Selbsthilfe stärken, Pflegende entlasten

Die Debatte um die Zukunft der Pflege nimmt weiter Fahrt auf. Nachdem das Bundesgesundheitsministerium den Referentenentwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz vorgelegt hat, reißt die Kritik auch aus der Selbsthilfe an den Plänen nicht ab.

Ein alter Mann im Rollstuhl befindet sich in einer Grünaanlage, hinter dem Rollstuhl steht eine weibliche Pflegefachperson, die sich über die Schulter des Mannes diesem zuwendet.
Professionelle Pflegekräfte sowie pflegende Angehörige brauchen gleichermaßen mehr Unterstützung

So warnen etwa die Kommunen vor zusätzlichen Belastungen ihrer Haushalte, wenn mehr Pflegebedürftige durch dies steigenden Kosten für die stationäre Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… finanziell überlastet werden. Sozialverbände und Pflegekassen wie die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… kritisieren geplante Leistungskürzungen und Zusatzbelastungen für die Versicherten. 

Um in der Debatte zur Neugestaltung der Pflege in Deutschland positive Impulse zu setzen, hat die AOK-Gemeinschaft Anfang 2026 die Initiative „Pflege vor Ort“ ins Leben gerufen. Anhand zahlreicher Projekte macht die AOK hier deutlich, wie Pflege in den Kommunen bedarfsgerecht weiterentwickelt werden kann. Beispiele aus den unterschiedlichen Regionen veranschaulichen, wie gemeinsam mit lokalen Partnern Lösungen entstehen, die sowohl zu den konkreten Bedürfnissen der Menschen als auch zu den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort passen. 

Kritik an Kürzung der Rentenbeiträge

Im Rahmen der Initiative diskutierten Anfang Juni Expertinnen und Experten aus Pflege und Politik auf der Veranstaltung „AOK im Dialog“ des AOK-Bundesverbandes über den Referentenentwurf. Korrekturbedarf sahen alle Teilnehmenden der Podiumsdiskussion. Besonders kritisch bewerteten sie die geplante Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. Sogar die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, die CSU-Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler, gestand zu, dass ihr diese Regelung „nicht gefalle“. Beispiele aus den AOK-Regionen machten zugleich deutlich, wie eine gute, vernetzte Pflege vor Ort schon heute aussehen kann und welche Weichen die Gesetzgebung stellen muss, um Deutschland pflegefreundlicher zu gestalten. 

Von links nach rechts: Peter Schwander, Christian Wehner, Katrin Staffler, Sarah Oswald, Carola Reimann, Ellen Fährmann, Donald Ilte.
Dass es bei der anstehenden Pflegereform noch reichlich Korrekturbedarf gibt, darin waren sich die Teilnehmenden auf dem Podium der AOK-im-Dialog-Veranstaltung zum Thema Pflege vor Ort einig. Besonders kritisch bewerteten sie die geplante Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige – die selbst Katrin Staffler (CSU), der…
10.06.2026AOK-Bundesverband6 Min

Pflege-Selbsthilfe erhält mehr Unterstützung

Bereits im Vorfeld der aktuellen Reformdebatte war Anfang 2026 das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) in Kraft getreten. Damit werden für die Förderung der Pflege-Selbsthilfe jährlich rund 16 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt. Die soziale und die private Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… müssen demzufolge zum Auf- und Ausbau und zur Unterstützung der Selbsthilfe jährlich pro Versicherten 21 Cent zur Verfügung zu stellen. Davon sind fünf Cent für den Aufbau bundesweiter Strukturen gedacht, bei denen es keiner Kofinanzierung durch ein Land oder eine Kommune bedarf. Durch die erhöhten Förderbeträge und ein vereinfachtes Förderverfahren rückt für Selbsthilfeaktive damit die Frage in den Fokus, wie Austausch, Beratung und regionale Entlastungsangebote besser zusammengedacht werden können.

AOK fordert einfacheres Förderverfahren

Die Strukturen in der Pflege-Selbsthilfe ausbauen und das Förderverfahren vereinfachen, waren bereits vor zwei Jahren zentrale Forderungen des AOK-Bundesverbandes im Rahmen der Selbsthilfe-Fachtagung „Hilfe für helfende Hände“. So wie in der Förderung der gesundheitlichen Selbsthilfe müsste auch im SGB-XI-Förderverfahren die Sozialversicherung Die Sozialversicherung in ihrer heutigen Form geht auf die "Kaiserliche Botschaft" von 1881 und die… das Zepter in die Hand bekommen, lautete damals eine Forderung des AOK-Bundesverbandes. Eine Idee, die alle Beteiligten aus der Pflege-Selbsthilfe als gute Anregung begrüßten.