Artikel Versorgung

Medizin in der Teilzeitfalle

20.06.2024 Jörn Hons 12 Min. Lesedauer

Eine aktuelle Recherche zeigt: Immer mehr ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten arbeiten in Teilzeit. Trotz gestiegener Arzt- und Therapeutenzahlen haben Patientinnen und Patienten auch deshalb oft Schwierigkeiten, Termine zu bekommen.

Illustration eines vollen Wartezummers, in dem viele Leute nebeneinander sitzend warten
Volle Wartezimmer, Ärzte in Teilzeit – das erfordert ein Umdenken beim Umgang mit den Ressourcen.

Die Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten hat im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen: Waren im Jahr 2012 rund 162.000 Mediziner und Therapeuten ambulant tätig, sind es heute mehr als 187.000. Gleichzeitig haben Versicherte und Patienten immer häufiger Schwierigkeiten, einen Termin in einer Praxis zu bekommen.
 
Ein Grund dafür sind Veränderungen im Beschäftigungsverhältnis und der Arbeitszeit. Das zeigt eine exklusive Recherche der G+G bei den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Gefragt wurde nach der Zahl der bei ihnen registrierten ambulant tätigen Hausärzte, Fachärzte sowie der ärztlichen und nichtärztlichen Psychotherapeuten (Frauen und Männer sind hier wie im folgenden beide gemeint). Und die Recherche richtete sich auch darauf, ob die Behandler in Vollzeit oder in Teilzeit arbeiten, ob sie als Vertragsärzte selbstständig tätig oder in einer Praxis angestellt sind (siehe Kasten „Hintergrund der Recherche“).

Verfügbare Zeit nimmt ab

Die Welt der ambulanten Medizin hat sich in diesen gut zehn Jahren erheblich verändert. Diese Veränderung zieht sich durch alle KV-Regionen – mehr oder weniger stark ausgeprägt. Die Bevölkerung in Deutschland ist von 2012 bis 2024 um rund fünf Prozent von 80 auf 84 Millionen Menschen gewachsen. Die Zahl der Ärzte und Psychotherapeuten ist dagegen überproportional angestiegen. So hat sich die Quote der Einwohner je Arzt und Psychotherapeuten in den vergangenen zehn Jahren in allen KV-Regionen verbessert. Selbst in Bundesländern, die Einwohner verloren haben, ist die Zahl der Mediziner erheblich gestiegen. Doch rund ein Drittel aller Ärzte und Therapeuten behandelt Patienten inzwischen in Teilzeit. Die verfügbare Arzt- und Therapeuten-Zeit ist deshalb erheblich geschrumpft. Dies verdeutlichen die Zahlen aus den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen.

1) Baden-Württemberg

21.624 Ärzte und Psychotherapeuten waren 2023 für die gesetzlich Versicherten im Ländle tätig – zwölf Prozent mehr als 2013. In Teilzeit arbeiten inzwischen 32,7 Prozent – gegenüber 13,3 Prozent zehn Jahre zuvor. Von den Fachärzten arbeiten 30,1 Prozent in Teilzeit – von den Hausärzten nur 16,3 Prozent. Die Zahl der angestellten Ärzte und Psychotherapeuten ist in diesem Zeitraum um 109 Prozent gestiegen, die Zahl der selbstständig arbeitenden Mediziner ging aber um 6,5 Prozent zurück. Bemerkenswert: Die Zahl der Hausärzte ist sogar um 2,1 Prozent gesunken. Außer in Baden-Württemberg sind nur in Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland aktuell weniger Haus- und Allgemeinärzte tätig als im Jahr 2013. Der Frauenanteil in Medizin und Psycho­therapie liegt in Baden-Württemberg bei 50 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren Männer mit 60,2 Prozent in der Mehrheit.

2) Bayern

Im südlichsten Bundesland gibt es den (zusammen mit Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hessen) stärksten Pro-Kopf-Zuwachs an Medizinern und Psychotherapeuten bundesweit – 21,5 Prozent mehr als im Jahr 2013. Das entspricht einem Plus von rund 5.000 auf 30.465 Selbstständige oder Angestellte in diesem Sektor. Die Bevölkerung Bayerns ist laut Statistischen Bundesamt im gleichen Zeitraum nur um 7,4 Prozent gewachsen. Statistisch versorgt nun jeder ambulant tätige Arzt/Psychotherapeut 441 Einwohner; im Jahr 2013 waren es mehr als 500. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten übermittelte die KV Bayern nur für die selbstständig arbeitenden Ärzte. Die errechnete Teilzeit-Quote von 28,6 Prozent im Jahr 2023 ist damit vermutlich deutlich zu niedrig. Die Zahl der Hausärzte ist in Bayern um 4,1 Prozent gestiegen. Der Frauenanteil betrug 2023 50 Prozent. Zehn Jahre zuvor hatten die Männer mit einem Anteil von 63 Prozent noch die Mehrheit.   

3) Berlin

10.548 Ärzte und Psychotherapeuten arbeiteten 2023 in der Bundeshauptstadt auf Kassenkosten. Das sind fast 15 Prozent mehr als 2013. Die Teilzeitquote ist rekordverdächtig: 43,2 Prozent der ambulanten Mediziner und Therapeuten üben ihren Beruf mit reduzierter Stundenzahl aus. Noch zehn Jahre zuvor lag dieser Anteil bei 17,8 Prozent. Getrieben wird die hohe Teilzeitquote vor allem durch Psychotherapeuten – rund zwei Drittel von ihnen arbeiten Teilzeit, nur ein Drittel Vollzeit. Frauen sind in der Mehrheit (59,3 Prozent).

4) Brandenburg

Ebenso wie die KVen Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz konnte die KV Brandenburg keine Zahlen zum Arbeitszeitmodell liefern. Auch zum Status selbstständig oder angestellt gab es keine Daten. Die Zahl der Ärzte ist im Bereich der KV Brandenburg laut Bundesärztekammer seit 2013 um 23,7 Prozent auf 5.041 Mediziner und Psychotherapeuten gestiegen – der höchste prozentuale Arztzuwachs bundesweit. Die Einwohnerzahl hat sich nur um 5,4 Prozent erhöht.

5) Bremen

Im Zwei-Städte-Staat Bremen ist die Einwohnerzahl um 5,2 Prozent gestiegen, die Arzt- und Therapeutenzahl hat um 13,9 Prozent zugelegt. Wie im Stadtstaat Hamburg ist die ärztliche und therapeutische Mitversorgung von Einwohnern aus dem Umland hoch. Je nach Praxis und Fachgebiet können bis zu 30 oder 40 Prozent der Patienten aus Niedersachsen kommen. Laut KV Bremen arbeiten inzwischen rund 39 Prozent der 2.093 Mediziner und Psychotherapeuten in Teilzeit. Vergleichszahlen für 2013 lieferte die KV Bremen nicht – und die Summe der Zahlen ergeben Lücken in der Statistik. Die Zahl der Hausärzte ist um 0,7 Prozent geschrumpft. Frauen sind in der Mehrheit – das Geschlechterverhältnis hat sich seit 2013 umgekehrt.

6) Hamburg

Die KV Hamburg lieferte keine Zahlen über die Beschäftigungsverhältnisse ihrer Mediziner und Psychotherapeuten aus dem Jahr 2013. Die Gesamtzahl der Mediziner stieg seither um 17,8 Prozent, während die Bevölkerung um 9,4 Prozent wuchs. Die Versorgung der Umlandbewohner spielt hier ebenso wie in Bremen eine Rolle. Vollzeit- und teilzeitbeschäftigte Fachärzte halten sich mit 1.400 zu 1.251 aktuell fast die Waage. Unter den Psychotherapeuten arbeiten 1.016 in Teilzeit und sind damit gegenüber 476 in Vollzeit deutlich in der Mehrheit. 46,8 Prozent der 5.680 ambulant tätigen Ärzte und Therapeuten arbeiten in Hamburg in Teilzeit – der höchste Wert aller hier verglichenen KVen. Das Männer-Frauen-Verhältnis beträgt aktuell 42,1 zu 57,9 Prozent.

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7) Hessen

Die KV Hessen hat einen der höchsten Arztzuwächse bundesweit zu verzeichnen: 21,5 Prozent in zehn Jahren. Die Bevölkerung wuchs durchschnittlich um 6,3 Prozent. Auch die Teilzeitquote ist hoch – 43,6 Prozent aller hier betrachteten ambulanten Fachgruppen. Die Teilzeitquote bei Fachärzten stieg im Zehn-Jahres-Zeitraum um 178 Prozent, bei den Psychotherapeuten um 330 Prozent. Im Angestellten-Verhältnis arbeiten deutlich mehr Haus- und Fachärzte als früher. Aktuell beträgt der Frauenanteil 54,1 Prozent. 

8) Mecklenburg-Vorpommern

Im Land zwischen Müritz und Ostsee hat sich nach Angaben der Bundesärztekammer die Arzt- und Therapeutenzahl seit 2013 um 17,1 Prozent erhöht. Die Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum nur um 2,1 Prozent. Entsprechend bewegt sich die Quote Einwohner je Arzt auf dem Niveau der KVen Nordrhein und Saarland. Wie viele Behandler Teilzeit oder Vollzeit arbeiten, konnte die KV Mecklenburg-Vorpommern nicht ermitteln – ebenso wenig wie das Verhältnis von Angestellten und Selbstständigen oder Männer und Frauen.  

9) Niedersachsen

Zwischen Harz und Nordsee sind aktuell 16.683 Mediziner und Therapeuten tätig – 19,6 Prozent mehr als im Jahr 2016. Die Bevölkerung wuchs in diesem Zeitraum um 2,8 Prozent. In der KV Niedersachsen sind 34,1 Prozent aller Behandler in Teilzeit tätig. Bei den Psychotherapeuten wählen 58 Prozent dieses Arbeitszeitmodell, bei den Fachärzten immerhin 39 Prozent. Noch 2016 – frühere Zahlen konnte die KV Niedersachsen nicht auswerten – waren insgesamt 27,1 Prozent teilzeitbeschäftigt. Das Verhältnis von Selbstständigen und Angestellten teilte die KV nicht mit. Männer sind in Medizin und Psychotherapie in Niedersachsen mit 53,2 Prozent noch in der Mehrheit.

10) Nordrhein

Die Zahl der Ärzte und Therapeuten im Bereich der KV Nordrhein ist seit 2013 um 19,2 Prozent gewachsen. Auch hier hat sich der Anteil der Teilzeitbeschäftigten im vergangenen Jahrzehnt deutlich verändert: von 18,8 Prozent auf 40 Prozent. Bei den Fachärzten stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 119 Prozent – genau ein Drittel von ihnen behandelt Patienten heute in Teilzeit. Bei den Psychotherapeuten stieg die Zahl in Teilzeit Arbeitender sogar um 318 Prozent. Diese Berufsgruppe betreut ihre Patienten zu rund zwei Dritteln in Teilzeit. In Nordrhein sind Frauen mit 53,4 Prozent häufiger in diesen Berufen tätig als Männer. Noch 2013 kamen Frauen nur auf 43,2 Prozent.

11) Rheinland-Pfalz

Im Südwesten ist die Bevölkerung in zehn Jahren um 4,6 Prozent gewachsen – etwas unter dem Bundesschnitt. Die Arzt- und Therapeutenzahl hat sich nur moderat um 11,3 Prozent erhöht. Aktuell gibt es sogar 1,7 Prozent weniger Hausärzte als zehn Jahre zuvor. Der Anstieg bei den Fachärzten ist mit 5,9 Prozent Plus unspektakulär. Dafür legte die Zahl der ambulant tätigen Psychotherapeuten um rund 65 Prozent zu. Die KV Rheinland-Pfalz lieferte keine Zahlen zur Arbeitszeit. Das FrauenMänner-Verhältnis liegt bei 48 zu 52 Prozent.

12) Saarland

Im Saarland werden Hausärzte knapper: 4,3 Prozent weniger sind es im Vergleich zu 2013, der größte Verlust bundesweit. Nur 11,2 Prozent der 649 Hausärzte arbeiten in Teilzeit. Dafür gibt es bei den Fachärzten und Psychotherapeuten eine deutliche Verschiebung: Noch 2013 arbeiteten rund 91 Prozent der Fachärzte in Vollzeit, 2023 sind es nur noch 70 Prozent. Bei den Psychotherapeuten dreht sich das Verhältnis: Zwölf Prozent waren 2013 teilzeitbeschäftigt. Zehn Jahre später behandeln 65 Prozent in diesem familienfreundlichen Arbeitszeitmodell. Zugleich ist die Zahl der Psychotherapeuten um 82 Prozent gewachsen. Männer sind mit 52 Prozent in der Mehrheit. 2013 lag ihr Anteil allerdings noch bei 62,8 Prozent.

Hintergrund der Recherche

Diese Analyse beruht auf den Antworten von 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), auf online verfügbaren Daten der Bundesärztekammer (BÄK) zu den ambulant tätigen Ärzten und Therapeuten (die von den Ärztekammern an die BÄK gemeldet werden) sowie auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Bevölkerungsentwicklung. Allerdings bestehen zwischen BÄK- und KV-Zahlen teils erhebliche Differenzen. Auch weisen die KV-Zahlen Lücken auf und sind teilweise nicht plausibel. Deshalb stellt diese Auswertung vor allem Verhältniszahlen und Vergleiche dar. Auch die Zuordnung der psychotherapeutischen Berufe war nicht immer eindeutig. Dieser Beitrag fasst daher ärztliche und nichtärztliche Psychotherapeuten zusammen und zählt ermächtige Ärzte – analog zur Statistik der BÄK – nicht mit. Der betrachtete Zeitraum unterscheidet sich leicht darin, welches Datenjahr zugrunde liegt.

13) Sachsen

In Sachsen arbeiten heute 17,6 Prozent mehr Ärzte und Therapeuten als vor zehn Jahren. Die Bevölkerung ist nur um ein Prozent gewachsen. Die Zahl der Hausärzte ist genau gleich: 2.692 von ihnen verzeichnet die KV Sachsen sowohl 2013 wie auch zehn Jahre später. Als Hausärzte in Teilzeit arbeiteten vorher 4,6 Prozent, aktuell 17,4 Prozent. Vor allem Psychotherapeuten arbeiten zunehmend in Teilzeit, aktuell 57 Prozent. Ihre Gesamtzahl legte in zehn Jahren um 72,9 Prozent zu. Zum Status selbstständig oder angestellt hatte die KV Sachsen keine Zahlen. 92,6 Prozent aller Ärzte und Therapeuten haben 2013 Vollzeit gearbeitet. Zehn Jahre später zählen nur noch 65,6 Prozent zu dieser Gruppe – 34,4 Prozent haben derzeit also eine Teilzeitstelle. Im Jahr 2013 waren Frauen mit 57,2 Prozent schon in der Mehrheit, dieser Anteil hat sich auf 60,3 Prozent erhöht.

14) Sachsen-Anhalt

Um 2,8 Prozent ist die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt innerhalb von zehn Jahren geschrumpft, der höchste Verlust an Einwohnern bundesweit. Die Arzt- und Therapeutenzahl ist aber um 17,5 Prozent gestiegen. In Teilzeit arbeiten heute 26 Prozent – bundesweit gesehen ist das die niedrigste Quote an Teilzeit (unter den KVen, die diese Zahlen mitgeteilt haben). Bei den Psychotherapeuten beträgt das Verhältnis Teilzeit zu Vollzeit 52 zu 48 Prozent – ungewöhnlich viele Vollzeitstellen also. Ähnlich wie in Sachsen hat sich das Geschlechterverhältnis kaum verändert, wobei Frauen deutlich in der Mehrheit sind.

15) Schleswig-Holstein

Das nördlichste Bundesland scheint zusammen mit Brandenburg der aktuell beliebteste Arzt- und Therapeuten-Sitz bundesweit zu sein. 6.151 Ärzte und Psychotherapeuten bedeuten 22,2 Prozent mehr als im Jahr 2013. Konkret: 6,2 Prozent mehr Hausärzte, 23 Prozent mehr Fachärzte – und 65 Prozent mehr Psychotherapeuten. Der Bevölkerungszuwachs bewegt sich mit 5,3 Prozent nahe am Bundesschnitt. 36,8 Prozent aller Behandler arbeiten heute in Teilzeit, gegenüber 12,4 Prozent im Jahr 2013. Aktuell bevorzugen 15,8 Prozent der Hausärzte, 38,7 Prozent der Fachärzte und 70,3 Prozent der Psychotherapeuten das Teilzeit-Modell. Keine Daten gab es zum Geschlechterverhältnis.

16) Thüringen

Mit einem Minus von 1,7 Prozent ist Thüringen eines der beiden Bundesländer, die Einwohner verloren haben. Die Zahl der ambulant tätigen Ärzte und Therapeuten ist mit 4.224 aber um 12,4 Prozent höher als 2013. Die Teilzeitquote ist mit 27,3 Prozent vergleichsweise niedrig. 2013 arbeiteten noch über 90 Prozent in Vollzeit. Anders als in den meisten anderen KVen ist die Mehrheit (55,2 Prozent) der Psychotherapeuten in Vollzeit tätig. Frauen sind in den betrachteten Berufen deutlich häufiger vertreten.

17) Westfalen-Lippe

Um 19,2 Prozent ist die Zahl der Ärzte und Therapeuten in Westfalen-Lippe seit 2013 gestiegen, auf insgesamt 15.631. Zum Vergleich: Seit dem Jahr 2011 leben 1,6 Prozent mehr Menschen im Bereich dieser KV. Der Zuwachs bei den Hausärzten ist mit 1,6 Prozent gering, bei den Fachärzten mit 18,5 Prozent überdurchschnittlich. 34,8 Prozent von ihnen arbeiten in Teilzeit. In Westfalen-Lippe sind aktuell 3.320 Psychotherapeuten beschäftigt, das sind 63,5 Prozent mehr als 2013. Von ihnen arbeiten 72,8 Prozent Teilzeit. Das ist Rekordwert unter den KVen. Weniger Männer, mehr Frauen – das ist auch die Entwicklung in Westfalen-Lippe: Die Männer sind allerdings mit aktuell 52,1 Prozent noch in der Mehrheit.

Resümee

  • Teilzeitarbeit (zehn bis 30 Stunden pro Woche) wird immer mehr zum gängigen Arbeitsmodell für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten (Frauen und Männer).
  • Unter Fachärzten ist die Teilzeitarbeit stärker verbreitet als unter Hausärzten.
  • Für Psychotherapeuten ist Teilzeit sogar das Standardmodell ihrer Tätigkeit – Vollzeit arbeiten meist nur zwischen 20 und 45 Prozent.
  • Die Zahl der Hausärzte hat sich seit 2013 kaum erhöht, sie ist teilweise sogar gesunken.
  • Die Zahl der Fachärzte ist seit 2013 erheblich gestiegen. Die Zahl der Psychotherapeuten hat sich in einigen KV-Regionen sogar verdoppelt.
  • Das Angestellten-Verhältnis wird unter Medizinern immer beliebter. Aber nicht für Psychotherapeuten – sie sind mit großer Mehrheit selbstständig.
  • Der Arztberuf ist in den vergangenen zehn Jahren ein Frauenberuf geworden. Nur in vier von 14 KVen (drei haben keine Daten geliefert) sind Männer noch in der Mehrheit.
  • Das Geschlecht ist nicht entscheidend für eine hohe Teilzeitquote: In den östlichen Bundesländern sind Frauen deutlich in der Mehrheit – die Teilzeitquote ist dort aber relativ niedrig.
Porträt von Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Frankfurt und ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
Warum die Teilzeitquote nicht der alleinige Grund für Terminengpässe und Zeitmangel ist, erläutert Prof. Dr. Ferdinand Gerlach im Interview mit Jörn Hons.
20.06.2024Jörn Hons4 Min

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