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HPV-Impfung für Jungen in M-V über Gesundheitskarte

Die neue Vereinbarung sorgt jetzt vor einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses dafür, dass die Jungen und Mädchen, die über die AOK Nordost versichert sind, gleichermaßen unbürokratisch von einer HPV-Impfung profitieren können.

Gemeinsame Presseinformation

Kassenärztliche Vereinigung M-V

AOK Nordost - Die Gesundheitskasse

Schnelle Einigung zwischen KVMV und AOK Nordost

 Schwerin, 17. Juli 2018. Eine schnelle Einigung zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung M-V (KVMV) und der AOK Nordost macht es möglich: Ab 1. Juli reicht es, dass Eltern, die sich für eine HPV-Impfung ihrer AOK-versicherten Kinder entscheiden, in der Arztpraxis die AOK-Gesundheitskarte vorlegen. Bisher galt diese Regelung nur für Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren mit der Möglichkeit des Nachholens bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Für den Übergangszeitraum seit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Institutes (STIKO) mussten die Eltern bislang bei einer Impfung für Jungen derselben Altersgruppe dazu in Vorleistung gehen. Die neue Vereinbarung sorgt jetzt vor einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses dafür, dass die Jungen und Mädchen, die über die AOK Nordost versichert sind, gleichermaßen unbürokratisch von einer HPV-Impfung profitieren können.

Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung bei der AOK Nordost: „Mit der schnellen Einigung ist es uns als erste Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern gelungen, dass AOK-versicherte Mädchen und Jungen schon heute von dieser Impfung profitieren können und die Ärzte diese wichtige Vorsorgeleistung unbürokratisch über die Gesundheitskarte abrechnen können. Dies ist ein wichtiger Schritt bei unserem Ziel, den Gemeinschaftsschutz zu stärken und die Infektionskette bei HPV-Erkrankungen zu durchbrechen.“

Auch Axel Rambow, Vorstandsvorsitzender der KVMV unterstreicht die Bedeutung der Vereinbarung: „Wir freuen uns, dass die AOK Nordost die Prävention im Bereich HPV nunmehr auch für Jungen als Leistung der Krankenkasse unbürokratisch anbietet. Damit können Ärzte in M-V den Eltern diese Impfung für ihre Kindern zeitnah empfehlen und durchführen, um eine entsprechende präventive Wirkung in der Zukunft zu erzielen.“

Ab sofort sorgt diese gemeinsame vertragliche Regelung für einen schnellen und reibungslosen Impfablauf in M-V. Die anfallenden Kosten der neuen Impfung für Jungen werden beim Kinder- oder Hausarzt über die AOK-Gesundheitskarte – ohne Verauslagung der Impfstoffkosten – abgerechnet.

Was ist HPV?

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind eine Gruppe von DNA-Viren, von denen mittlerweile mehr als 150 verschiedene Typen bekannt sind. Einige können bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Aber auch Vulva-, Vaginal-, Penis- und Anal-Karzinome sowie Tumore im Mund-Rachen-Bereich können Folge einer HPV-Infektion sein. Mit Ausnahme spezieller Erkrankungen der Frauen können insoweit Männer ebenso von HPV-Infektionen und deren Folgen betroffen sein. HPV-Impfungen können vor einer Infektion mit speziellen Papillomviren schützen. Die Infektion erfolgt vor allem über den Sexualkontakt. Der wirksamste Schutz ist eine Impfung, die bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt. Ein weiteres Ziel der präventiven Impfmaßnahme ist die Unterbrechung der Infektionskette durch eine spürbare Erhöhung der Impfrate, sodass auch nicht geimpfte Männer und Frauen vor einer HPV-Infektion geschützt werden. Denn auch zehn Jahre nach der ersten Empfehlung der STIKO zur HPV-Impfung sind heute bundesweit nur 31 Prozent der 15-jährigen Mädchen geimpft. In M-V ist der Wert mit 52 Prozent nahezu doppelt so hoch.

Interview

Fragen an Dipl.-Med. Ulrich Freitag, niedergelassener Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wismar, Vorstandsmitglied des Bundesberufsverbandes der Frauenärzte (BVF) und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Impfen des BVF.

Die HPV-Infektion ist eine Erkrankung, die beide Geschlechter betrifft und auch bei Jungen und Männern zu schweren Erkrankungen führen kann. Dazu zählen das Anal-, das Peniskarzinom, Kopf- und Halstumoren sowie die sehr unangenehmen Feigwarzen (Condylome). Da die HP-Viren überwiegend auf sexuellem Wege verbreitet werden, ist zur Unterbrechung der Infektionskette die Impfung auch für Jungen sehr sinnvoll. Werden nur Mädchen geimpft, wie in der Vergangenheit, ist die Wirkung auf die Verbreitung der HP-Viren deutlich eingeschränkt.

Die Impfstoffe sind ab dem neunten Lebensjahr für Mädchen und Jungen gleichermaßen zugelassen. In der Vergangenheit hat sich ein frühes Impfen als sinnvoll erwiesen, da die Antikörperbildung gegen HPV bei Kindern und jungen Jugendlichen besser ist. Außerdem sollte die Immunisierung möglichst vor dem ersten Sexualkontakt erfolgen, um eine Besiedlung mit HP-Viren primär zu vermeiden.

Wie bei allen Impfungen ist bei bekannten Unverträglichkeiten auf die Impfstoffbestandteile eine Impfung ausgeschlossen. Ebenso, wenn bereits bei einer früheren Impfung mit Gardasil eine allergische Reaktion aufgetreten ist.

Wie bei allen anderen Standardimpfungen gibt es auch hier überwiegend lokale Nebenwirkungen. Dazu zählen am häufigsten Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle (Oberarm). Auch Kopfschmerzen und gelegentliche Kreislaufbeschwerden werden beschrieben. Prinzipiell kann es auch allergische Reaktionen geben. Insgesamt treten aber keine anderen Nebenwirkungen als bei anderen Impfungen auf.

Die Empfehlung zur HPV-Impfung für Mädchen und Frauen gibt es bereits seit 2007. Im Jahr 2014 hatte die STIKO ihre Empfehlung für die HPV-Impfung von Mädchen auf das Alter von neun bis 14 Jahren (statt bisher zwölf bis 17 Jahren) herabgesetzt. Damit sollte erreicht werden, dass mehr Mädchen als bisher vor einer HPV-Infektion geschützt werden, bevor sie sexuell aktiv sind.

Pressekontakt

Kassenärztliche Vereinigung M-V
Kerstin Alwardt
Pressestelle
Tel.: 0385 7431 209
presse@kvmv.de
www.kvmv.info

AOK Nordost - Die Gesundheitskasse
Markus Juhls
Pressestelle
Tel.: 0800 265080 41469
presse@nordost.aok.de