Frank war auf Entzug! Er rauchte nun seit zwei Tagen nicht mehr und fühlte sich…….GIERIG! Gierig nach einer Zigarette, oder besser noch, nach einer Schachtel (und der Rest der Stange sollte dabei möglichst in Griffweite liegen).

 

Er stellte sich in seinen Tagträumen vor, dass er sich eine an der Anderen ansteckt und ganz relaxt den Rauch inhaliert und Rauch-Ringe um eine Flasche Bier wirft. Jede Faser in seinem

Körper schrie nach dem vermeintlich erlösenden Rauch-Mix aus ca. 4000 Giftstoffen, damit sein ohnehin schon verfallender Körper wieder das bekommt, was er seit mehr als 20 Jahren

reichlich erhalten hatte – Nikotin und Begleitstoffe!

 

Frank stellte sich zum 5ten Mal in dieser Stunde die Frage, warum er eigentlich nicht weiterraucht – schließlich  kann man doch so nicht leben…….so GIERIG und FAHRIG und UNKONZENTRIERT und ständig SCHWITZEND und auch BADEND IN SELBSTMIT-LEID wegen dem „Verlustgefühl“.

 

Trotz diesem inneren Chaos wollte sich jetzt belohnen, denn schließlich hatte er schon gestern nicht geraucht (die innere Stimme rief: „Du hast es Dir diese Köstlichkeit versagt, Du Unmensch!“)  und somit zehn EUR gespart und heute ist es ja auch schon 19:30 UHR und er hat wieder fast 10 EUR gespart (……“Na und? Die Kohle war für Kippen, die Dir helfen, Du Idiot!!“) Frank hätte sonst was dafür gegeben, wenn er endlich diese verdammte innere Stimme abschalten könnte!

 

Er betrat das riesengroße Kaufhaus und wollte sich dort von den Angeboten inspirieren lassen

und seine Belohnung abholen. („los, Du Weichei, ich zeige Dir, wo man hier Kippen kaufen kann, nun mach schon…..jetzt geht´s looos!!“) Frank blieb eisern und dachte daran, wie sich sein Körper ohne diesen Scheißqualm wieder „besser anfühlen“ würde. Er fragte eine Verkäuferin nach der Kundentoilette und begab sich dorthin. Er setzte sich in eine Kabine und dachte über sich und seine Situation nach – auf´m Klo kommen einen manchmal die besten Ideen….. Er hatte von diesem Nichtraucherforum seiner Krankenkasse, der AOK, gehört. Ob ihm da weitergeholfen werden kann? Wie wird er dort aufgenommen werden, wenn er sich dort anmeldet? Wird er dort schnell gute Hilfe finden? Er begann davon zu träumen, wie er ganz selbstverständlich auf Feten OHNE Zigaretten zurechtkommt, wie er morgens Kaffee trinkt, OHNE rauchen zu müssen, wie er vor dem Fernseher Obst und Gemüse knabbert, anstelle sich eine Zigarette an der anderen anzustecken und viele andere Situationen, die er sooo gern OHNE diese verdammten Stinkdinger erleben würde.

 

Dass das Kaufhaus nach einigen Lautsprecherdurchsagen geschlossen wurde und nach einem letzten halbherzigen „Stubendurchgang“ des Hausmeisters auf den Toiletten auch die Lichter ausgingen, bekam Frank gar nicht mit, weil er so in seine Träumereien vertieft war. Erst als seine innere Stimme sich meldete (…..“Was ist denn nun mit Kippen, Du Nasenbär?“) wurde er wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt und wusste ein paar Sekunden gar nicht, wo er war. Er tastete sich durch die Dunkelheit und dann wurde ihm klar, dass Irgendjemand das Licht auf dem Klo ausgeschaltet hatte. Er dachte noch „So eine Frechheit“ und wollte sein Feuerzeug anzünden, um zu sehen, wo er hinmusste. Doch die Tasche war leer, da er ja  nicht mehr rauchte….. Also tastete er sich langsam in den Verkaufsbereich, der nur auf Sparflamme beleuchtet wurde. Er konnte es gar nicht glauben, dass man ihn hier einfach vergessen hatte und begab sich zum Ausgang. Dort angekommen stellte er fest, dass alles verschlossen war und außen schwere Scherengitter vor den Fenstern und den Türen waren.

 

(……“dumm gelaufen, Alter……steck Dir erst mal eine an!“) Frank dachte daran, mit seinem Handy die Polizei zu rufen, damit sie ihn befreit, aber der Handyakku war leer. „Ach, kein Problem, dann suche ich mir eben das nächstbeste Telefon.“ So wanderte Frank durch das Kaufhaus und kam in die Spielzeugabteilung.

 

Dort ging es hoch her. Ein Teddybär flirtete gerade eine Giraffe an, die sich noch ein wenig zierte:

„Teddy: „Hey Kleines, ich bin genau der Richtige für Dich, glaube es mir“

„Ach Teddy, das sagst Du jede Nacht. Du bist nicht mein Typ, glaub es mir doch endlich.“

 

Frank dachte sofort, dass er halluziniert, denn  so etwas gab es doch gar nicht, oder? Waren die Japaner schon soweit, dass sich die Stofftiere miteinander unterhalten konnten?

Ein Ritter in glänzender Rüstung schlug mit seinem Schwert fortwährend auf einen Drachen ein: „Stirb Du Bestie!“ Der Drachen antwortete gelangweilt: „Du mich auch, Du Blecheimer.“

Ein Feuerwehrwagen kam mit lauter Sirene auf Frank zugerast und er musste richtig zur Seite springen, sonst wäre er gerammt worden. „Hey, was soll denn das? Seid ihr alle verrückt geworden?“

Alle Spielzeuge erstarrten und sahen scheu zu Frank. Die meisten hatten ihn gar nicht bemerkt. Der Ritter trat vorsichtig vor und sagte:

„Entschuldigt, Herr, aber ihr solltet gar nicht hier sein! Was treibt euch in unser Land?“   

Frank: „Euer LAND? Du meinst wohl Abteilung, oder?“

Ritter: „Mit Verlaub, edler Herr, von was redet Ihr?“

Frank: „Na also so was……Ihr seid hier in der Spielzeugabteilung des Kaufhauses.“

Ritter: „Aber Mitnichten und Neffen, edler Herr, Ihr seid hier in Kundora, der Hauptstadt von  

Rosinien!“

Ein Polizeiwagen kam mit einer lauten Sirene auf Frank zugefahren und zwei Polizisten siegen aus. Einer von Ihnen hielt sich im Hintergrund, während der andere sagte:

„Können Sie sich ausweisen?“

Frank: „Ja.“

Polizist: „Dann bitte.“

Frank: „Danke.“

Polizist: „Wohl eine Spaßvogel, was? Ihren Ausweis bitte!“

Frank: „Der ist zu groß für Sie.“

Polizist: „Das lassen Sie mal meine Sorge sein.“

Frank holte seinen Personalausweis heraus und reichte ihn dem Spielzeugpolizisten. Dieser konnte den Ausweis nicht einfach greifen und rief seinen Kollegen zu Hilfe. Dann begingen beide den Ausweis von West nach Ost um den Namen zusammenhängend lesen zu können.

Polizist: „Also Herr Brandenburg, was haben Sie in Kundora zu suchen?“

Frank: „Ich wurde eingeschlossen.“

Polizist: „Na klar, dass sagen sie alle……sind Sie ein Spion?“

Frank: „Na klar, mein richtiger Name ist James, James  Bond.“

Polizist: „Und wieso rennen Sie mit dem Ausweis eines Frank Brandenburg herum?“

Frank: „Dieser Name gefällt mir irgendwie und außerdem ruft mich meine Mutter immer Frank.“

Polizist: „Also noch mal, was machen Sie hier? Vor Allem, was machen Sie hier nachts? Hier sind nachts keine Riesen zugelassen. Nachts gehört Kundora seinen Bewohnern!“

Frank: „Ich wäre auch schon längst nicht mehr hier, wenn man mich nicht eingeschlossen hätte!“

Ein Eisenbahnschaffner kam auf Frank zu und sagte: „Wenn Sie hier nicht Wegkönnen, dann  hätte ich eine Aufgabe für Sie. Kommen Sie mit, es wird ihnen gefallen!“

Frank folgte dem Bahner, nachdem er sein Ausweis zurückerhalten hatte. Nach ungefähr 15 Metern und 6 Regalen sah er eine Eisenbahnlandschaft, die auf einer Fläche von ca. 20 qm aufgebaut war.

Schaffner: „Sie sind für die Weichen in diesem Abschnitt hier zuständig.“ Er zeigte Frank die Weichen. „Wenn ein Zug durchgefahren ist, dann stellen sie hier die Weiche und der zweite Zug kann dann in die andere Richtung fahren. Verstanden?“  

 

Frank: „Aber sicher doch, gern! Los geht´s!“

 

Frank spielte unter den Augen der Bewohner von Kundora die ganze Nacht lang mit wachsender Beigeisterung mit der Eisenbahn, bis die Bewohner sich zurückzogen und wieder zu dem wurden, was sie eigentlich waren: Zu Spielzeug.

Die erste Verkäuferin, die Frank sah, war zu Tode erschrocken und rief laut um Hilfe. Daraufhin tauchten 3 Verkäufer und weitere 3 Verkäuferinnen auf und fragten Frank nach seinen Absichten und wie er hier reingekommen ist. Nachdem Frank auch der herbeigerufenen Polizei alles erklärt hatte und keine Einbruchspuren zu entdecken waren, glaubte man ihm und entschuldigte sich dafür, dass man ihn eine Nacht lang eingeschlossen hatte. Frank kaufte sich ein Eisenbahn-Starter-Set und verließ vergnügt das Kaufhaus.

Erst als er Zuhause die Bahn aufbaute stellte er fest, dass er die Sucht nach Zigaretten ganz und gar vergessen hatte. Er dachte so bei sich: „Man muss sich nur beschäftigen und die Sucht hat keine Chance!“

 

Liebe Raucher, vielleicht sollte ihr euch auch mal in einem Kaufhaus einschließen lassen. Oder sucht euch zumindest ein Hobby, bei dem die Finger und der Kopf beschäftigt werden. Die heute noch wolkenkratzergroße Sucht wird dann sehr schnell zu einem kümmerlichen Häufchen. Und dann beginnt euer neues rauchfreies Leben, das wirklich herrlich ist. Das Verlustgefühl ist nur eine gemeine Täuschung des Suchtgedächtnisses – fallt darauf nicht herein – es belügt euch nur.

 

LG Dino Dipl.NmR. Peter 1339 c*