ist es, eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, nachdem medizinische und persönliche Informationen ausgetauscht wurden – das nennt man partizipative Entscheidungsfindung. Sie berücksichtigt:
- Ihre Wünsche, Erwartungen und Ziele
- Ihre Sorgen und Ängste
- die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsoptionen
- wissenschaftlich belegte Wirksamkeit und Risiken
Beispiel: Bandscheibenvorfall

Sie haben einen Bandscheibenvorfall im unteren Rücken und anhaltende Beschwerden. Nun stellt sich Ihnen die Frage, ob eine konservative Behandlung ohne Operation oder eine Operation zur Entfernung des vorgefallenen Bandscheibengewebes infrage kommt.
Oft haben Sie ausreichend Zeit, die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. Zu den medizinischen Aspekten gehören beispielsweise Informationen darüber, wie die verschiedenen Behandlungen ablaufen und welche Vor- und Nachteile sie haben. Eine konservative Behandlung kann beispielsweise Maßnahmen wie Bewegung, die Einnahme von Schmerzmitteln oder Physiotherapie umfassen. Viele Menschen bekommen damit ihre Beschwerden gut in den Griff. Gleichzeitig können damit mögliche Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein. Bei einer Operation können wiederum Komplikationen auftreten, oder sie bringen gar keine Verbesserung der Beschwerden.

Daneben spielen auch persönliche Überlegungen eine Rolle, zum Beispiel: Wie stark schränken die Schmerzen Ihren Alltag ein? Können Sie die Maßnahmen in Ihren Alltag integrieren? Oder: Welche Erwartungen oder Bedenken haben Sie?
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt offen darüber, was Ihnen wichtig ist, welche Fragen Sie haben und was Sie beschäftigt. Das Gespräch hilft Ihnen, eine Entscheidung zu treffen, die optimal zu Ihrer Situation passt.
„Die Arzt-Patient-Beziehung ist ein wichtiger Faktor für qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Diese Beziehung basiert auf einer soliden Grundlage von Vertrauen, Empathie und Respekt für die Rechte und Würde des Patienten.“
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Einbringen und Fragen stellen

Viele Patientinnen und Patienten scheuen sich, im Arztgespräch Fragen zu stellen. Vielleicht möchten sie das Gespräch nicht unterbrechen oder haben Sorge, schwierig zu wirken. Dabei sind Fragen wichtig: Denn sie zeigen, dass Sie sich mit Ihrer Gesundheit auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen und sich beteiligen möchten.
Ein gutes Arztgespräch entsteht im Miteinander, das Sie aktiv mitgestalten. Wenn Sie Ihre Perspektive teilen und Fragen stellen, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gezielter auf Sie eingehen und Ihnen hilfreiche Informationen vermitteln. Als Patientin oder Patient haben Sie ein Recht darauf, Ihre Erkrankung, mögliche Untersuchungen sowie Behandlungsoptionen zu verstehen. Nur so können Sie gute Entscheidungen treffen.
Auch für Ärztinnen und Ärzte sind Fragen hilfreich. Sie zeigen, welche Informationen bereits angekommen sind und was noch erklärt werden muss. Das erleichtert es, Prioritäten zu setzen und die Gesprächszeit gezielt zu nutzen.
Sie können Ihre Fragen schriftlich vorbereiten. Gleichzeitig dürfen auch während des Gesprächs neue Fragen entstehen.
„Das kam viel zu selten vor: konkrete Rückfragen und Nachfragen zur Verständlichkeit. Also: Was bedeutet das, was Sie mir vorschlagen, lieber Arzt? Erstens: Was habe ich davon? Zweitens: Ist mir klar, was ich wirklich tun muss, damit ich etwas davon habe? Das hat mir als Arzt wirklich geholfen.“
Arzt, Teilnehmer der Bedarfsstudie
Das Arztgespräch positiv und selbstbestimmt gestalten: So geht‘s
- Bereiten Sie sich gut vor.
- Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten im Arztgespräch.
- Machen Sie sich Ihre eigenen Stärken und Ressourcen bewusst.
- Lernen Sie von den Erfahrungen anderer.
Die nächsten Schritte
Vor dem Gespräch: Vorbereitung ist alles
Informieren und Fragen notieren: Eine gute Vorbereitung hilft Ihnen, die richtigen Antworten zu bekommen und auch nach dem Termin den Überblick zu behalten.
Nach dem Gespräch: So geht es weiter
Notieren Sie alle wichtigen Informationen und planen Sie die nächsten Schritte. So behalten Sie den Überblick und setzen das Besprochene in Ihrem Alltag besser um.
Video-Tutorials: Arztgespräche besser führen
Die Videos zeigen, wie Sie die richtigen Fragen stellen, mit Zeitdruck umgehen und Ihre Anliegen klar einbringen. Praxisnah, verständlich und direkt umsetzbar für mehr Sicherheit im Termin.
Der Patienten-Trainer basiert auf echten Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen
Die Grundlage des Patienten-Trainers bildet eine Studie des Instituts für Kommunikations- und Prüfungsforschung gGmbH (IKPF) in Heidelberg, die im Auftrag der AOK durchgeführt wurde. Entwickelt wurde er in enger Zusammenarbeit mit Medizinerinnen und Medizinern.
Bieber C, Härter M 2018. Wollen wir das gemeinsam entscheiden? Partizipative Entscheidungsfindung. In Jünger J (Hg.) Ärztliche Kommunikation: Praxisbuch zum Masterplan Medizinstudium 2020. Stuttgart: Schattauer, 91-104.
Castro EM, Van Regenmortel T, Vanhaecht K, Sermeus W, Van Hecke A 2016. Patient empowerment, patient participation and patient-centeredness in hospital care: A concept analysis based on a literature review, Patient Education and Counseling 99(12): 1923-1939.
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