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Familiencoach Depression: Onlinehilfe für Angehörige

Menschen, die sich um einen depressiven Angehörigen kümmern, vernachlässigen oft die eigene Gesundheit. E-Health-Angebote wie der Familiencoach Depression bieten hier eine wertvolle Unterstützung, weiß Expertin Prof. Elisabeth Schramm von der Uniklinik Freiburg.

Ein nachdenklich wirkender, junger Mann sitzt auf einer Bank. Der Familiencoach Depression hilft dabei, den Alltag mit einem depressiv erkrankten Menschen besser zu bewältigen.© iStock / Suriyawut Suriya

Inhalte im Überblick

    Mit Depression in der Familie richtig umgehen

    Außenstehenden fällt es oft schwer, eine psychische Erkrankung nachzuvollziehen. Symptome wie gedrückte oder reizbare Stimmung, Freudlosigkeit, fehlender Antrieb oder sogar Suizidgedanken bei depressiven Menschen belasten auch die Angehörigen stark. An dieser Stelle setzt der Familiencoach Depression an: Mit dem Onlineprogramm eignen Sie sich fundiertes Wissen an und lernen, wie Sie den Alltag mit einem erkrankten Angehörigen gemeinsam bewältigen und den Betroffenen gut unterstützen können. Zudem erfahren Sie, wie Sie sich zugleich selbst vor einer chronischen Überlastung und möglichen negativen gesundheitlichen Folgen schützen können.

    Der Familiencoach richtet sich an Personen, die

    • … einen an einer Depression erkrankten Menschen in der Familie oder im Freundeskreis haben.
    • … vermuten, dass ein Angehöriger, Freund oder der Partner unter einer Depression leiden könnte.

    Training für Angehörige: So hilft Ihnen der Familiencoach Depression

    Der Familiencoach Depression besteht aus fünf leicht verständlichen Trainingsmodulen, die Sie ganz nach Ihren eigenen Bedürfnissen unabhängig voneinander nutzen können:

    Regelmäßiger Experten-Videochat

    Zusätzliche Unterstützung zu den Modulen, die Sie allein bearbeiten, bietet der Experten-Videochat. Darinbeantwortet die Entwicklerin des Familiencoachs Depression, Prof. Elisabeth Schramm, Ihre Fragen zum Programm.Der Chat findet regelmäßig an mehreren Terminen im Jahr statt und soll Angehörige durch Informationen unterstützen, er ersetzt jedoch keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung.

    Familiencoach Depression: von Betroffenen getestet

    Wissenschaftler der Freiburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie haben den Familiencoach Depression in Zusammenarbeit mit betroffenen Angehörigen und Erkrankten entwickelt. Studien zeigen, dass durch die Vermittlung von Wissen über depressive Erkrankungen die Belastung der Angehörigen sinkt und auch die Gefahr für Rückfälle bei den depressiv Erkrankten reduziert werden kann.

    Projektleiterin Prof. Schramm ist Expertin für die Versorgung depressiv erkrankterer Menschen und deren Angehörigen. Zum Familiencoach Depression sagt sie: „Angehörige sind oft die wichtigste Unterstützung für depressiv erkrankte Menschen. Gleichzeitig sind sie aber durch die Dauerbelastung gefährdet, sich zu überfordern und sogar selbst krank zu werden. Daher ist es ganz wichtig zu verstehen: Am besten helfen kann nur, wer auch gut auf sich selbst achtet."

    Lesen Sie nachfolgend ein Interview mit Frau Professor Schramm.

    Bei Depressionen unkompliziert Hilfe erhalten

    Professor Elisabeth Schramm ist Expertin für die Versorgung depressiv erkrankter Menschen und deren Angehörigen. Sie hat den Familiencoach Depression federführend entwickelt.© privat
    Prof. Elisabeth Schramm

    Frau Prof. Schramm, warum haben Sie gemeinsam mit der AOK den Familiencoach Depression entwickelt?

    „Weil es ein solches Programm vorher einfach nicht gab. Unseres Wissens ist es das einzige Onlineangebot für Angehörige von depressiven Menschen. Und – egal, ob online oder nicht – der Bedarf ist riesig. Zwar gibt es einige Kliniken, die Hilfe für Angehörige vorsehen. Diese Angebote sind natürlich auf die Familienmitglieder von stationär aufgenommenen Patienten begrenzt. Aber selbst die haben es schwer, wenn sie weit entfernt wohnen.“

    Und an dieser Stelle kommt der Familiencoach Depression ins Spiel.

    „Richtig. Das Angebot ist für jeden kostenlos zugänglich. Es spielt keine Rolle, wo der Angehörige wohnt und wann er Zeit hat. Er entscheidet selbst, ob er das Programm lieber morgens oder zum Beispiel am Abend nach der Arbeit nutzen möchte. Und ganz wichtig, er kann es ganz für sich nutzen – ohne Angst vor Stigmatisierung.“

    Ist Depression denn immer noch ein Tabuthema?

    „Es ist besser geworden, unter anderem durch die Arbeit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und prominente Schirmherren wie Harald Schmidt. Aber trotzdem: Das Stigma existiert noch immer. Aus diesem Grund hat sich auch die Bezeichnung Burn-out so stark verbreitet. Auch heute legen viele Menschen eine Depression als Schwäche oder als ‚Verrücktsein‘ aus, lieber begründen sie ihre Probleme mit zu viel Arbeit. Dabei zeigen Untersuchungen, dass hinter 50 Prozent der vermeintlichen Burn-out-Fälle tatsächlich eine Depression steckt. Angesichts dieses noch immer belasteten Umgangs mit dem Thema Depression ist ein anonymes Onlineangebot wie der Familiencoach umso wichtiger. Die Hürde für die Patienten und die Angehörigen wird dadurch viel kleiner.“

    An wen genau richtet sich der Familiencoach Depression?

    „Vor allem an Angehörige von Erkrankten. Tatsächlich sind es aber nicht nur Familienmitglieder, die Informationen zum Thema Depression suchen. Häufig sind es Freunde oder auch Arbeitskollegen und Vorgesetzte, die bei jemandem eine Depression vermuten.“

    Das heißt, mithilfe des Programms kann ich auch herausfinden, ob eine Person depressiv ist?

    „Ein Baustein des Programms erklärt, wie ich als Angehöriger eine solche Vermutung überprüfen kann. Damit bietet der Familiencoach Depression eine wissenschaftlich fundierte Orientierung. Jedoch muss den Angehörigen klar sein: Das Programm ersetzt keinen medizinischen Befund. Die Diagnose liegt weiterhin in den Händen der Ärzte und Psychotherapeuten. Der Familiencoach enthält deshalb mehrere Hinweise, wann unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden sollte.“

    Der Familiencoach Depression steht seit Herbst 2018 zur Verfügung. Wie ist das Feedback darauf?

    „Äußerst positiv. Sowohl von Fachleuten als auch von Angehörigen. Gerade Selbsthilfegruppen sagen uns, dass der Coach eine sehr gute Unterstützung in alltäglichen Situationen sei. Der Bundesverband Angehörige lobt vor allem das Familiencoach-Modul Selbstfürsorge. In diesem Bereich werde ansonsten viel zu wenig für Angehörige angeboten und wenn doch, dann gehe es immer in die Richtung: Wie kann ich unterstützen? Und nicht: Wie passe ich auf mich selbst auf? Das aber liegt uns am Herzen.“

    Und was sagen die Experten?

    „In Kongressen und Qualitätszirkeln ist das Interesse sehr groß. Aber ganz besonders stationäre Einrichtungen freuen sich über das Angebot. Diese Kliniken haben viel Kontakt zu den Familien der Patienten. Oft fehlen ihnen aber die Zeit und die Ressourcen, um intensiv mit den Angehörigen zu arbeiten. Deshalb werden dort gerne Flyer verteilt, die auf den Familiencoach verweisen. Denn das Programm eignet sich ganz ausgezeichnet als Ergänzung zur psychotherapeutischen Behandlung der depressiv Erkrankten.“

    Depressionen: zwei typische Fälle – und wie der Familiencoach funktioniert

    Zwei beispielhafte Fälle aus der Arbeit von Prof. Elisabeth Schramm zeigen, wie Angehörige den Familiencoach Depression einsetzen können:

    Familiencoach Depression jetzt ausprobieren – kostenlos und anonym

    Sie wollen von den interaktiven Übungen, dem Experten-Chat und den Kurzclips des Familiencoach Depression lernen? Probieren Sie das Programm einfach aus. Die Nutzung ist kostenlos und anonym.

    Starten Sie jetzt das AOK-Online-Programm Familiencoach Depression.

    Weitere Hilfsangebote der AOK

    Mit dem AOK-Gesundheitsnavigator finden Sie ganz einfach passende Fachärzte, die Ihnen beim Thema Depression helfen können. Starten Sie jetzt mit der Arztsuche.

    Haben Sie außerdem noch medizinische Fragen zum Thema Depression? Die AOK ist persönlich für Sie da: Unsere medizinischen Experten am Telefon helfen Ihnen weiter. Informieren Sie sich jetzt über das medizinische Infotelefon.

    Aktualisiert: 16.08.2021

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