Bundesregierung lässt eigenes EU-Gesundheitsbudget fallen
Die Chancen für den Erhalt eines eigenständigen EU-Budgets für Gesundheit schwinden. Die Bundesregierung befürworte das Vorhaben der EU-Kommission, den Etat EU4Health in einem übergeordneten Wettbewerbsfonds aufgehen zu lassen, teilte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) G+G auf Anfrage mit. Das biete auch die Möglichkeit, „den Health-in-All-Policies-Ansatz stärker als bisher umzusetzen, weil gesundheitsbezogene Themen querschnittsmäßig adressiert werden“. Im September beginnt die heiße Phase der Beratungen für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen der Union (MFR 2028 bis 2034). EU4Health ist im Kommissionsentwurf nicht aufgeführt.
„Die Bundesregierung unterstützt die Idee der Europäischen Kommission, den neuen MFR zu modernisieren, flexibler zu gestalten und verschiedene Programme zusammenzuführen“, so das BMG. Maßnahmen, die bisher im Rahmen des EU4Health-Programms gefördert worden seien, würden künftig „im Politikfenster ‚Gesundheit, Landwirtschaft, Biotechnologie, Bioökonomie‘ im Rahmen des EU-Wettbewerbsfähigkeitsfonds“ aufgehen sowie über den EU-Katastrophenschutzmechanismus und den Mechanismus Gesundheitskrisenvorsorge und -reaktion finanziert.
Mit ihrem MFR-Entwurf wirbelt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Budgetstrukturen der Union kräftig durcheinander. Der Haushalt müsse „straffer, flexibler und wirkungsvoller“ werden. Das als schnelle Reaktion auf die Pandemie schon Mitte 2020 eingeführte erste eigenständige EU-Gesundheitsbudget EU4Health würde demnach nicht verlängert. Das Europaparlament wehrt sich gegen das Aus für den mit zuletzt 4,4 Milliarden Euro für sieben Jahre ohnehin nicht üppig bemessenen Etatposten. In die Budgetverhandlungen geht das Parlament mit der Forderung, EU4Health zu erhalten, auf rund zehn Milliarden Euro aufzustocken und konkrete Mittel für Programme einzustellen, darunter die Krebsbekämpfung. EU-Gesundheitspolitik dürfe sich „nicht alleine in Wettbewerbsförderung erschöpfen“, sagte der SPD-Europapolitiker Tiemo Wölken G+G.
Für den nächsten MFR hat die Kommission ein Rekordvolumen von knapp zwei Billionen Euro angesetzt – rund 800 Milliarden mehr als im laufenden Haushalt 2020 bis 2027. Gegen diese Finanzplanung gibt es vor allem aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Schweden und Finnland Widerstand. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) forderte am Dienstag bei einem Besuch in der irischen Hauptstadt Dublin ein Abspecken um mindestens 400 Milliarden Euro. Irland hat aktuell die EU-Ratspräsidentschaft inne und steht vor der Aufgabe, bis Jahresende einen Haushaltskompromiss auszuhandeln. (toro)
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.