Zeitschriftenschau
In jeder Ausgabe kuratiert G+G Beiträge aus Fachzeitschriften und gibt einen Einblick in den aktuellen Stand von Forschung und Wissenschaft.
Rhinitis und Migräne: Zusammenhang erkennbar, Kausalität unklar
Eine Querschnittsstudie aus Izmir mit 497 Teilnehmenden zeigt eine signifikante Assoziation zwischen Rhinitis und Migräne. Betroffene litten häufiger an Migräne als Kontrollpersonen (24,9% vs. 16,0%), besonders bei allergischer Rhinitis (26,0%). Diese Patientinnen und Patienten berichteten auch über stärkere Einschränkungen in MIDAS (erfasst die durch Migräne verursachte Beeinträchtigung im Alltag) und HIT-6 (misst die allgemeine Belastung durch Kopfschmerzen). Zudem waren nasale und okuläre Symptome ausgeprägter. Diskutiert werden neurogene Entzündungsprozesse und histaminvermittelte Signalwege. Aufgrund des Querschnittsdesigns sind jedoch keine kausalen Aussagen möglich.
Fleischkonsum und Demenzrisiko: Genvariante könnte entscheidend sein
Eine schwedische Langzeitstudie mit über 2.000 Personen ab 60 Jahren zeigt: Träger des ApoE4-Allels, das mit erhöhtem Alzheimer-Risiko verbunden ist, wiesen bei hohem Konsum von unverarbeitetem Fleisch einen besseren kognitiven Verlauf und eine deutlich niedrigere Demenzrate auf. Bei Nichtträgern hingegen war hoher Fleischkonsum eher mit kognitiven Nachteilen verbunden. Verarbeitetes Fleisch schnitt in beiden Gruppen ungünstig ab.
Die Ergebnisse deuten auf eine mögliche Wechselwirkung zwischen Genetik und Ernährung hin, die evolutionsbiologisch erklärbar sein könnte. Allerdings ist Vorsicht geboten: Als Beobachtungsstudie erlaubt die Untersuchung keine kausalen Schlüsse, zudem ist die Zahl der Demenzfälle in den Untergruppen gering. Auch mögliche Störfaktoren wie Lebensstil oder sozioökonomische Unterschiede wurden nicht vollständig kontrolliert. Die Befunde sind daher eher hypothesengenerierend als handlungsleitend.
Zöliakie erhöht langfristig das Pankreatitisrisiko
Eine schwedische Langzeitanalyse auf Basis der ESPRESSO-Kohorte zeigt: Menschen mit biopsiebestätigter Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) haben ein um 42 % erhöhtes Risiko für eine erstmalige akute Pankreatitis. In ESPRESSO werden seit 1965 histopathologische Daten erfasst; seit 1969 wurden jeder Person mit Zöliakie rund fünf nach Alter, Geschlecht und Region gematchte Kontrollen ohne Zöliakie gegenübergestellt. Über bis zu 25 Jahre bleibt das Risiko erhöht, besonders in den ersten Jahren nach Diagnose (um mehr als 100 %), danach sinkend, bleibt aber weiterhin höher als bei Menschen ohne Unverträglichkeit gegen Gluten. Insgesamt traten mehr Fälle sowie häufiger schwere Verläufe auf. Die eigentliche Ursachen, so die Wissenschaftler, sind noch unklar. Als mögliche Mechanismen gelten Gallenblasenmotilitätsstörungen und veränderte Cholesterinsekretion. Sie raten Ärztinnen und Ärzten, Zöliakiepatienten gezielt zu Pankreatitis-Risikofaktoren zu beraten und bei entsprechenden Symptomen früh an eine Pankreasentzündung zu denken.
Kolorektalkarzinom: Sechs Jahre ohne Rezidiv sprechen für Heilung
In der Onkologie ist das Verständnis, ab wann eine Krebserkrankung als geheilt gilt, unscharf, da klassische Endpunkte wie Überleben auch andere Ursachen miteinbeziehen die gegebenenfalls nichts mit der Tumorerkrankung zu tun haben. Beim Kolorektalkarzinom gilt ein Rezidivrisiko unter 1 % als vernachlässigbar, da die Wahrscheinlichkeit, an einer anderen Ursache zu versterben, dann größer ist.
Eine Analyse von 15 Studien mit Daten von über 35.000 Patientinnen und Patienten (1996–2015, alle mit adjuvanter Chemotherapie) zeigt: Nach kurativer Resektion eines Kolorektalkarzinoms sinkt das Rezidivrisiko kontinuierlich und liegt ab sechs Jahren unter 1 % pro Jahr. In der bis zu 14-jährigen Nachbeobachtung traten bei 27 % Rückfälle auf, mit einem frühen Peak nach sechs bis zwölf Monaten. Bleibt ein Rezidiv sechs Jahre aus, gilt die Erkrankung praktisch als geheilt. Die Ergebnisse können helfen, Nachsorge gezielter zu gestalten.
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