Tabak, Alkohol, Zucker: Höhere Steuern allein reichen nicht

Höhere Steuern auf Tabak, Spirituosen und Zuckergetränke können aus Sicht der Selbsthilfe die Prävention stärken. Entscheidend ist, dass daraus echte Verhältnisprävention wird.

Person, die im Supermarkt eine Flasche mit hochprozentigem Alkohol in den Händen hält und darauf blickt
Höhere Steuern auf Spirituosen können den Konsum senken.

Die Bundesregierung hat im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 höhere Steuern auf Tabak, Spirituosen und Alkopops vorgesehen. Bier und Wein sind von diesen Plänen bislang nicht erfasst. Damit stärkt sie nach eigenen Angaben die Einnahmeseite im Rahmen der Haushaltskonsolidierung. Eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke soll in einem eigenen Gesetzgebungsverfahren geregelt werden. Die Mehreinnahmen daraus sollen der gesetzlichen Krankenversicherung „in geeigneter Weise“ entlastend zugutekommen.

Selbsthilfe begrüßt Gesundheitssteuern

Aus Sicht der Selbsthilfe können höhere Abgaben für Alkohol, Tabak und stark gezuckerte Getränke ein wichtiger Schritt sein, um chronische Erkrankungen und Suchtfolgen besser zu verhindern. Auch Stellungnahmen aus Suchthilfe und Diabetes-Selbsthilfe unterstreichen den präventiven Handlungsbedarf: So forderte bereits im März die „Allianz Alkoholprävention“, ein breites Fachbündnis unter Federführung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Maßnahmen, die bei Preis, Verfügbarkeit und Marketing von Alkohol ansetzen. Die Deutsche Diabetes Föderation, ein bundesweiter gemeinnütziger Bundesverband der Diabetes-Selbsthilfe, nennt die Zuckersteuer „ein wirksames Instrument“, das Menschen dabei unterstützen könne, gesündere Entscheidungen zu treffen. 

Preisimpulse sind erster Schritt

„Höhere Preise für Suchtmittel und gesundheitsschädliche Produkte sind aus Sicht der Betroffenen richtig“, sagt Claudia Schick, Referentin für Selbsthilfeförderung im AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverband. Entscheidend sei aber, in weitere verhältnispräventive Maßnahmen zu investieren: „Menschen, die abstinent leben oder mit dem Rauchen aufgehört haben, sollten Alkohol und Tabak nicht ständig in greifbarer Nähe vor sich haben – etwa auf dem Weg zur Kasse“, sagt Schick. Weniger sichtbare Verkaufsangebote könnten auch junge Menschen besser schützen.

Kritisch sieht Schick zudem, dass Bier und Wein bei den bisherigen Steuerplänen nicht erfasst sind. „Gerade Bier und Wein werden besonders häufig konsumiert. Deshalb ist es aus Sicht der Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… problematisch, dass sie bei der Höherbesteuerung außen vor bleiben“, so Schick.

Auch der Policy Brief „Alkoholbesteuerung“ des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) verweist darauf, dass Bier und Wein für die Alkoholprävention relevant bleiben: Bier habe 2024 den größten Anteil am getrunkenen Alkohol ausgemacht, während es für Wein keine spezifische Verbrauchsteuer gebe.

Bei Zucker sollte der Blick aus Sicht der Selbsthilfe weitergehen als nur auf Getränke. „Es geht nicht nur um Softdrinks. Auch stark gezuckerte Lebensmittel wie Ketchup, Müsli, Gebäck, Babynahrung oder Fertigprodukte sollten stärker in den Blick genommen werden“, sagt Schick. Eine konsequentere Zuckerreduktion könne dazu beitragen, Adipositas und Diabetes Typ 2 vorzubeugen.