Interview Prävention

„Die Gesundheit systematisch fördern“

15.09.2026 Thorsten Severin 2 Min. Lesedauer

Prävention ist nach Ansicht von Daniela Kolbe, alternierende Verwaltungsratsvorsitzende der AOK PLUS (Versichertenseite), eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

Ein Mädchen in Latzhose und grünem Tshirt mit weißen Herzchen steht in der Küche und schneidet Avocado. Auf der Theke liegen viele Schalen mit Gemüsesorten sowie Ölflaschen und Gewürze.
Gesundes Verhalten soll im Alltag leichter werden. Dafür braucht es Bedingungen, die gesundheitsfördernde Entscheidungen unterstützen.
Daniela Kolbe ist alternierende Verwaltungsratsvorsitzende der AOK PLUS (Versichertenseite).

Frau Kolbe, das Bundesgesundheitsministerium will Prävention stärker ins Zentrum rücken. Was muss sich hier ändern?

Daniela Kolbe: Endlich! Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme und trotzdem nur eine durchschnittliche Lebenserwartung. Wir müssen viel ändern. Es gilt, mehr zu investieren, damit wir gesund bleiben, statt erst dann zu handeln, wenn Menschen krank werden. Für mich heißt das: mehr gesunde Jahre – also möglichst lange selbstbestimmt und mit guter Lebensqualität leben zu können. Menschen brauchen Bedingungen, die gesundes Verhalten im Alltag erleichtern – in der Kita, in der Schule, am Arbeitsplatz und im Wohnumfeld. Prävention ist deshalb nicht nur eine Aufgabe des Gesundheitswesens, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Welche Rolle können Krankenkassen dabei übernehmen?

Kolbe: Die Kassen sind nah an den Menschen und können viel bewegen. Die AOK PLUS versteht sich dabei als Gesundheitslotsin: Sie gibt Orientierung und macht passgenaue Angebote für unterschiedliche Lebenssituationen – von Vorsorge, individuellen Gesundheitsangeboten und digitalen Services bis zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Ein wichtiger Schlüssel ist Gesundheitskompetenz. Informationen müssen verständlich sein und Menschen helfen, gute Entscheidungen zu treffen und passende Angebote tatsächlich zu nutzen.

Was braucht es darüber hinaus von der Politik?

Kolbe: Die Finanzkommission Gesundheit hat in ihrem ersten Bericht Prävention ausdrücklich aufgegriffen. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Meiner Meinung nach braucht es aber tiefgreifende Strukturreformen. Derzeit finanzieren wir die Behandlung kranker Menschen: Je kränker, umso höher die Vergütung. Wir brauchen aber ein Gesundheitssystem, das nicht nur Krankheiten gut behandelt, sondern Gesundheit systematisch fördert und vermeidbare Erkrankungen möglichst verhindert. Prävention muss ein konstitutiver Bestandteil unseres Gesundheitssystems werden.

Die zehnte Podcast-Folge vom „G+G Kassentreffen – Wer kommt, was geht?": Zu Gast ist Oliver Huizinga, Abteilungsleiter Prävention im AOK-Bundesverband.
05.12.20254 Min
Illustration: Eine Person steht auf der Laufbahn. Unter ihrem Schuh liegen Alkoholflaschen, eine Zigarette und ein Aschenbecher.
Vier von zehn Todesfällen sind auf Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel zurückzuführen. Der Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt, wie sich das ändern ließe. Er vergleicht die Präventionspolitik im 18 europäischen Ländern.
17.12.2025Oliver Huizinga10 Min

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