Zeitschriftenschau
In jeder Ausgabe kuratiert G+G Beiträge aus Fachzeitschriften und gibt einen Einblick in den aktuellen Stand von Forschung und Wissenschaft.
Neuer Bluttest kann Alzheimererkrankung prognostizieren
Ein Bluttest auf die Tau-Variante pTau217 kann laut US-Studien nicht nur eine Alzheimer-Pathologie nachweisen, sondern auch den Zeitpunkt des Symptombeginns abschätzen. Bei einem positiven Ergebnis (4 % pTau217) tritt die Demenz je nach Alter durchschnittlich nach 20,5 Jahren (60-Jährige), 16,5 Jahren (70-Jährige), 11,4 Jahren (80-Jährige) oder 5,1 Jahren (90-Jährige) auf. Die Vorhersage ist mit einer Genauigkeit von etwa drei bis vier Jahren möglich. Da pTau217 die Beta-Amyloid- und Tau-Ablagerung im Gehirn spiegelt, könnte der Test vor allem Personen für Präventionsstudien identifizieren – für individuelle Prognosen ist er jedoch noch zu ungenau.
Tanzen – die beste Sportart gegen Depressionen
In einem systematischen Review mit Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien mit insgesamt 14.170 Teilnehmenden mit Major-Depression zeigte sich, dass Tanzen stärker gegen Depressionen wirkt als jede andere Sportart – etwa Walken, Joggen oder Yoga. Zugleich fördert Tanzen Kognition, Stimmung und soziale Verbundenheit. Es stimuliert das Dopaminsystem, reduziert Stress und verbessert Schlaf und Körperwahrnehmung. Dabei zeigte sich auch, dass sich beim Tanzen die Gehirnaktivitäten synchronisieren. Studien zeigen, dass sich dabei Delta-Wellen verstärken – langsame Hirnwellen, die mit tiefer Entspannung und Regeneration verbunden sind. Diese entstehen nicht nur beim aktiven Tanzen, sondern auch, wenn man anderen beim Tanzen zusieht. Durch gemeinsames rhythmisches Erleben entsteht neuronale Synchronität, die das seelische Wohlbefinden und ein Gefühl der Teilhabe fördert.
Schädel-Hirn-Traumata erhöhen langfristig Demenz- und Sterberisiko
Langzeitdaten der Framingham-Heart-Study (1948–2022) mit mehr als 10.000 Teilnehmenden zeigen eine klare, dosisabhängige Verbindung zwischen Schädel-Hirn-Traumata (SHT) und der Gesamtmortalität, vor allem bedingt durch demenzassoziierte Todesfälle. Für die Mortalitätsanalyse wurden Betroffene mit Schädel-Hirn-Trauma mit Personen ohne SHT verglichen. Ein SHT war mit einer um 15 Prozent erhöhten Gesamtmortalität verbunden, besonders deutlich bei moderaten bis schweren Verletzungen. Leichte Traumata erhöhten die Gesamtmortalität nicht signifikant. Auffällig war vor allem die demenzbezogene Sterblichkeit: Sie stieg schon nach leichten SHT um das 1,6-fache an und war nach moderaten bis schwere Verletzungen um das 3,7-fach deutlich höher. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass SHT langfristige Folgen für das Gehirn haben und Prävention, vor allem gegen Stürze, wichtig ist.
Langzeitfolgen von Antibiotika auf das Darmmikrobiom
Schwedische Forschende der Universität Uppsala zeigen, dass Antibiotika das Darmmikrobiom über Jahre hinweg verändern. In einer Studie mit knapp 15.000 Erwachsenen fanden sich auch vier bis acht Jahre nach der Einnahme noch deutliche Unterschiede in der Bakterienzusammensetzung. Besonders Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin beeinflussten viele Arten, während Penicillin V und Nitrofurantoin geringere Effekte zeigten. Selbst eine einmalige Behandlung kann die mikrobielle Vielfalt nachhaltig senken. Die Forschenden plädieren für einen gezielten, sparsamen Einsatz, um Resistenzen und dauerhafte Mikrobiomstörungen zu vermeiden.
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