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Abwartende Behandlung bei einer Mittelohrentzündung

Antibiotika sind nicht bei jeder Mittelohrentzündung erforderlich, zumal sie Nebenwirkungen hervorrufen können. Bei leichten Beschwerden ist es sinnvoll, ein bis zwei Tage abzuwarten, wie sich die Infektion entwickelt. Studien zeigen, dass Ihrem Kind dadurch keine Nachteile entstehen.

Abwartende Behandlung

Bei Kindern im Alter ab zwei Jahren mit einer unkomplizierten akuten Mittelohrentzündung kann zunächst abgewartet werden [1-3]. Ob abgewartet werden sollte oder das erkrankte Kind direkt mit einem Antibiotikum behandelt werden sollte, muss im Einzelfall mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Bei abwartender Behandlung wird im Allgemeinen so vorgegangen:

  • Das Kind erhält zuerst ein Medikament gegen Schmerzen und/oder Fieber. In den meisten Fällen lassen die Beschwerden unter dieser schmerzlindernden Behandlung im Laufe von zwei bei drei Tagen nach.
  • Wenn sich die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht gebessert haben oder schlimmer geworden sind, sollte eine Behandlung mit einem Antibiotikum eingeleitet werden [1, 2, 4]. Deshalb muss gewährleistet sein, dass die Eltern nach zwei bis drei Tagen erneut Kontakt zu ihrem Arzt aufnehmen und zu einer Folgeuntersuchung kommen können [2, 4].
  • Falls ein erneuter Arztbesuch nicht möglich ist, z. B. am Wochenende, gibt es auch die Möglichkeit, dass der Arzt den Eltern vorsorglich ein Rezept für ein Antibiotikum mitgibt („Rezept in Reserve“) [2].

Wozu dient ein „Rezept in Reserve“?

Manchmal schlägt der Arzt eine abwartende Behandlung vor und stellt den Eltern zugleich vorsorglich ein Rezept für ein Antibiotikum aus [2]. Dieses sollen die Eltern erst einlösen, wenn nach zwei Tagen keine Besserung eingetreten ist und ein erneuter Arztbesuch nicht möglich ist (z. B. am Wochenende oder im Urlaub). Die antibiotische Behandlung soll dann, wie mit dem Arzt vereinbart, begonnen und durchgeführt werden. Auch in diesem Fall ist es wichtig, zu einer ärztlichen Kontrolle zu kommen. 

Abwartende Behandlung zeigte in Studien keine Nachteile

Kinder mit unkomplizierter akuter Mittelohrentzündung, für die eine abwartende Behandlung infrage kommt, haben keine Nachteile davon, wenn sie zunächst abwartend behandelt werden, anstatt sofort ein Antibiotikum zu erhalten [7]. 

Nach drei bis sieben Tagen sind bei beiden Behandlungswegen rund zwei Drittel der Kinder schmerzfrei.

Von 100 Kindern, die sofort mit einem Antibiotikum behandelt werden, leiden zu diesem Zeitpunkt sechs Kinder weniger an Ohrenschmerzen, als wenn abwartend behandelt wird. Dieser Unterschied ist im Verhältnis zur Gesamtzahl der schmerzfreien Kinder so gering, dass sich daraus kein relevanter Behandlungsvorteil ergibt.

In beiden Behandlungsgruppen ist die Hörfähigkeit* nach vier Wochen bei der Hälfte der Kinder wieder normal. Bei abwartender Behandlung kann es allerdings etwas länger dauern, bis das Trommelfell bei der Ohrspiegelung wieder vollkommen normal aussieht.

*Erklärung: Um die Hörfunktion zu beurteilen, wurde die Beweglichkeit des Trommelfells mit einem speziellen Messverfahren (Tympanometrie) untersucht. Ist das Trommelfell normal beweglich, besteht keine Hörbeeinträchtigung. Bei eingeschränkter Beweglichkeit ist von einer Hörbeeinträchtigung auszugehen.

Von 100 Kindern, die eine sofortige Antibiotikatherapie erhalten, entwickeln 12 Kinder mehr die genannten Nebenwirkungen, als von 100 Kindern, die abwartend behandelt werden. 

Hinweis

Ergebnisse einer Vergleichsanalyse von klinischen Studien mit insgesamt 1.007 behandelten Kindern mit akuter Mittelohrentzündung [7].

Das Vorgehen bei abwartender Behandlung beinhaltet, dass bei spontaner Besserung nach zwei bis drei Tagen kein weiteres Medikament notwendig ist, bei anhaltenden Beschwerden jedoch noch eine Antibiotikatherapie eingeleitet wird.

Autor und Quellen

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Eine Kooperation der AOK und der Uniklinik Köln
Aktualisiert am: 13.07.2016

  • 1. Lieberthal AS, Carroll AE, Chonmaitree T et al. The diagnosis and management of acute otitis media. Pediatrics 2013; 13: e964; originally published online February 25, 2013. DOI: 10.1542/peds.2012-3488. In: https://pediatrics.aappublications.org/content/133/2/346.4 [Zugriff 18.09.2013]
  • 2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, DEGAM Leitlinie Nr. 7, Ohrenschmerzen. Aktualisierte Fassung 2014, Sk2-Leitlinie, AWMF-Registernr. 053/009, November 2014. In: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-009l_S2k_Ohrenschmerzen_2014-12-verlaengert.pdf [Zugriff 07.01.2015]
  • 3. Marchisio P, Bellussi L, Di Mauro G, Doria M, Felisati G, Longhi R, Novelli A, Speciale A, Mansi N, Principi N: Acute otitis media: From diagnosis to prevention. Summary of the Italian Guideline. Int J Ped Otorhinolaryng 2010: 74: 1209–1216.
  • 4. Thomas JP, Berner R, Zahnert T, Dazert S, Acute otits media: a structured approach. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(9). 151-160. DOI: 10.3238/artzebl.2014.0151
  • 5. Tähtinen PA, Laine MK, Ruuskanen O, Ruohola A. Delayed versus immediate antimicrobial treatment for acute otitis media. Pediatr Infect Dis J. 2012 Dec;31(12):1227-1232. doi: 10.1097/INF.0b013e318266af2c.
  • 6. Damoiseaux RA, Rovers MM. AOM in children. BMJ Clin Evid. 2011 May 10; 2011. pii: 0301. PMID: 21554768
  • 7. Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 6. Art. No.: CD000219. DOI: 10.1002/14651858.CD000219.pub4.

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