Thüringen: Zu dick, einsilbig und verhaltensauffällig?

Pressemitteilung

30. August 2022

Zu dick, einsilbig und verhaltensauffällig?

AOK PLUS untersucht: So gesund sind Thüringens Grundschüler

Jeder dritte Thüringer Grundschüler hat Defizite in der Entwicklung, verhält sich auffällig oder leidet unter einer psychischen Störung. Dies belegen aktuelle Zahlen der AOK PLUS aus 2021. Demnach wurde bei 35,5 Prozent eine so genannte F-Diagnose, beispielsweise eine psychische Erkrankung oder eine Verhaltensstörung, gestellt. Im Freistaat sind rund 52.000 der Sechs- bis Zehnjährigen bei der Gesundheitskasse versichert, was einem Marktanteil von knapp 55 Prozent entspricht.  

Entwicklungsstörungen
Nicht erst seit der Corona-Pandemie liegen einige Erkrankungen unter den Grundschülern auf konstantem, teilweise hohem Niveau. Probleme mit der Sprache und bei schulischen Fertigkeiten betreffen dabei 24,5 Prozent, wobei Jungs mit 29,6 Prozent deutlich öfter betroffen sind als Mädchen (19 Prozent). Zwischen 2016 und 2019 war ein Diagnoseanstieg zu verzeichnen, der während der Pandemie wieder leicht zurückging. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt der Anteil der Entwicklungsstörungen ab, da sich zum Beispiel Sprachprobleme durch Logotherapie gut behandeln lassen.

Belastungsstörungen
Bei den Belastungsstörungen zeigt sich ein anderer Trend. Sie nehmen während der Grundschulzeit zu. Waren es unter den Sechsjährigen noch 2,3 Prozent, bei denen die Diagnose 2021 gestellt wurde, waren bei den Zehnjährigen schon 4,3 Prozent betroffen. Zwischen 2016 und 2021 hat die Diagnosehäufigkeit um 2,4 Prozent zugenommen.

ADHS/ADS
Bei jedem zwölften Grundschulkind (8,7 Prozent) wurden 2021 Verhaltensauffälligkeiten wie die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) diagnostiziert. Auch diese Krankheitsbilder nehmen wie die Belastungsstörungen zu, je älter das Kind wird. Außerdem sind doppelt so viele Jungs wie Mädchen betroffen. 

Auch Stefan Mertens vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beobachtet diese Entwicklung seit Jahren: "Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten hat es schon immer gegeben. Als anerkannte Krankheiten und mit einer Diagnosenummer versehen sind ADHS und ADS aber noch relativ jung. Früher waren das eben der 'Zappelphilipp' und der 'Hans-guck-in-die Luft' oder die Kinder wurden als schwererziehbar abgestempelt. Dass jetzt die leitliniengerecht erstellte Diagnose behandelt werden kann, ist ein großer Fortschritt. Allerdings hat nicht jedes Kind das zappelt, unkonzentriert oder verhaltensauffällig ist, ein AD(H)S. Viel Zeit und Aufmerksamkeit, klare Regeln, mehr Vorlesen und weniger Medienkonsum wären ein Segen für unsere Kinder. Ein Teil der von uns Kinderärzten beobachteten Entwicklungsstörungen hängt mit Sicherheit vom Umfeld ab und ist nicht durch Medizin aus der Apotheke zu heilen, sondern durch Änderung von Einflüssen in den Bildungseinrichtungen, in den Elternhäusern, in der Gesellschaft."

Allergien, Neurodermitis und Zähne
Auf konstantem Niveau bewegen sich die Zahlen für Neurodermitis und Allergien. So hat jeder fünfte Grundschüler (19,5 Prozent) mit der Hauterkrankung oder einer anderen krankhaften Abwehrreaktion zu kämpfen. Jungs sind häufiger davon betroffen, im Altersvergleich gibt es kaum Unterschiede bei der Diagnosehäufigkeit. Bedenklich sind die Zahlen zur Zahngesundheit: 29,9 Prozent der Grundschüler wurde gegen Karies behandelt, 20 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen waren 2021 nicht beim Zahnarzt.

Adipositas
Die Anzahl der adipösen Grundschüler ist in Thüringen während der Corona-Krise um 12,6 Prozent gestiegen. Im Vorpandemie-Jahr 2019 erhielten 5,5 Prozent die Diagnose Adipositas, 2021 waren es schon 6,2 Prozent, also jedes 16. Kind. Jungen im Alter von zehn Jahren sind dabei am häufigsten betroffen (9,4 Prozent). Zwischen 2016 und 2021 nahm die Diagnosehäufigkeit sogar um 13,6 Prozent zu.

"Die wachsende Anzahl an adipösen Kindern ist alarmierend, denn die übergewichtigen Mädchen und Jungen von heute sind die Diabetiker und chronisch Kranken von morgen. Für ihre bestmögliche Behandlung schon im Kindesalter haben wir spezielle Adipositas-Programme auf den Weg gebracht, die den Fokus auf eine Verhaltensänderung legen. Überhaupt steigt die Zahl der Zivilisationskrankheiten, die aus ungesunder Ernährung, zu wenig Bewegung und gestresster Psyche hervorgehen, konstant", sagt Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, und fügt hinzu: "Nie war es daher so wichtig wie heute, bereits im Kindesalter das Bewusstsein für Gesundheit zu schaffen und dadurch Krankheiten vorzubeugen."

Prävention zu Hause und in der Schule 
Gesundheitsförderung beginnt in den Familien und in den Schulen. Die AOK PLUS engagiert sich seit Jahren in diesen Lebenswelten. Mit Sportaktionstagen, Programmen wie "Henrietta & Co." oder der "GemüseAckerdemie" lernen die Kinder schon in der Grundschule, wie wichtig ihre Gesundheit ist und was sie selbst dafür tun können. Spielerisch werden ihnen Themen wie gesunde Ernährung, Bewegung und psychisches Wohlbefinden nähergebracht. Zusätzlich macht sich die AOK PLUS für eine gesunde Lebensweise in der Familie stark. Rainer Striebel: "Die Gesundheit unserer Grundschüler zu stärken, ist jedoch auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass beispielsweise ungesunde Lebensmittel verpflichtend gekennzeichnet werden sollten. Für überzuckerte und sehr kalorienreiche Lebensmittel darf es keine Werbung geben."

Datengrundlage
Der Analyse der AOK PLUS liegen die Daten von AOK-Versicherten im Alter von sechs bis zehn Jahren zugrunde, in Thüringen entspricht dies aktuell 51.933 Kindern. Im Jahr 2016 waren 34.752 Sechs- bis Zehnjährige bei der Gesundheitskasse versichert.



Kurzbeschreibung der AOK PLUS
Die AOK PLUS ist die größte gesetzliche Krankenkasse in Sachsen und Thüringen. In Thüringen begleitet die Gesundheitskasse 999.394 Versicherte (Stand: 01.07.2022) professionell und partnerschaftlich in allen Lebenssituationen: bei Prävention, Gesundheitsvorsorge, Krankheit und Pflege. Dabei ist die AOK PLUS mit über 130 Filialen in Sachsen und Thüringen oder auch digital überall und jederzeit gut erreichbar.

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