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Zeitschriftenschau

15.09.2026 Thomas Ebel 3 Min. Lesedauer

In jeder Ausgabe kuratiert G+G Beiträge aus Fachzeitschriften und gibt einen Einblick in den aktuellen Stand von Forschung und Wissenschaft.

Foto: Mehrere aufgeschlagene Zeitschriften liegen übereinander.

Morbus Crohn: Neue Diät besser akzeptiert

Bei Kindern und Jugendlichen mit unkompliziertem, leicht bis mäßig aktivem Morbus Crohn gilt die exklusive enterale Ernährung (EEN) als Standard zur Remissionsinduktion, ist jedoch oft schlecht akzeptiert. In einer randomisierten Studie zeigte die Tasty & Healthy-Diät (T&H) eine vergleichbare, teils bessere Wirksamkeit: Klinische Remission erreichten 56 Prozent unter T&H versus 38 Prozent unter EEN, bei ähnlicher Verbesserung der Entzündungsmarker. Entscheidend war die deutlich höhere Akzeptanz: 88 Prozent vertrugen T&H (EEN: 52 Prozent), Therapieabbrüche waren seltener (12 Prozent vs. 48 Prozent), und die Zufriedenheit war höher (69 Prozent vs. 24 Prozent). Damit stellt T&H für diese Patientengruppe eine alltagstaugliche Alternative dar, während EEN bei schweren Verläufen weiterhin relevant bleibt.

Gastro-News 2025; 12(6): 18

Länger leben, länger krank

Die Lebenserwartung steigt weltweit deutlich, doch die Jahre in schlechter Gesundheit nehmen zu. Zwischen 1990 und 2023 wuchs die durchschnittliche Lebensspanne von 64,6 auf 73,8 Jahre gemäß Daten aus 204 Ländern und Regionen. Die gesunden Jahre stiegen jedoch nur von 55,9 auf 63,1 Jahre. Das bedeutet, dass Menschen 1990 im Mittel 8,8 Lebensjahre bei schlechter Gesundheit verbrachten, was 13,6 Prozent ihrer Lebenszeit entsprach. 2023 waren es fast zwei Jahre mehr: 10,7 Jahre und 14,5 Prozent ihres Lebens. Besonders betroffen sind wohlhabende Länder mit größerer „Krankheitskluft“. In Deutschland erhöhte sich die Lebenserwartung in diesem Zeitraum von 75,6 auf 80,9 Jahre, während die Krankheitsjahre von 10,1 auf 11,9 stiegen. Einen besonders starken Einfluss auf die Vergrößerung der Krankheitskluft hatten Erkrankungen des Bewegungsapparats, insbesondere Schmerzen im unteren Rücken, sowie psychische Erkrankungen (Depressionen und Angsterkrankungen). Auch vermeidbare Risikofaktoren spielten eine große Rolle, wie hohe Blutzuckerwerte, Übergewicht, Mangelernährung und Rauchen.

The Lancet 2023; 11(8): 487-505

Die Taille verrät das Herzrisiko

Eine Analyse von 15 Kohortenstudien mit knapp 260.000 Erwachsenen (mehr als 80 Prozent Frauen) zeigt: Der BMI allein bildet das kardiovaskuläre Risiko unzureichend ab. Entscheidend ist die Fettverteilung: In allen BMI-Kategorien hatten Personen mit erhöhtem Taillenumfang oder Taille-Hüft-Verhältnis ein deutlich höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, KHK, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz. Umgekehrt hatten Adipöse mit schlanker Taille kaum ein erhöhtes Risiko gegenüber Normalgewichtigen mit geringem Taillenumfang. 18 Prozent der Normalgewichtigen zeigten ein erhöhtes Taille-Hüft-Verhältnis, 45 Prozent der Adipösen dagegen ein niedriges. Die Studie stützt Empfehlungen, den Taillenumfang künftig routinemäßig zusätzlich zum BMI zu erfassen. Einschränkend gilt: Beobachtungsdesign, einmalige Messung, Fokus auf Frauen.

JACC 2026; online 11. August

Blutwert zeigt erhöhtes Behandlungsrisiko

Marburger Forschende berichten, dass eine niedrige Zahl von Eosinophilen im Blut bei der Krankenhausaufnahme auf einen erhöhten Behandlungsbedarf bei Pneumonie hinweisen kann. Grundlage ist eine Studie mit Daten aus dem deutschen CAPNETZ-Netzwerk: Für 1.673 von 2.880 Erwachsenen im Alter von 56 bis 78 Jahren lagen vollständige Datensätze vor. Patientinnen und Patienten mit höchstens 10 Eosinophilen pro Mikroliter benötigten häufiger eine Intensivbehandlung als Personen mit höheren Werten (14,2 Prozent gegenüber 8,5 Prozent), wurden öfter beatmet und blieben länger im Krankenhaus. Da Eosinophile bereits im Standardblutbild erfasst werden, könnte der Wert ohne zusätzliche Tests bei der frühen Risikoeinschätzung helfen. Er könnte bestehende klinische Bewertungssysteme ergänzen und eine gezieltere Überwachung, Therapieplanung sowie Ressourcenverteilung ermöglichen.

Chest 2026; 170(2): 353-364

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