„Im Team eine zentrale Lotsenfunktion leben“
Interdisziplinäre Praxen sind nach Ansicht von Bernd Vogler, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Kernbestandteil einer guten Primärversorgung.
Herr Dr. Vogler, wo sehen Sie Stellschrauben in der ärztlichen Versorgung für mehr Effizienz?
Dr. Bernd Vogler: Für uns als AOK ist es wichtig, den Menschen eine qualitativ hochwertige Versorgung zu bieten. Das Ziel ist es, die Versorgungspfade zu optimieren, indem Ambulantisierung, Digitalisierung und eine sektorenunabhängige Versorgung vorangebracht werden. Die AOK hat im Positionspapier zur sektorenunabhängigen regionalen Versorgung Vorschläge entwickelt, mit denen Probleme wie Wartezeiten auf Facharzttermine oder verstopfte Notaufnahmen gelöst werden könnten. Wichtig ist eine stärkere Verzahnung der vertragsärztlichen Versorgung – auch um einer altersbedingt schrumpfenden Hausarztdichte entgegenzuwirken. Es muss gelingen, die vertragsärztliche Versorgung zur patientenorientierten Primärversorgung weiterzuentwickeln, um effizient in zielgerichtete Versorgungspfade zu steuern.
Wie kann das konkret aussehen?
Vogler: Es gilt, gemeinsam mit Gesundheitspartnern und der Politik neue, verbindliche Strukturen zu schaffen. Was die Menschen brauchen, ist aus unserer Sicht die Entwicklung hin zu einer interdisziplinären teambasierten Versorgung. Derartige Praxen können das Kernelement der zukünftigen Primärversorgung bilden. Mehr vernetzte, aufeinander abgestimmte Strukturen könnten die Gesundheitsangebote für die Menschen übersichtlicher gestalten - und auch helfen, Effizienzen in der Versorgung zu steigern.
„Es gilt, gemeinsam mit Gesundheitspartnern und der Politik neue, verbindliche Strukturen zu schaffen.“
Alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland
Haben Sie ein Beispiel?
Vogler: Bei dem Projekt HÄPPI ist ein guter Lösungsansatz entstanden: In Teampraxen arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen und Angehörige weiterer Gesundheitsberufe entsprechend ihrer Qualifikationen im Interesse der Patientinnen und Patienten zusammen. HÄPPI führte zum Rückgang von Doppelstrukturen. Die Delegation an Fachkräfte brachte Entlastung und Arbeitsteilung im Alltag. Insbesondere die digitalen Unterstützungsmöglichkeiten schafften neue Freiräume. Im Team kann eine zentrale Lotsenfunktion gelebt werden.
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