Arzneimittel: Was Versicherte wissen sollten

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten übernimmt die AOK den Großteil der Kosten. Versicherte der Gesundheitskasse leisten nur eine geringe Zuzahlung. Für viele Medikamente hat die AOK Rabattverträge mit Pharmaunternehmen geschlossen. So sorgt die AOK für Beitragsstabilität.

Eine Frau zeigt einem älteren Mann die Packungsbeilage eines Arzneimittels. Die AOK informiert über Medikamente und über Zuzahlungen.© AOK

Inhalte im Überblick

    Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente

    In Deutschland ist die Arzneimittelversorgung gesetzlich geregelt. Fast alle Medikamente sind apothekenpflichtig. Einige von ihnen gibt es nur auf Rezept, andere auch ohne.

    Hat Ihnen Ihr Arzt ein rezeptpflichtiges Medikament verordnet, zahlen Sie dafür in der Regel zehn Prozent des Abgabepreises – mindestens jedoch fünf und höchstens zehn Euro.

    In der Praxis heißt das zum Beispiel:

    • Für ein Medikament, das 120 Euro kostet, zahlen Sie 10 Euro.
    • Für ein Medikament, das 80 Euro kostet, zahlen Sie 8 Euro.
    • Für ein Medikament, das 20 Euro kostet, zahlen Sie 5 Euro.

    Auf keinen Fall zahlen Sie mehr, als das Medikament kostet. Das heißt: Kostet das Medikament weniger als fünf Euro, zahlen Sie nur den Preis des Arzneimittels. Die Zuzahlungen gelten auch für Medikamente aus Versandapotheken.

    Hinweis: Medikamente, deren Preis mindestens 30 Prozent unter dem Festbetrag liegt, den die gesetzlichen Krankenkassen erstatten, erhalten Sie oftmals ohne Zuzahlung. Bei diesen Arzneimitteln können Sie so bis zu zehn Euro sparen.

    Hier finden Sie die Liste der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel.

    Kosten sparen bei rezeptfreien Medikamenten

    Oft sind rezeptfreie Mittel in der Onlineapotheke kostengünstiger als in der Apotheke vor Ort. Wer regelmäßig rezeptfreie Medikamente zum Beispiel gegen Erkältungen oder leichte Schmerzen benötigt, also leichte Schmerzmittel oder Salben gegen Entzündungen verwendet, kann beim Kauf in einer Versandapotheke von günstigen Preisen profitieren. Es gibt verschiedene Zahlungsmöglichkeiten. Viele Onlineapotheken liefern beispielsweise auf Rechnung.

    • Beratung per Telefon oder E-Mail

      Egal ob es sich um eine Versandapotheke oder die Apotheke um die Ecke handelt: Beide sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden zu beraten – zum Beispiel zu Wechsel- und Nebenwirkungen. Die Pharmazeuten von Versandapotheken informieren und beraten telefonisch oder per E-Mail sowohl zu rezeptpflichtigen als auch zu rezeptfreien Medikamenten. Versandapotheken müssen eine Beratungshotline anbieten. Diese Hotline kann ein Kunde nutzen, wenn er beispielsweise mehrere Arzneimittel einnimmt und sichergehen will, dass keine Wechselwirkungen auftreten. Für Nachfragen muss der Kunde eine Telefonnummer angeben.

    • Sicherheit durch europaweites Logo

      Zum Schutz ihrer Kunden stellen alle europäischen Versandapotheken ein Sicherheitslogo auf ihre Internetseite. Klicken Verbraucher das Logo an, gelangen sie automatisch zum Versandhandelsregister auf der Internetseite des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und können prüfen, ob die entsprechende Onlineapotheke behördlich zugelassen ist. Sollte die gesuchte Internetapotheke nicht registriert sein, ist es ratsam, dort keine Medikamente zu kaufen. Das Sicherheitslogo schützt Verbraucher vor gefälschten Arzneimitteln aus dem Internet, die schwerwiegende Nebenwirkungen haben können, und stellt die Echtheit von Onlineapotheken in den EU-Mitgliedstaaten sicher.

    • Bequeme Bestellung per E-Mail, Internet oder Telefon

      In Deutschland dürfen Versandapotheken nur von zugelassenen Präsenzapotheken (Apotheken vor Ort) betrieben werden. Daneben bieten auch Internetapotheken aus dem EU-Ausland in Deutschland Arzneimittel an. Versandapotheken haben sowohl rezeptpflichtige als auch rezeptfreie Medikamente sowie Kosmetikartikel und Körperpflegeprodukte in ihrem Sortiment. Kunden können sie per E-Mail, Internet oder Telefon bestellen. Wer online rezeptfreie Arzneimittel kauft, sollte auf die Versandkosten achten. Bei vielen Anbietern entfallen sie ab einem bestimmten Mindestbestellwert oder werden teilweise nicht berechnet. Die Lieferung erfolgt oft schon innerhalb von 48 Stunden direkt ins Haus. Ein großer Vorteil vor allem für Menschen, die chronisch krank sind und regelmäßig Medikamente benötigen, die eingeschränkt mobil sind oder denen der Weg zur nächsten Apotheke zu weit ist.

    Wann die Zuzahlung für ein Medikament entfällt

    Ohne Zuzahlung erhalten Sie:

    • Medikamente für Kinder unter 18 Jahren
    • Arzneimittel im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Geburt

    Übersteigen die geleisteten Zuzahlungen die Grenze der zumutbaren Belastung, können Sie sich von weiteren Zuzahlungen im entsprechenden Kalenderjahr befreien lassen. Stellen Sie dafür einen Antrag bei der AOK. Für chronisch Kranke in Dauerbehandlung liegt die Belastungsgrenze bei einem Prozent des Bruttojahreseinkommens, für alle anderen Versicherten bei zwei Prozent.

     

    Arzneimittel, die Sie selbst vollständig zahlen

    Die Kosten für rezeptfreie beziehungsweise nicht verschreibungspflichtige Medikamente übernehmen die Krankenkassen in der Regel nicht.

    Ausnahmen:

    • Medikamente für Kinder unter zwölf Jahren oder für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen unter 18 Jahren
    • Sie haben eine schwere Erkrankung und das nicht verschreibungspflichtige Medikament gilt als Therapiestandard

    In diesen Fällen sind Medikamente auf einem rosa Kassenrezept zu verordnen.

    Die Krankenkasse zahlt ebenfalls keine Medikamente, deren therapeutischer Nutzen nicht abschließend nachgewiesen ist oder die als unwirtschaftlich gelten.

    Medikamente: Das regeln die Festbeträge

    Festbeträge für Arzneimittel werden vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen für alle Krankenkassen einheitlich festgelegt. Das sind Obergrenzen, bis zu denen die Krankenkassen ein verschriebenes Medikament bezahlen. Liegt der Apothekenverkaufspreis über diesem Festbetrag, müssen die Patienten die Differenz zusätzlich zur regulären Zuzahlung selbst tragen.

    Preisgünstigere Alternativen

    Diese günstigen Arzneimittel zahlt die AOK ebenfalls für Ihre Versicherten:

    • Generika

      Generika, auch Nachahmerprodukte genannt, sind Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff in der gleichen Dosierung wie im Originalpräparat. Da die Hersteller keine hohen Investitionskosten für die Forschung und Entwicklung der Medikamente haben, sind Generika preisgünstiger als die Originalpräparate. Sie sind aber genauso wirksam, sicher und verträglich wie die Originalarznei.

    • Biosimilars

      Biosimilars sind biotechnologisch hergestellte Arzneimittel. Sie ähneln einem bereits zugelassenen Medikament in ihrer Struktur und haben die gleiche Wirkung. Von Generika unterscheiden sie sich vor allem in der Größe ihrer Moleküle: Biosimilars sind meist große, komplexe Moleküle, Generika eher kleine, einfache Moleküle. Zudem sind Biosimilars nicht völlig identisch mit dem Originalwirkstoff, weshalb sie aufwendigere Zulassungsverfahren erfordern als Generika. Die Wirkung von Biosimilars hingegen ist genauso gut wie beim Originalpräparat. Das bestätigen die Experten der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

      Für Forschung und Entwicklung fallen geringere Kosten an als beim Original. Das liegt daran, dass die Wirkstoffe schon lange bekannt und sehr genau erforscht sind. 

    • Medikamente mit Preisnachlass

      Die AOK hat mit Pharmaunternehmen Rabattverträge über Preisnachlässe für bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente geschlossen. Diese Verträge ermöglichen uns Einsparungen bei gleicher Qualität. Wenn Ihnen Ihr Arzt ein Medikament verschreibt, ist der Apotheker verpflichtet, das rabattierte Präparat des Vertragsunternehmens abzugeben. Es sei denn, der Arzt vermerkt auf dem Rezept, dass der Patient ein bestimmtes Medikament nehmen soll. Dies ist nur in medizinisch begründeten Einzelfällen möglich.

    • Aut-idem-Regelung

      Ein preisgünstigeres Medikament erhalten Sie auch über die sogenannte Aut-idem-Regelung (lateinisch „oder Gleiches“): Dafür sollte der Arzt bei seiner Verschreibung einzig den Wirkstoff festlegen. In der Apotheke erhalten Sie dann das wirkstoffgleiche günstigere Medikament.

      Mit einem sogenannten Aut-idem-Kreuz auf der Medikamentenverschreibung kann der Arzt den Austausch von Arzneimitteln durch die Apotheke ausschließen. Das ist allerdings nur in medizinisch begründeten Einzelfällen möglich, da der Arzt verpflichtet ist, wirtschaftlich zu verordnen.

    • Keine Rabatte bei rezeptpflichtigen Medikamenten in Versandapotheken

      Im Gegensatz zu rezeptfreien Arzneimitteln ist eine Ersparnis bei rezeptpflichtigen Medikamenten nicht möglich. Die Preise sind gesetzlich festgelegt und deshalb in allen Apotheken gleich. Rabatte sind nicht erlaubt – auch nicht bei einer Bestellung im EU-Ausland. Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln muss der Kunde das Originalrezept per Post an die Versandapotheke schicken. Deutsche Onlineapotheken rechnen rezeptpflichtige Medikamente direkt mit der AOK ab. Die Zuzahlung geht direkt an die Apotheke: Der Kunde kann sie per Überweisung oder Bankeinzug begleichen. Wer bei einer ausländischen Apotheke bestellt, sollte sich am besten von der AOK die Kostenübernahme bestätigen lassen. Wichtig zu wissen ist außerdem, ob die AOK direkt mit der ausländischen Apotheke abrechnet oder man die Kosten für das Medikament zunächst aus eigener Tasche bezahlen muss und anschließend erstattet bekommt.

    Medikamente im Test

    Die Stiftung Warentest untersucht regelmäßig Medikamente für zahlreiche Anwendungsgebiete und veröffentlicht die Testergebnisse. AOK-Versicherte können die normalerweise kostenpflichtigen Bewertungen kostenfrei lesen.

    Medikamente im Test

    Wie schneiden die Medikamente im Test ab? Das erfahren Sie hier:

    Apotheke in Ihrer Nähe finden

    Finden Sie einfach und bequem Apotheken und Notdienstapotheken in Ihrer Nähe.

    Beratung zu Medikamenten am Telefon

    Medizinische Informationen am Telefon – etwa zum Thema Arzneimittel – geben die Experten der AOK.

    Welche zusätzlichen Arzneimittelleistungen bietet meine AOK?

    Die Angebote der AOK unterscheiden sich regional. Mit der Postleitzahl Ihres Wohnorts können wir die für Sie zuständige AOK ermitteln und Ihnen weitere Leistungen zum Thema Arzneimittel zeigen, die speziell Ihre AOK bietet.
    Aktualisiert: 02.08.2021

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